Magnetresonanz anstatt Biopsie zur Diagnose von Lebertumoren

Fabian Peters
Lebertumore können künftig mit Hilfe einer neuartigen MR-Untersuchung bestimmt werden
An der MedUni Wien wurde eine neue Methode zur Untersuchung und Klassifizierung von Lebertumoren (Adenomen) entwickelt, mit der feststellbar ist, ob die Tumore gutartig oder bösartig sind. Anhand der Untersuchung mit einem leberspezifischen Kontrastmittel könne die Art eines Adenoms auf nicht-invasivem Wege bestimmt werden, berichtet die MedUni Wien.

„Mit dieser neuen Untersuchungsmethode lassen sich Aussagen über die Natur eines Adenoms treffen, ohne invasiv Proben entnehmen zu müssen“, erläutert Ahmed Ba-Ssalamah von der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin der MedUni Wien. Adenome sind seltene Geschwulste in der Leber, die sich zu bösartigen Tumore entwickeln können, jedoch oftmals gutartig bleiben. Anhand der neuartigen MR-(Magnetresonanz)-Untersuchung an der MedUni Wien lassen sich Adenome nun auf einem schonenden Wege klassifizieren. Darüber hinaus eröffnet die Methode der Forschung neue Türen, „die Adenom-Biologie und andere Lebertumore besser zu verstehen“, so die Mitteilung der MedUni Wien.

Leberschmerzen: anatomische 3D-Illustration
Lebertumore können nun anhand einer nicht-invasiven Methode untersucht werden. (Bild: ag visuell/fotolia.com)

Bisher waren Biopsien zur Diagnose erforderlich
Bislang musste invasiv Gewebe aus dem Körper entnommen und histologisch untersucht werden, um die Gutartigkeit oder Neigung zur Bösartigkeit eines Adenoms in der Leber festzustellen. Zwar seien Adenome in der Leber relativ selten, doch sie könnten sich in unterschiedliche Richtungen entwickeln. Drei Subtypen (gutartig, entzündlich und karzinogen) sowie eine vierte unklassifizierbare Untergruppe mit unterschiedlichen klinischen Verlaufsformen und Tendenzen zur Entwicklung seien hier bekannt. Die neue bildgebende Untersuchungsmethode an der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin der MedUni Wien könne nun mittels eines MR-leberspezifischen Kontrastmittels diese Geschwulste eindeutig klassifizieren.

Leberspezifisches Kontrastmittel ermöglicht MR-Untersuchung
Das leberspezifische Kontrastmittel Gadoxetatsäure Dinatrium zielt laut Mitteilung der MedUni auf die Galletransporter OATP (Organic Anion-Transporting Polypeptide) und MRP (Multidrug Resistance-Related Protein) bei den Adenom- und normalen Leberzellen. Diese würden das Mittel aufnehmen beziehungsweise wieder ausscheiden. „Die unterschiedlichen Verteilungsmuster auf der Oberfläche des Tumors lassen dann auf den MR-Aufnahmen im Verhältnis zu den normalen Leberzellen eine Aussage über dessen Klassifizierung zu“, berichten die Forscher um Ahmed Ba-Ssalamah, Leiter der Abdomen-Arbeitsgruppe an der Universitätsklinik für Radiologie und Nuklearmedizin. Ihre Ergebnisse veröffentlichten die Wissenschaftler in dem Fachmagazin „Radiology“. (fp)