Massenleiden vorzeitiger Samenerguss?

Fabian Peters

Pharmakonzern informiert über das vermeintliche Massenleiden vorzeitiger Samenerguss

18.07.2013

„Vorzeitiger Samenerguss“ als Krankheitsbild mit Marktpotenzial? Schaffe ein Bedürfnis nach deinem Produkt und der Absatz ist dir garantiert, so eine der einfachen betriebswirtschaftlichen Grundregeln. Indem die Berlin Chemie AG mit der Internetseite „www.späterkommen.de“ über„Ejaculatio praecox“ (vorzeitigen Samenerguss“) als eine der angeblich häufigsten sexuellen Funktionsstörungen des Mannes informiert, soll offenbar auch die Marktlage für ein Mittel des Konzerns verbessert werden.

Zwar ist das Problem des vorzeitigen Samenergusses tatsächlich relativ verbreitet und die Angaben der Internetseite, „dass etwa jeder fünfte Mann davon betroffen ist“, werden von Fachärzten als durchaus realistisch bewertet. Doch stellt sich hierbei die Frage der Definition. Sicher kann ein Erguss vor oder beim erstmaligen Eindringen in die Vagina durchaus als vorzeitig bewertet werden, doch bei jeder weiteren Form des vermeintlichen Ejaculatio praecox müsste diskutiert werden, wie sie tatsächlich zu bewerten ist. Für Paare zählt dabei in Bezug auf den Zeitpunkt der Ejakulation ohnehin das subjektive Empfinden. Als Orientierungshilfe zur Bewertung der Probleme soll jedoch der auf dem Internetportal angebotene, „von Experten entwickelte, anerkannte Selbsttest dienen.“

Schaffung eines Absatzmarktes für Mittel gegen vorzeitigen Samenerguss
Die Internetseite zeigt sich in Bezug auf die Empfehlungen zur möglichen Behandlung des vorzeitigen Samenergusses eher zurückhalten und objektiv, doch liegt der Verdacht nahe, dass hier der Absatzmarkt des Wirkstoffes Dapoxetin verbessert werden soll, der seit dem Jahr 2009 von der Berlin Chemie AG als Mittel gegen vorzeitigen Samenerguss angeboten wird. Da das Präparat verschreibungspflichtig ist und somit nach deutschem Recht nicht beworben werden darf, hat sich der Konzern offensichtlich eine andere Marketingstrategie überlegt.

Informationen zu den Ursachen und der Behandlung bei vorzeitigem Samenerguss
Das neue Internetportal bietet nach eigenen Angaben „hilfreiche Tipps und umfassende Information zum Thema vorzeitiger Samenerguss, dessen Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten.“ Dabei seien die „Inhalte und Empfehlungen gemeinsam mit Experten aus der Urologie und Sexualtherapie erarbeitet (worden) und entsprechen dem aktuellen Stand der Wissenschaft.“ Angesichts der massiven Werbekampagne für „späterkommen.de“ liegt die Vermutung eines kommerziellen Interesses jedoch nahe. Allerdings hat die Aktion unbestritten den Nebeneffekt, dass eine gewisse Öffentlichkeit für das Thema geschaffen wird, betroffene Paare möglicherweise ein wenig eher ihr Schamgefühl ablegen und sich zu einem Facharzt trauen. Welche Maßnahmen dieser anschließend empfiehlt bleibt offen. Sie können von einer Paartherapie bis hin zur Verschreibung von Arzneien, die eine Verzögerung der Ejakulation bewirken sollen, reichen

Techniken zur Verzögerung des Samenergusses
Die Internetseite informiert auch über weitere spezielle Methoden, mit denen eine Verzögerung der Ejakulation ermöglicht werden soll. Hierzu zählt zum Beispiel die sogenannte Stopp-Start-Technik, bei der kurz vor der Ejakulation die Stimulation gestoppt wird, bis der Erregungszustand zurückgeht. Auch die sogenannte Squeeze-Technik, bei der die Harnröhre kurz vor der sich anbahnenden Ejakulation rasch durch den Daumen und den Zeigefinger zusammengedrückt wird, bietet hier eine Möglichkeit dem vorzeitigen Samenerguss entgegenzuwirken. Allerdings bedürfen „beide Techniken der genauen Anleitung durch einen Arzt oder Therapeuten“, berichtet das Portal. (fp)

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