Massage heilt das verletzte Muskelgewebe

Fabian Peters

Massage unterstützt die Heilung von Muskelverletzungen wie eine neue Studie bewies

04.02.2012

Massage fördert die Heilung von Trainings induzierten Muskelverletzung. Kanadische Forscher haben die zelluläre Wirkung der Massage auf die Muskeln entschlüsselt und damit eine Erklärung für den heilsamen Effekt der Massagen bei Muskelverletzungen entdeckt.

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Aus früheren Studien war bereits bekannt, dass eine Massage-Behandlung bei Muskelbeschwerden die Schmerzen lindern und die Heilung verbessern kann, berichten Justin Crane vom Institut für Kinesiologie an der McMaster-Universität in Hamilton und Kollegen in dem Fachmagazin „Science Translational Medicine“. Nun ist den kanadischen Wissenschaftlern die Entschlüsselung der zugrundeliegenden zellulären Prozesse gelungen.

Untersuchung des Muskelgewebes nach anstrengendem Training
Die Forscher um Justin Crane hatten im Rahmen ihrer Studie die Wirkung von Massagen an elf jungen Männern im Anschluss an ein anstrengendes körperliches Training untersucht. Die Probanden absolvierten ein Radfahr-Training, bei dem ihre Muskeln an die Grenze der Belastungsfähigkeit gebracht wurden. Anschließend wurden beide Oberschenkel mit Öl eingerieben und an einem Bein die Oberschenkelmuskulatur (Musculus quadriceps femoris) für zehn Minuten massiert. Aus beiden Oberschenkelmuskeln entnahmen die Forscher daraufhin im Rahmen einer Muskelbiopsie eine Gewebeprobe, die sie im Labor untersuchten. Das gleiche Prozedere wurde nach zweieinhalb Stunden wiederholt.

Verringerung der Entzündungswerte und verbesserte Mitochondrien-Produktion
Bei der Analyse des Muskelgewebes stellten Justin Crane und Kollegen fest, dass durch die Massage einerseits die Entzündungswerte des verletzten Muskelgewebes verringert werden konnten und anderseits vermehrt Stoffe ausgeschüttet wurden, die zur Produktion von Mitochondrien beitragen. Die Mitochondrien spielen als winzigen Energiekraftwerke der Zellen eine wesentliche Rolle bei den Heilungsprozessen im verletzen Gewebe. Auch durch die „Förderung der mitochondrialen Biogenese“ leistet die Massage somit einen Beitrag zur Linderung der Muskelbeschwerden, erklärten die kanadischen Forscher. Justin Crane und Kollegen sind davon überzeugt, dass ihre Ergebnisse den Beleg für den Nutzen von Massage zur „Rehabilitation der Skelettmuskulatur“ liefern. Die positive zelluläre Wirkung der Massage bei Sportlern oder Menschen mit Muskelbeschwerden sei nun eindeutig geklärt, so das Fazit der Wissenschaftler.

Massage ohne Einfluss auf die Milchsäure im Gewebe
Die Forscher stellten außerdem fest, dass die Massage-Behandlungen keinen Einfluss auf die Milchsäure (Laktat) im Muskelgewebe hatten. Die Laktatwerte blieben von der Massage im wesentlichen unberührt. Bis vor kurzem galt die Annahme, dass die Linderung der Muskelbeschwerden durch Massage auf eine Verringerung des Laktats im Muskelgewebe zurückzuführen sei. Denn Milchsäure stand als Auslöser des Muskelkaters im Verdacht. Mittlerweile sind jedoch die meisten Forscher davon überzeugt, dass die Muskelbeschwerden nach körperlicher Belastung durch winzige Verletzungen im Gewebe verursacht werden. Unabhängig davon welche Ursache den Muskelschmerzen zugrunde liegt, lässt sich jedoch in jedem Fall festhalten, dass bei Verletzungen des Muskelgewebes eine „Massage-Therapie als klinisch vorteilhaft“ zu bewerten ist, schreiben Justin Crane und Kollegen. (fp)