Mangelerscheinung: Bei Eisenpräparaten ist weniger oft mehr

Fabian Peters
Nahrungsergänzung Eisenpräparate: Wenn weniger mehr ist
Ein Eisenmangel äußert sich unter anderem durch chronische Müdigkeit und Antriebslosigkeit. Oft kann man einem solchen Mangel zwar gut mit den Mitteln der Natur begegnen, doch viele Menschen greifen dafür lieber auf Nahrungsergänzungsmittel zurück. Eine neue Studie zeigt nun, dass eine zu hohe Dosis an Eisenpräparaten eine geringere Wirkung erzielt.

Eisenmangel macht sich durch Müdigkeit bemerkbar
Ein Eisenmangel sorgt für Müdigkeit und äußert sich durch Symptome wie beeinträchtigte Leistungsfähigkeit, Schwindel, Konzentrationsstörungen oder Gesichtsblässe. Oft bekommen Betroffene das Problem durch bestimmte Hausmittel bei Eisenmangel, wie zum Beispiel eine Ernährungsumstellung, in den Griff, doch vor allem vielen Frauen werden dann von Ärzten Eisenpräparate verschrieben. Bei einem starkem Mangel wird die Dosis auf mehrere Eisentabletten täglich erhöht. Einer neuen Studie aus der Schweiz zufolge ist das jedoch kontraproduktiv.

Spezielle Präparate gegen Eisenmangel sind oftmals kontraproduktiv. (Bild: cevahir87/fotolia.com)
Spezielle Präparate gegen Eisenmangel sind oftmals kontraproduktiv. (Bild: cevahir87/fotolia.com)

Körper kann gewünschte Menge nicht aufnehmen
Wie die Forscher der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH) Zürich im Fachjournal „Blood“ schreiben, kann der Körper Eisen, dass ihm im 24-Stunden-Rhythmus zugeführt wird, offenbar gar nicht in den gewünschten und benötigten Mengen aufnehmen. Schuld daran ist das Eiweiß-ähnliche Molekül Hepcidin, das der Körper produziert, sobald er Eisen erhält, berichten die Wissenschaftler auf der Webseite der ETH. Das Molekül gelangt über das Blut auch in den Darm, wo es unter anderen steuert, wie viel Eisen aus der Nahrung aufgenommen wird.

Zu hohe Dosen blockieren Eisenaufnahme
Diego Moretti hat mit seinem Team jetzt nachgewiesen, dass das Hepcidin die Eisenaufnahme bei zu hohen Dosen aber auch blockiert. Und zwar stärker und länger als bisher angenommen. In der Studie wurden über 50 junge Frauen untersucht, deren Eisenvorrat erschöpft war, die jedoch noch nicht an Blutarmut litten. Die Teilnehmerinnen erhielten eine tägliche Dosis von mindestens 40 Milligramm Eisen, wie sie üblicherweise bei Eisenmangel verabreicht wird. Es zeigte sich, dass die Hepcidin-Konzentration im Körper nach sechs bis acht Stunden ihren Höhepunkt erreichte, aber auch 24 Stunden nach der ersten Eisengabe noch immer in genügend hohen Mengen vorlag, um die Aufnahme der zweiten Eisendosis deutlich zu reduzieren.

Gefahr einer Überdosierung
Die Schweizer Wissenschaftler haben jedoch darauf hingewiesen, dass das Ergebnis ihrer Studie mit Vorsicht zu genießen sei. Bei den Testpersonen handelte es sich ausschließlich um gesunde, junge Frauen und die Eisenabsorption wurde nur während zwei Tagen untersucht. Wie das Hepcidin auf eine mehrwöchige Medikation reagiert, soll in einer Folgestudie untersucht werden. Forscher aus München hatten vor Jahren auch auf die Gefahr einer Überdosierung mit Eisenpräparaten hingewiesen. Demnach kann durch eine falsche Dosierung während der Schwangerschaft das Ungeborene gesundheitlich geschädigt werden. (ad)