Medikamente gegen Schwindelgefühl: Patienten werden oft schlecht beraten

Fabian Peters
Medikamente gegen Schwindel: Häufig schlechte Beratung
Patienten, die sich wegen Schwindel in der Apotheke ein rezeptfreies Medikament dagegen besorgen wollen, werden teilweise gar nicht oder oft nur unzureichend beraten. Dies haben Recherchen des NDR Verbraucher- und Wirtschaftsmagazins „Markt“ im NDR Fernsehen ergeben.

Viele gehen in die Apotheke statt zum Arzt
Gesundheitsexperten warnen zwar, dass häufiger Schwindel immer ernst genommen werden muss, doch viele Betroffene suchen erst einmal Hilfe in der Apotheke, statt zum Arzt zu gehen. Etwa jeder dritte Erwachsene leidet im Laufe seines Lebens unter Schwindelgefühl. Die Absatzzahlen für rezeptfreie Medikamente gegen Schwindel sind in den vergangenen Jahren kontinuierlich gestiegen. Wer wegen Schwindelgefühls in die Apotheke geht, wird teilweise gar nicht oder häufig unzureichend beraten, berichtet der „NDR“ in einer Pressemitteilung. Den Angaben zufolge wurden einer Testkundin von „Markt“ in sieben von zehn Apotheken sofort Arzneien verkauft, statt die Frau direkt zum Arzt zu schicken. Dies kann aber – je nach Ursache des Schwindelgefühls – lebensbedrohliche Folgen haben. So können die Beschwerden beispielsweise bei einem Gehirntumor auftreten oder Anzeichen für einen Schlaganfall sein.

Bei Schwindelgefühlen erhalten die Betroffenen oftmals keine angemessene Beratung. (Bild: Stasique/fotolia.com)
Bei Schwindelgefühlen erhalten die Betroffenen oftmals keine angemessene Beratung. (Bild: Stasique/fotolia.com)

Apotheker müssen ihre Kunden beraten
Der Pharmakologe und Leiter der Abteilung für Gesundheitsökonomie, Gesundheitspolitik und Versorgungsforschung an der Universität Bremen, Professor Gerd Glaeske, hält das Ergebnis der Stichprobe für nicht akzeptabel. In den meisten Fällen sei die versprochene Wirkung der rezeptfreien Medikamente gegen Schwindel nicht durch Studien belegt. „In manchen Situationen, wo eigentlich die Beratung im Vordergrund steht, machen sie trotzdem Kasse“, kritisierte der Experte. In der Stichprobe wurde tatsächlich das teuerste der Mittel am häufigsten verkauft. Laut Berufsordnung sind Apotheker eigentlich dazu verpflichtet, ihre Kunden zu beraten. Die Apothekervereinigung ABDA äußerte sich auf „Markt“-Anfrage schriftlich: „Welche Rolle der Preis bei der Auswahl eines Produkts spielt, lässt sich nicht pauschal beurteilen.“ Die Kritik an der Beratungsleistung nehme man ernst. (ad)