Masern-Gefährdung für Menschen ab Jahrgang 1970

Sebastian

Kind stirbt an Spätfolgen einer Maserninfektion

16.03.2013

Eine Masernerkrankung kann hinterhältig sein und noch Jahre später eine Gehirnentzündung auslösen. Schutz davor bietet eine Impfung. Allerdings fehlt in Deutschland vielen Menschen, die jünger als 43 Jahre alt sind, die nötige Immunisierung.

Vor allem Jüngere ohne ausreichenden Schutz
Allen Personen hierzulande, die nach 1970 geboren wurden, wird angeraten, ihren Masernschutz zu überprüfen. Im Gegensatz zu den Älteren können viele Menschen dieser Bevölkerungsgruppe keinen ausreichenden Schutz gegen das Virus vorweisen, informiert Martin Lang, Vorsitzender des Bayerischen Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzte. Zwei Impfungen sind dafür nötig. Wenn diese weder im Impfpass eingetragen sind, noch andere Informationen darüber vorhanden sind, sollten die Impfungen am besten vorsichtshalber aufgefrischt werden. Die hochansteckende Infektionskrankheit betrifft zwar vor allem Kinder, aber sie befällt auch Erwachsene. Neben den typischen roten Hautflecken kommt es zu Fieber und einem geschwächten Allgemeinzustand. In manchen Fällen können lebensbedrohliche Komplikationen wie Lungen- und Hirnentzündungen auftreten.

Frauen schützen mit einer Impfung auch ihren Nachwuchs
Mit einer Impfung schützen erwachsene Frauen auch gleichzeitig ihren Nachwuchs, falls der Schutz schon vor einer Schwangerschaft geschaffen wird. Babys kann man erst ab dem zehnten Lebensmonat impfen, erläutert der Augsburger Kinderarzt Lang. „Normalerweise haben aber Kinder im ersten Lebensjahr den Nestschutz." Den Kleinen von immunisierten Müttern wird der Schutz durch das Aufwachsen im Mutterleib und durch die Muttermilch weitergegeben.

Vielen fehlt die zweite nötige Impfung
Die Deutsche Angestellten Krankenkasse (DAK) hatte eine Auswertung ihrer Versicherten in Bezug auf Masern vorgenommen und dabei eine gewisse Impfmüdigkeit festgestellt. So hatten sich 2008 insgesamt 9227 erwachsene DAK-Versicherte impfen lassen und im Jahr 2009 nur noch 706. Eine Warnung für jüngere Erwachsene spricht Lang aus, wenn er thematisiert: „Aber 50 Prozent der 19- bis 39-Jährigen sind heute nicht ausreichend geimpft." Aus dieser Altersgruppe hätten 20 bis 30 Prozent gar keine und der Rest nur eine der zwei nötigen Impfungen.

14-Jähriger aus NRW starb an den Spätfolgen von Masern
Wie dramatisch die Folgen sein können, zeigt der Fall eines 14-jährigen Jungen aus Nordrhein-Westfalen, der an den Spätfolgen von Masern verstarb. Im Alter von fünf Jahren hatte er sich im Wartezimmer eines Kinderarztes damit infiziert. Auf die ganz Kleinen bezogen erklärt Lang: „Babys haben anders als Erwachsene nur einen leichten Ausschlag und leichtes Fieber." Jahre später kann dann allerdings eine chronische Gehirnentzündung auftreten. „Sie führt unweigerlich zum Tode."

Natürlicher Impfschutz ist verschwunden
Durch nationale Masern-Wellen habe die Bevölkerung hierzulande vor 1970 einen natürlichen Impfschutz aufgebaut. Wegen steigender Impfzahlen war diese natürliche Immunisierung jedoch verschwunden und nun werden die Impflücken, die seitdem bestehen, zum Problem. Frauen, die schwanger werden wollen, empfiehlt Lang, sich frühzeitig um einen Schutz zu kümmern. „Ich darf während der Schwangerschaft nicht impfen. Es gibt keine Tests, ob das Baby im Leib die Impfung verträgt." Und auch Männern wird geraten, einen Blick in ihr Impfbuch zu werfen, denn „sind sie nicht geimpft, helfen sie, dass sich der Masernvirus weiter ausbreitet." (sb)