Massive Kritik an der Marktrücknahme von Insulin degludec

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Fabian Peters
Techniker Krankenkasse kritisiert die Entscheidung des Pharmaunternehmens Novo Nordisk
Nachdem der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) keinen Zusatznutzen bei dem Basalinsulin degludec (Handelsname Tresiba) erkannt und die eingeschaltete Schiedsstelle den Erstattungspreis entsprechend niedrig angesetzt hatte, entschied sich der Hersteller Novo Nordisk kurzerhand für eine Marktrücknahme. Von Seiten der Techniker Krankenkasse folgte nun scharfe Kritik an dieser Entscheidung. Rund 40.000 Patienten würden gezwungen, sich auf ein neues Insulinpräparat einzustellen, was erhebliche Probleme mit sich bringen könne, berichtet die Techniker Krankenkasse (TK).

Der Pharmahersteller Novo Nordisk und der G-BA hatten sich lange über die Bewertung des Insulinpräparats gestritten, bis am Ende die eingeschaltete Schiedsstelle einen Schiedsspruch traf, der beim Erstattungspreis weit unter den Forderungen des Hersteller blieb. Daraufhin gab Novo Nordisk die Marktrücknahme für Ende September bekannt. Ein unverständliches Vorgehen für den TK-Vorstandsvorsitzenden Dr. Jens Baas. „Die Verantwortlichen bei Novo Nordisk kannten die gesetzlichen Rahmenbedingungen und sie wussten, dass ihr Präparat keinen Zusatznutzen hat“, so der Vorwurf von Baas. Nicht nachvollziehbar sei es, dass erst mit Hilfe von Pharmaberatern und Marketing breit in den Markt gegangen werde, sich viele Menschen auf das Präparat einstellen und das Produkt nun wieder vom Markt genommen werde.

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Zehntausende Diabetiker müssen in den kommenden Monaten auf ein neues Präparat umgestellt werden. (Bild: Monkey Business/fotolia.com)

Verunsicherung von Patienten und Ärzten
„Patienten und Ärzte werden durch dieses verantwortungslose Verhalten stark verunsichert“, so die Kritik des TK-Vorstandsvorsitzenden. Zudem könnten die Patienten nicht ohne Weiteres auf ein neues Präparat umgestellt werden. Der Wechsel auf ein neues Insulin sei oft deutlich schwieriger als der Wechsel bei anderen Arzneimitteln. Beispielsweise seien die Fertigpens unterschiedlich in der Handhabung und zudem unterscheide sich die Wirkdauer bei vielen Insulinen erheblich, womit auch der Zeitpunkt und die Häufigkeit der Anwendung variieren. Circa 40.000 Diabetes-Patienten werden daher bis September unter Umständen zusätzliche Schwierigkeiten haben, die auch ein gesundheitliches Risiko darstellen können.

Unterstützung bei der Umstellung
Zur Unterstützung der Ärzte bei der Umstellung von Insulin degludec auf ein anderes Präparat, bietet die TK nach eigenen Angaben in Kooperation mit der Universität Bremen eine telefonische Beratung durch unabhängige Arzneimittelexperten an. Unter der Telefonnummer 0800 – 285 85 80 52 (gebührenfrei innerhalb Deutschlands) können Ärzte einen Rückruf vereinbaren. Auch per E-Mail an arzneimittelreport@tk.de lasse sich ein Termin festlegen, so die Mitteilung der Krankenkasse. Zudem habe die TK aktuell eine Ausschreibung zu langwirksamen Insulinanaloga im „Open-House-Verfahren“ veröffentlicht, um die Versorgung mit derartigen Präparaten dauerhaft sicherzustellen.

Nutzenbewertung von Insulin degludec negativ ausgefallen
Das Basalinsulin degludec war in einer frühen Nutzenbewertung gemäß Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) durch das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) durchgefallen, da sich kein Zusatznutzen für die Patienten aus den eingereichten Unterlagen ableiten ließ. Zudem erkannte das IQWiG bei Mädchen Hinweise „für einen größeren Schaden in Bezug auf schwerwiegende unerwünschte Ereignisse.“ Des Weiteren hätten sich für Insulin degludec gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie bei der Behandlung von Mädchen auch Anhaltspunkte für einen geringeren Nutzen ergeben, berichtete das IQWiG Anfang Juni. Die Bewertung des Instituts bildete die Basis für das Stellungnahmeverfahren des G-BA. (fp)