Masern: Gröhe fordert die Schließung der Impflücken

Sebastian
Seit Monaten sorgt eine schwere Masernwelle in Berlin für Schlagzeilen. Über 1.000 Menschen haben sich bereits angesteckt. Experten nennen als Hauptursache die geringe Impfrate. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe und das Robert-Koch-Institut haben nun erneut zur Überprüfung von Impflücken aufgefordert.

Impfschutz gegebenenfalls komplettieren lassen
Bereits über 1.000 Menschen haben sich in Berlin mit Masern angesteckt. Ein Ende der schweren Masernwelle ist noch nicht in Sicht. Experten nennen die geringe Impfrate als Hauptursache. Anlässlich der Europäischen Impfwoche vom 20. bis 25. April haben das Bundesministerium für Gesundheit, das Robert Koch-Institut (RKI) und die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung Menschen aller Altersgruppen dazu aufgerufen, ihren Impfschutz zu überprüfen und gegebenenfalls komplettieren zu lassen. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) meinte, das Ärzte, Kitas und Schulen mit einer „Kraftanstrengung“ Impflücken schließen müssten.

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Mehr als 1.100 Menschen in Berlin an Masern erkrankt
„Wir müssen alle Gesundheits-Routineuntersuchungen nutzen, um den Impfschutz zu überprüfen“, sagte Gröhe laut einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa. Wie es heißt, seien große Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen ein maßgeblicher Grund für die zuletzt starke Verbreitung von Masern in Berlin. Nach Angaben des Landesamts für Gesundheit erkrankten seit Beginn des Masernausbruchs in der Hauptstadt im vergangenen Oktober bis zum Freitag 1.101 Menschen, 980 davon in diesem Jahr. Eine Sprecherin berichtete, dass in den vergangenen Tagen ein Abwärtstrend bei Neuansteckungen festzustellen sei. Allerdings sei es deutlich zu früh, um von einem Abklingen zu sprechen. Auch wenn sich RKI und Gröhe nun gemeinsam für die Überprüfung des Impfschutzes ausgesprochen haben, über eine gesetzliche Impfpflicht sind sie sich offenbar nicht einig. So hatte der Gesundheitsminister kürzlich einen Impfzwang gegen Masern  in Erwägung gezogen. RKI-Präsident Lothar Wieler hatte sich jedoch gegen eine Impfpflicht für alle ausgesprochen.

Empfohlene Impfquote wird in Deutschland nicht erreicht
Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) wäre eine stabile Impfquote von 95 Prozent der Bevölkerung erforderlich, um die Infektionskrankheit zu eliminieren. Deutschland ist von diesem Ziel jedoch noch weit entfernt. Ein Grund dafür mag auch sein, dass Masern von vielen noch immer als harmlose Kinderkrankheit abgetan werden. Doch nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene können bei einer Infektion mit dem Virus schwer erkranken. Meist beginnt eine Erkrankung mit Fieber, Bindehautentzündung, Schnupfen und Husten. Eine Infektion kann aufgrund des geschwächten Immunsystems auch zu Komplikationen wie Mittelohrentzündung oder Lungenentzündung führen und teilweise auch lebensbedrohliche Folgen haben wie etwa eine Hirnhautentzündung. (ad)