Marsmission birgt hohes Gesundheitsrisiko

Astrid Goldmayer

Experten warnen vor gesundheitlichen Risiken von Marsmission

04.04.2014

Die erste bemannte Marsmission soll der NASA zufolge um das Jahr 2030 stattfinden. Neben technischen Herausforderungen stehen insbesondere die gesundheitlichen Risiken für die Astronauten, denen sie während eines Aufenthalts auf dem Mars ausgesetzt wären, im Fokus der Missionsplanung. Bereits bei Reisen zur internationalen Raumstation ISS, die wesentlich kürzer sind als ein Flug zum Mars, klagen Astronauten häufig über gesundheitliche Beschwerden wie Übelkeit, Sehstörungen und Schwäche.

Warnung vor unvorhersehbaren Gesundheitsrisiken bei Marsmission
Wissenschaftler des Institute of Medicine (IOM) in den USA legten am Mittwoch einen Bericht vor, nach dem die von der NASA festgelegten Grenzen mit höchster Wahrscheinlichkeit bei einer Marsmission überschritten werden. „Bei dieser Artvon Missionen werden die Besatzungen wahrscheinlich einerseits den bekannten Risiken ausgesetzt, die durch die aktuellen Gesundheitsstandards als zulässig definiert sind, andererseits aber auch einer Reihe von Risiken, die schlecht beschrieben, ungewiss und vielleicht nicht vorhersehbar sind“, schreiben die Mediziner vom IOM in ihrem Bericht.

Die von der NASA geplante Marsmission soll um das Jahr 2030 herum stattfinden und etwa 18 Monate dauern. Bisher werden Astronauten nur in eine niedrigere Erdumlaufbahnen zur ISS geschickt, wo sie meist zwischen drei und sechs Monaten bleiben. Bereits bei diesen vergleichsweise kurzen Einsätzen leidet die Besatzung häufig an Problemen beim Sehen, Übelkeit und an allgemeiner Schwäche. Werde die Planung für eine bemannte Marsmission konkreter, müsse eine detaillierte ethische Prüfung erfolgen, fordern die Wissenschaftler. Bei langen Missionen könnten laut Experten neben den bekannten gesundheitlichen Problemen auch Knochenschwund, Krebs und andere schwere Erkrankungen auftreten.

Astronauten sollen selbst entscheiden können, ob sie an einer Marsmission teilnehmen
„Der IOM-Ausschuss stellt fest, dass eine Lockerung der aktuellen Gesundheitsstandards außerhalb der etablierten Prozesse, nur um eine lange Erkundungsmissionen zu erlauben, willkürlich und daher ethisch nicht vertretbar wäre“, fassen die Mediziner in ihrem Bericht zusammen.Es könnten jedoch Ausnahmeregelungen geschaffen werden. Ob eine solche Ausnahme im Einzelfall gemacht werden könne, müsse letztlich die NASA entscheiden.

Im Rahmen des Berichts haben die Wissenschaftler Bedingungen formuliert, auf deren Grundlage eine solche Entscheidung getroffen werden kann. So soll es drei Entscheidungsstufen geben. „In der ersten Stufe der Entscheidungsfindung muss die NASA abwägen, ob und unter welchen Bedingungen, Missionen, die kaum aktuelle Gesundheitsstandards erfüllen, ethisch vertretbar sind“, heißt es in dem IOM-Bericht. „Die zweite Stufe betrifft die missionsspezifische Entscheidungsfindung, bei der die NASA abwägen muss, ob eine bestimmte Mission ethisch akzeptabel ist.“ Die dritte Stufe bezieht sich auf die Auswahl der teilnehmenden Besatzung. Jeder Astronaut solle selbst entscheiden dürfen, ob er an einer solchen Mission teilnimmt. Zudem sei eine lebenslange Gesundheitsversorgung der Astronauten von der NASA zu gewährleisten. Der Leiter der Expertengruppe, Jeffrey Kahn vom John Hopkins Berman Institute of Bioethics in Baltimore, betonte bei der Vorstellung des Berichts, dass die Festlegung von Bedingungen für das überschreiten der bisher festgelegten Grenzen eine sehr komplexe Aufgabe war.

Sollte 2030 tatsächliche eine Marsmission stattfinden, wäre es der erste bemannte Weltraumflug mit einer solch großen Entfernung zur Erde. Bisher wurden nur unbemannte Roboterfahrzeuge auf den roten Planeten geschickt, zuletzt der Forschungsroboter „Curiosity“. (ag)

Advertising

Bild: Johannes Schätzler / pixelio.de