Mammografie-Screening senkt Brustkrebs-Sterberate

Astrid Goldmayer

Durch Mammografie-Screening Sterberate bei Brustkrebs reduziert

22.03.2012

Nach 20 Jahren regelmäßigem Mammografie-Screening in den Niederlanden sei ein deutlicher Rückgang der Sterberate durch Brustkrebs zu verzeichnen. Das wurde durch eine jetzt veröffentlichte Studie bekannt. Noch vor zwei Jahren zweifelten dänische Wissenschaftler den Erfolg einer derartigen Reihenuntersuchung zur Brustkrebsvorsorge an, denn es komme häufig zu Fehldiagnosen, die die Frauen verunsicherten.

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Sterblichkeit wegen Brustkrebs um 31 Prozent reduziert
Die niederländischen Forscher weisen anlässlich des 8. Europäischen Brustkrebskongresses in Wien daraufhin, dass im Jahr 2009 die durch Brustkrebs bedingte Sterberate bei Frauen zwischen 50 und 75 Jahren um 31 Prozent niedriger war als noch vor Einsetzen des Programms zwischen 1986 bis 1988. Rianne de Gelder, eine der Autorinnen der Studie, erklärte, dass die Verminderung der Sterberate nicht allein auf das Mammografie-Screening und die anschießenden Therapien zurückzuführen sei. Neuere Diagnostik- und Behandlungsmethoden bei Brustkrebs könnten ebenso dazu beigetragen haben.

Noch vor zwei Jahren zweifelten dänische Wissenschaftler an, dass eine derartige Brustkrebsvorsorge überhaupt erfolgversprechend sei. Es würden häufig Fehldiagnosen gestellt werden, durch die die Frauen stark verunsichert würden. Die Forscher von der Universität Rotterdam erklärten nun, dass falsche Diagnosen von Brustkrebs genauso wie die fehlerhafte Bewertung der Gefährlichkeit von Tumoren nicht häufig vorkommen würden. Das Risiko einer Fehldiagnose betrage bei einer Frau, die 20 Jahre lang zum Mammografie-Screening geht, sechs Prozent. „Wir sind überzeugt, dass die Vorteile des Screeningprogramms gegenüber allen negativen Auswirkungen überwiegen“, sagt Jacques Fracheboud vom medizinischen Zentrum der Universität Rotterdam. Die Studienergebnisse seien der „überzeugende Beweis, dass das Programm über die letzten 20 Jahre in den Niederlanden zu einem Rückgang der Brustkrebsmortalität beigetragen hat“.

In Deutschland höchste Brustkrebs-Sterberate
In den Niederlanden gingen seit 1990 2,5 Millionen Frauen zum Brustkrebs-Screening. Insgesamt wurden 13,2 Untersuchungen durchgeführt, die zu 178.000 Überweisungen und 67.000 Brustkrebsdiagnosen führten.

Im Jahr 2005 wurde das Mammografie-Screening als Reihenuntersuchung auch in Deutschland eingeführt. Die Untersuchung ist für Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahre alle zwei Jahre kostenlos. Bei der Mammografie können auch kleine, nicht ertastbare Veränderungen in der Brust diagnostiziert werden. Je früher ein Tumor erkannt wird, desto größer sind in der Regel die Heilungschancen.

Einer italienischen Studie zufolge, nimmt Deutschland die bedauerliche Spitzenposition bei der Brustkrebs-Sterberate ein. Laut den Berechnungen der Forscher um Matteo Malvezzi seien 16,5 von 100.000 Frauen betroffen. Der Durchschnitt in der Europäischen Union (EU) liege jedoch lediglich bei 14,9 von 100.000 Frauen. Insgesamt sei die Zahl der durch Brustkrebs bedingten Todesfälle jedoch zurückgegangen. In Deutschland seien seit 2007 7,5 Prozent weniger Todesfälle verzeichnet worden, der EU-Durchschnitt lag bei neun Prozent. Jährlich streben rund 18.000 Frauen in der Bundesrepublik an den Folgen von Brustkrebs. (ag)