Massive Schmerzen durch Gallensteine: Fast immer ist eine OP erforderlich

Gallensteine: Wann ist eine OP sinnvoll? Bild: lom123 - fotolia
Sebastian
Schmerzhafte Gallensteine: In vielen Fällen ist eine OP nötig
Obwohl viele Menschen Gallensteine haben, bemerkt sie längst nicht jeder. Experten zufolge wissen bis zu 80 Prozent der Betroffenen nichts davon. Manchmal können Gallensteine aber auch starke Schmerzen auslösen. Eine Operation ist in vielen Fällen die erfolgversprechendste Therapie.
Viele wissen nichts von ihren Gallensteinen
Gallensteine sind weiter verbreitet als man denkt. Das hat auch damit zu tun, dass viele Menschen nicht wissen, dass sie betroffen sind. Wie vom Berufsverband Deutscher Internisten einst erklärt wurde, haben etwa 26 Prozent der Frauen und 18 Prozent der Männer über 40 Jahren in Deutschland Gallensteine. Etwa 60 bis 80 Prozent der Betroffenen wissen nichts davon. Bei der Risikogruppe wird auch von den „fünf F“ gesprochen: female, fat, fertile, forty, fair (weiblich, übergewichtig, fruchtbar, vierzig Jahre alt, hellhäutig bzw. blond). Verursachen die Steine keine Beschwerden, ist Gesundheitsexperten zufolge auch keine Behandlung nötig. Kommt es aber doch dazu, müssen sie meist entfernt werden. In einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa haben Fachleute wichtige Informationen zum Thema.

Gallensteine: Wann ist eine OP sinnvoll? Bild: lom123 - fotolia
Gallensteine: Wann ist eine OP sinnvoll? Bild: lom123 – fotolia

Gallensekret sorgt für Verdauung von Fetten
Sprüche wie „Die Galle läuft ihm über“ oder „Die Galle kommt ihr hoch“ haben wohl die meisten Menschen schon Mal im Zusammenhang mit Gefühlen nach lange runtergeschluckter Wut, Verbitterung und Aggression gehört. Zwar wird die Galle wie kaum ein anderes Organ mit negativen Emotionen in Verbindung gebracht, doch eigentlich hat sie eine überaus wichtige Funktion: Das zähflüssige Sekret der Galle sorgt für eine reibungslose Verdauung von Fetten. „Über ein halber Liter Gallensaft entsteht in der Leber pro Tag“, erklärt der Direktor der Klinik für Innere Medizin II am Universitätsklinikum des Saarlandes in Homburg, Prof. Frank Lammert in der Agenturmeldung. Seinen Angaben zufolge besteht die Gallenflüssigkeit größtenteils aus Wasser, aber unter anderem auch aus Cholesterin, Kalk und Pigmenten. Eigentlich sind diese Stoffe wasserlöslich, wenn sie aber – aus welchen Gründen auch immer – in ein Ungleichgewicht geraten, bilden sich Kristalle. Es entstehen Gallensteine.

Ohne Behandlung drohen schwere Schäden
„Überwiegend bestehen Gallensteine aus Cholesterin“, erläutert Lammert. Laut dem Experten, der auch im Vorstand Fort- und Weiterbildung bei der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen (DGVS) ist, sorgen Gallensteine nicht immer für Beschwerden. „Rund 75 Prozent der Betroffenen merken hiervon gar nichts“, meint der Mediziner. Dann ist von sogenannten „stummen Steinen“ die Rede. Wenn sie in den Gallengang gespült werden und dort hängenbleiben, werden sie gefährlich. In der Folge staut sich dann nämlich das Gallensekret und kann nicht mehr in den Darm fließen. Die Gallenflüssigkeit sorgt dort – normalerweise – für die Auflösung von Fetten.

Allerdings bleibt dies aus, wenn die Gallenflüssigkeit aufgrund von Steinen nicht mehr in den Darm gelangt. „Im Gallengang festsitzende Steine können Entzündungen der Gallenblase verursachen sowie der Bauchspeicheldrüse“, so Lammert. Erfolgt keine Behandlung drohen enorme gesundheitliche Probleme. So drohen schwere Schäden der Leber, Blutvergiftung oder Gelbsucht und in Ausnahmefällen kann es sogar zu Gallenblasenkrebs kommen.

Jeder vierte Betroffene ist erblich vorbelastet
Faktoren, die Gallensteine begünstigen, sind zum Beispiel Übergewicht und mangelnde Bewegung. Doch es gibt noch mehr: „Rund 25 Prozent aller Gallensteinträger sind erblich vorbelastet“, erklärt Lammert. Zudem laufen Frauen und Männer, die erst rapide abnehmen und dann wieder an Gewicht zulegen, Gefahr, dass sich in ihrem Körper Gallensteine bilden. „Frauen sind eher von Gallensteinen betroffen als Männer“, sagte der Arzt. Das habe damit zu tun, dass fünf Prozent aller Schwangeren Gallensteine entwickeln. „Die Antibabypille kann ebenfalls die Entstehung von Gallensteinen begünstigen.“ Sie können sich unter anderem durch Schmerzen im Oberbauch, Völlegefühl oder Übelkeit bemerkbar machen. „Die Beschwerden treten oft nach einer großen und fettreichen Mahlzeit auf“, erläutert die Apothekerin und stellvertretende Pressesprecherin bei der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände (ABDA) in Berlin, Ursula Sellerberg. Allerdings kann es auch völlig unerwartet zu einer Gallenkolik kommen. „Dabei treten für mindestens 15 Minuten starke Schmerzen im Oberbauch auf, die bis in die Schulter oder in den Rücken ausstrahlen können“, so Lammert.

In manchen Fällen wird eine Operation nötig
Ausgelöst werden solche Koliken meist dadurch, dass ein Stein von der Gallenblase in den Gallengang rutscht und ihn verstopft. Die Muskulatur, die den Stein im Gallengang weiterschieben will, um den Weg für die Gallenflüssigkeit freizumachen, zieht sich dabei krampfartig zusammen. Die dabei ausgelösten heftigen Schmerzattacken verlaufen in Wellen und können bis zu fünf Stunden andauern und auch zu Schweißausbrüchen führen. Betroffene sollten auch dann einen Arzt aufsuchen, wenn die Kolik von selbst wieder vorübergeht. Wie es in der dpa-Meldung heißt, sollten Gallensteine, wenn sie zu derartigen Beschwerden führen, mitsamt der Gallenblase aus dem Körper herausgelöst werden.

„Jedes Jahr werden in Deutschland rund 190 000 Gallenblasen operativ entfernt“, berichtet Lammert. Zwar können Gallensteine auch mit Stoßwellen zertrümmert werden, doch hier besteht die Gefahr, dass sich danach rasch neue Steine bilden. Auch Medikamente können helfen. „Eine solche Therapie ist aber nur bei sehr kleinen Steinen erfolgreich und dauert in der Regel einige Monate bis Jahre“, erklärt Sellerberg.

Ausgewogen ernähren und viel bewegen
Um Gallensteinen vorzubeugen, sollte auf eine ausgewogene Ernährung geachtet werden. Darüber hinaus raten Gesundheitsexperten, sich viel zu bewegen. Die Münchner Heilpraktikerin Ursula Hilpert-Mühlig, die auch Vizepräsidentin des Fachverbands Deutscher Heilpraktiker (FDH) mit Sitz in Bonn ist, hat weitere Tipps parat: Sie meint, dass Menschen mit Neigung zu Gallenbeschwerden möglicherweise auch ein Achtsamkeits-Training oder Entspannungsübungen zum Stressabbau helfen können, weil Körper und Seele eine Einheit bilden und blockierte Gefühle wie Aggressionen und Wut die Lebensenergie aus dem Takt bringen können. (ad)

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