Männer: Schnellere Alterung des Gehirns in einer Studie gemessen

Fabian Peters
Das Gehirn von Männern baut im Alter stärker ab
Die Leistungsfähigkeit des Gehirns nimmt mit dem Alter ab. Bei Männern scheint dieser Prozess jedoch deutlich schneller voranzuschreiten als bei Frauen. Wissenschaftler der ungarischen Universität von Szegedn haben in einer aktuellen Studie festgestellt, dass das Volumen der sogenannten grauen Substanz im Zuge der Alterung bei Männern in zahlreichen Hirnregionen deutlich zurückgeht, während Frauen nur im Bereich des Thalamus einen signifikanten Rückgang der grauen Substanz aufwiesen.

In früheren Studien wurde mehrfach über die „Auswirkungen des Geschlechts auf die Masse der grauen Substanz in verschiedenen subkortikalen Strukturen des menschlichen Gehirns berichtet“, schreiben die ungarischen Wissenschaftler in dem Fachmagazin „Brain Imaging and Behaviour“. Nikoletta Szabó und Kollegen von der University of Szegedn untersuchten daher in ihrer aktuellen Studie mögliche Zusammenhänge zwischen der „Hirngröße, dem Geschlecht, dem Alter und der Masse der subkortikalen grauen Substanz im menschlichen Gehirn.“ Dabei stellten die Forscher fest, dass Männer einen weit ausgeprägteren Abbau der Hirnsubstanz im Zuge des Alterns aufweisen als Frauen.

Das Gehirn von Männern altert schneller. Bild: Bild: Thomas Jansa/fotolia.com
Das Gehirn von Männern altert schneller. Bild: Thomas Jansa/fotolia.com

Männer zeigen deutlichen Rückgang der grauen Substanz
Anhand von 53 gesunden Männern und 50 gleichaltrigen, gesunden Frauen untersuchten die Wissenschaftler mit Hilfe von bildgebenden Verfahren (MRT) die Masse der grauen Substanz in den einzelnen Hirnregionen und deren Veränderung bei zunehmendem Lebensalter. „Wir verwendeten die modellbasierte subkortikale Segmentierungsanalyse, um das Volumen der subkortikalen Kerne zu messen“, schreiben Szabó und Kollegen. Zunächst stellten die Forscher fest, dass in einzelnen Hirnregionen deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede bestanden. So hätten beispielsweise Frauen durchschnittlich ein größeres Hippocampus-Volumen. Zudem zeigten die Veränderungen der grauen Substanz im Bereich des Nucleus caudatus, Putamen und Thalamus einen signifikanten altersbedingten Rückgang bei Männern im Vergleich zu Frauen, berichten die Wissenschaftler weiter. Lediglich im Bereich des Thalamus hätten auch Frauen einen signifikanten Volumenverlust mit zunehmendem Alter gezeigt.

Abbau des Hirnvolumens als Ursache für Erkrankungen?
Die aktuellen Erkenntnisse seien wichtig für die Interpretation von MRT-Aufnahmen des Gehirns, da unveränderliche Faktoren wie Geschlecht und Alter hier offenbar einen maßgeblichen Einfluss auf das Volumen grauen Substanz haben. Auch könnten die altersbedingten Veränderungen im Gehirn der Männer im Zusammenhang mit dem vermehrten Auftreten neurodegenerativer Erkrankungen wie beispielsweise Parkinson stehen, erläutern die Forscher. Die Studie der ungarischen Wissenschaftler verdeutlicht, dass in Bezug auf das Gehirn die biologische Uhr von Frauen keineswegs schneller tickt und Männer hier einen deutlich stärkerer Rückgang der kognitiven Fähigkeiten im Alter erwartet. Wieso dies so ist, sollen nun weitere Studien klären. (fp)