Manche Frauen profitieren von häufiger Mammografie

Alfred Domke

Mammografie zur Brustkrebsvorsorge

23.03.2014

Wie britische Forscher berichten, sollten manche Frauen öfter zur Mammografie-Vorsorgeuntersuchung, als dies in verschiedenen europäischen Programmen vorgesehen ist. Zu diesem Ergebnis kam eine Studie die am Freitag vorgestellt wurde.

Öfter zur Mammografie als vorgesehen
Britische Forscher berichteten bei der neunten Europäischen Brustkrebskonferenz im schottischen Glasgow, dass manche Frauen öfter zur Mammografie-Vorsorgeuntersuchung sollten, als dies in entsprechenden Programmen vorgesehen ist. So könnten in Großbritannien etwa 30 Prozent der Frauen von einer häufigeren Untersuchung als alle drei Jahre profitieren. Im Vereinigten Königreich gibt es ein Brustkrebs-Früherkennungsprogramm für alle Frauen zwischen 47 und 73 Jahren, wobei die Mammografie-Intervalle alle drei Jahre sind. In Österreich startete Anfang dieses Jahres ein entsprechendes Programm mit Intervallen von zwei Jahren mit automatischer Einladung für die Frauen zwischen 45 und 69 Jahren. Auch in Deutschland gilt ein Intervall von zwei Jahren für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren.

Untersuchungen alle drei Jahre bei 70 Prozent effektiv
Durch eine Beurteilung der Dichte des Brustgewebes und durch eine Erhebung von Risikofaktoren für Mammakarzinome bestimmten Wissenschafter um Gareth Evans von der Universität von Manchester bei insgesamt 53.467 Probandinnen seit 2009 ein genaueres Gefährdungsbild und stellten dem die Erkrankungszahlen gegenüber. In Großbritannien geht man davon aus, dass das Risiko für Frauen in der Altersgruppe von 47 bis 73 Jahren, an Brustkrebs zu erkranken, zwischen 2,4 bei den jüngeren und 3,5 Prozent bei den älteren schwankt. Bei den 36.748 Frauen, die laut der Risikobestimmung ein durchschnittliches oder unterdurchschnittliches Brustkrebsrisiko aufwiesen, kam es zu 45 Erkrankungen mit Befall von Lymphknoten innerhalb von vier Jahren, also drei Fälle pro 100.000 und Jahr. Die Erkrankungshäufigkeit lag bei den Frauen mit einem überdurchschnittlichen Risiko mit elf Fällen pro 100.000 Personen und Jahr jedoch dreimal so hoch. Laut Evans deuten die Ergebnisse darauf hin, dass Screening-Untersuchungen alle drei Jahre bei rund 70 Prozent der Frauen effektiv sind.

Manche Frauen sollten jährlich zur Mammografie
Die Autoren der Studie meinen jedoch auch, dass für Frauen mit höherer Gefährdung wahrscheinlich häufigere Untersuchungen notwendig seien. Für einen kleinen Teil der Frauen mit einem hohen Erkrankungsrisiko von acht Prozent innerhalb von zehn Jahren sollte es sogar jährlich eine Mammografie geben. Im Rahmen des Mammografie-Früherkennungsprogramms versucht man in Österreich, der Problematik von dichtem Brustgewebe, welches durch die Mammografie-Röntgenuntersuchung nicht sehr gut untersuchbar ist, durch eine im Zweifelsfall sofort vorgenommene Ultraschalluntersuchung zu begegnen.

Regelmäßige Bewegung senkt Brustkrebsrisiko
Auf der Konferenz wurde zudem eine Meta-Studie mit der gemeinsamen Analyse von wissenschaftlichen Untersuchungen zu Lebensstilfaktoren und Brustkrebs präsentiert. Wie der Direktor am Internationalen Präventions-Forschungsinstitut in Lyon in Frankreich, Mathieu Boniol, mitteilte, wurden dafür die Daten von insgesamt vier Millionen Frauen neuerlich ausgewertet. Dabei wurde festgestellt, dass regelmäßige körperliche Bewegung einen Schutzfaktor darstellt und dies unabhängig vom Alter. Die Frauen, die sich am meisten sportlich betätigten, hatten demnach ein um zwölf Prozent geringeres Brustkrebsrisiko als jene, welche am wenigsten Sport betrieben.

Vorsorgeuntersuchung wirkt nicht vorbeugend
Experten streiten seit längerem grundsätzlich über die Vor- und Nachteile sogenannter Vorsorgeuntersuchungen. So kritisierte Jürgen Windeler, Mediziner und Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen, IQWiG, in Köln, gegenüber „Deutschlandradio Kultur“, dass allein schon der Begriff „Vorsorgeuntersuchung“ falsch sei: „Weil man eben nicht eine Erkrankung vorbeugen kann durch solche Untersuchungen, sondern nur feststellen, ob man sie hat.“ Erst kürzlich hatte eine Umfrage ergeben, dass 30 Prozent der Frauen glaubten, dass schon die Teilnahme am Mammografie-Screening verhindere, dass sie an Brustkrebs erkranken. Allerdings sei im Gegensatz zu anderen Untersuchungen die Datenlage bei der Brustkrebsfrüherkennung am besten. So würden durch das systematische Screening fünf von 1.000 Frauen vor dem Tod durch Brustkrebs bewahrt.

Frühzeitige Diagnose äußerst wichtig
In Deutschland wird dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge pro Jahr bei mehr als 70.000 Frauen ein Brusttumor festgestellt. Rund 17.000 Frauen sterben jedes Jahr daran. Das RKI rechnet für 2014 mit mehr als 75.000 Neuerkrankungen. Die Deutsche Gesellschaft für Senologie (DGS) meint, dass etwa 80 Prozent der erkrankten Frauen heutzutage erfolgreich therapiert werden könnten. Brustkrebs sei also nicht mehr mit einem Todesurteil gleichzusetzen. Allerdings hänge dabei sehr viel von einer frühzeitigen Diagnose ab. (ad)

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