Männer durch Technik zur Psychotherapie ermutigen

Astrid Goldmayer

Spezielle Angebote für Psychotherapie für Männer könnten Hemmschwelle senken

08.06.2013

Männer leiden anders als Frauen – häufig im Stillen und ohne therapeutische Hilfe in Anspruch zu nehmen. Experten zufolge könnten sich Männern schneller dazu entschließen, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, wenn in die Psychotherapien stärker männliche Interessen wie Technikbegeisterung miteinbezogen würden.

Psychotherapie könnte sich Technikbegeisterung des Mannes zunutze machen
„Männer sind genauso von psychischen Erkrankungen betroffen, wie Frauen. Bisher ist es gesellschaftlich aber für viele nicht möglich, diese Erkrankungen öffentlich zu machen. Das müssen wir ändern mit spezifischen Angeboten für betroffene Männer und mehr Aufklärung der Bevölkerung", erklärte die Psychologin Barbara Lubisch, stellvertretende Bundesvorsitzende der Deutschen PsychotherapeutenVereinigung (DPtV) anlässlich des Symposiums „Mann kriegt die Krise", das am Donnerstag in Berlin stattfand.

Auch der Psychotherapeut Johannes Vennen sprach sich für spezielle Therapieangebote für Männer aus. So könnten sich die Therapeuten beispielsweise die Technikbegeisterung der Männer zunutze machen, indem sie ihre Klienten ermutigten, die Sitzungen mit ihrem Smartphone aufzuzeichnen, um sie sich später nochmal anzuhören. „Seit Jahrhunderten sind Frauen und Männer unterschiedlich sozialisiert, wieso soll gerade in der Psychotherapie ein unisexueller Ansatz funktionieren", fragte Vennen. „Das Innenleben ist für Männer eine wenig bekannte Welt. Es ist aber wichtig für eine Therapie, deswegen muss ihr Achtsamkeitsfokus mehr nach innen gelegt werden.“

Psychotherapie muss Lebenswelt von Männern entsprechen
Das Angebot für männergerechte Psychotherapie sei derzeit noch klein. Es müsse sich einiges ändern, um Männer zu erreichen, wie die Schaffung von Angeboten, die der Lebenswelt von Männern entsprechen. Dazu gehörten angepasste Sprechzeiten, abends oder am Wochenende. Auch die Raumgestaltung und die Zeitschriften im Wartebereich müssten „männlicher“ sein. Darüber hinaus rät Vennen auch zu anderen Therapieformen wie Rollenspielen, Übungen oder Präsentationen. „Wichtig ist es, eine männergerecht Therapiesituation zu schaffen, dann erreichen wir die Betroffenen auch und können ihnen helfen“, erläuterte der Psychotherapeut.

Wie Lubisch berichtete, liege die Suizidrate bei Männern dreimal höher als bei Frauen. „Wir müssen die gesellschaftliche Verantwortung für diese Tatsachen sehr ernst nehmen.“ Es müsse eine ausreichende Zahl an Psychotherapieplätzen mit mehr männlichen Therapeuten geben. Auch in Betrieben und Organisationen müsse die Sensibilität für psychische Probleme von Männern geschärft werden. Lubisch wies ausdrücklich auch auf präventive Angebote hin. „Deshalb sollte das Präventionsgesetz speziell die Aspekte psychischer Gesundheit berücksichtigen", fordert die Psychotherapeutin. Therapeuten sollten Lubisch zufolge unbedingt in die betrieblichen Gesundheits- und Präventiosprogramme mit einbezogen werden. (ag)

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