Medikamente sind häufig Grund für Unfälle

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Verkehrteilnehmer, die unter Arzneimittel-Einfluss stehen, verursachen häufig Verkehrsunfälle

Viele Verkehrsunfälle im Straßenverkehr werden unter Einfluss von Arzneimitteln verursacht. Anhand einer Studie fanden französische Wissenschaftler heraus, dass rund drei Prozent der Unfälle unter Einfluss von Medikamenten verursacht wurden.
Ein gewichtiger Anteil von Verkehrsunfällen wird unter Einfluss von Arzneien verursacht.

Eine Auswertung der Forscher war möglich, weil französische Polizisten bei Unfällen häufig auch die Krankenversicherungsnummer der beteiligten Verkehrsteilnehmer aufzeichnen. Zudem bedienten sich die Wissenschaftler früherer Unfalldaten aus den Datenbanken der Polizei. Auch diese Daten enthielten Quellnachweise und Informationen zur Krankenversicherung und Status. So konnte die Forschergruppe um Ludivine Orriols von der französischen Universität Bordeaux von rund 70.000 Personen die Daten auswerten, die an Unfällen beteiligt waren. Hierbei untersuchte das Team, ob den Verkehrsteilnehmern zum Zeitpunkt des Unfalls Medikamente verschrieben wurden, die die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen können.

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Level Stufen zur Einteilung von Arzneimitteln
In Frankreich werden Arzneien in vier unterschiedliche Gruppen gegliedert. Die Stufen (Level) dienen zur Ermittlung von psychogenen Nebenwirkungen und reichen von Level Null bis Level Drei. Level Null ist „kein“ oder ein vernachlässigendes Risiko, Level Drei hingegen beziffert ein hohes bis sehr hohes Risiko. Als Level 3 werden vor allem Hypnotika und Sedativa eingestuft, also stark sedierende oder stark schmerzlindernde Wirkstoffe aufgeführt.

Die Polizei in Frankreich verwendet diese Level, um u.a. die Verantwortlichkeit für den Unfall des Verkehrsteilnehmer zu ermitteln. Der Unfall wird dabei in Beziehung zum Level des Arzneimittels gesetzt. Das Auswertungsergebnis: Die Unfall-Verursacher hatten zu 31 Prozent häufiger Level 2-Medikamente eingenommen als die unschuldigen Unfall-Beteiligten, also beispielsweise Fußgänger oder Beifahrer (Odds Ratio 1,31; 95-Prozent-Konfidenzintervall 1,24-1,40). Level 3-Medikamente waren den Unfallverursachern zu 25 Prozent häufiger verordnet worden (OR 1,25; 1,12-1,40). Laut Auswertungen sind demnach 3,3 Prozent (2,7-3,9 Prozent) aller Verkehrsunfälle auf die Einnahme von Level 2- oder Level 3-Arzneien zurückzuführen.

Den größten Anteil bei den Level 3 Arzneien haben sogenannte Benzodiazepine. Unter diesen Sammelbegriff werden Wirkstoffe aufgelistet, die angstlösend, zentral muskelrelaxierend, sedierend und hypnotisch wirken. Wer solche Medikamente verordnet bekommt, wird in aller Regel von seinem behandelnden Arzt darauf aufmerksam gemacht, auf keinem Fall aktiv am Straßenverkehr teilzunehmen. Zum Level 2 gehören beispielsweise Anti-Diabetika-Mittel (Insulin und orale Medikamente), zentral wirkende Antihypertonika oder Muskelrelaxanzien sowie Opioide, Parkinson-Medikamente, Antiepileptika, Anxiolytika, Benzodiazepin-Derivate, Antidepressiva, Medikamente zum Alkohol- oder Drogen-Entzug und Antihistaminika. In Frankreich dürfen Patienten, die solche Arzneien einnehmen nur nach Rücksprache mit ihrem Arzt am Straßenverkehr teilnehmen.

Sichtbare Level Markierungen für Medikamente geplant
Die in Belgien, Spanien und Frankreich eingeführten Klassifizierungen haben gute Chancen Europaweit eingeführt zu werden. Denn diese Level unterstützen den Arzt und den Patienten darin, zu erkunden, ab wann man nicht mehr am Verkehr aktiv teilnehmen sollte. Hierzu ist es in naher Zukunft vorgesehen, die Level-Einteilungen sichtbar auf den Medikamentenverpackungen zu verzeichnen. (sb, 17.11.2010)