Medizin: Blutdruckmesung mit den Fingern auf dem eigenem Smartphone?

Alfred Domke

Einfache Blutdruckmessung per Fingerdruck auf Smartphone

Bluthochdruck wird manchmal auch als „stiller Killer“ bezeichnet, weil er von den Patienten lange nicht gespürt wird und häufig erst auffällt, wenn er Organschäden verursacht hat. Gesundheitsexperten raten daher, regelmäßig seinen Blutdruck zu messen. Dies könnte in Zukunft noch einfacher werden. Und zwar per Fingerdruck auf dem Smartphone. Allerdings sind nicht alle von der neuen Methode überzeugt.


Viele wissen nichts von ihrem hohen Blutdruck

Dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge leidet fast jeder dritte Erwachsene in Deutschland an Hypertonie. Viele wissen lange nichts von ihrem Bluthochdruck. Das kann gefährliche Folgen haben, denn unbehandelter Bluthochdruck steigert das Risiko unter anderem für Herzinfarkt, Schlaganfall, Herzschwäche, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, Nierenversagen und sogar Demenz. Es ist also klar, dass man Hypertonie besser früh diagnostizieren und therapieren sollte. Gesundheitsexperten raten daher zum regelmäßigen Blutdruckmessen. Dies könnte künftig noch einfacher werden.

Forscher haben ein Gerät entwickelt, das es ermöglicht, den Blutdruck per Fingerdruck auf das Smartphone zu messen. Nicht alle sind von der neuen Methode überzeugt. (Bild: Tanusha/fotolia.com)

Herkömmliche Methode zum Blutdruckmessen

„Die Behandlung von Bluthochdruck kann das Risiko von Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken“, heißt es einleitend in einem Artikel im Fachmagazin „Science Translational Medicine“, in dem ein neues Gerät zum Blutdruckmessen vorgestellt wird.

Bei Standard-Blutdruckmessgeräten wird eine Arterie an Arm oder Handgelenk durch eine aufblasbare Manschette komprimiert.

Beim Ablassen der Luft werden dann die Schwingungen im Blutfluss gemessen.

Fingerdruck auf einen Sensor am Smartphone ausüben

Das Blutdruckmessgerät, das ein Team um Ramakrishna Mukkamala von der Michigan State University in East Lansing (US-Bundesstaat Michigan) entwickelt hat, funktioniert etwas anders.

Der Benutzer übt dabei mit der Spitze seines Zeigefingers Druck auf einen optischen Sensor aus, der auf der Rückseite des Smartphones angebracht wird.

Über eine App kann sichergestellt werden, dass der Benutzer ausreichenden Fingerkontakt beibehält, während der Blutdruck der Brachialarterie aus den fingerbasierten Messungen berechnet wird.

„Die Autoren zeigten, dass die Blutdruckwerte mit ihrem Smartphone-Gerät, einem Standard-Armmanschettengerät und einem Fingermanschettengerät in einer Gruppe von Teilnehmern ähnlich waren“, heißt es in der Fachzeitschrift „Science Translational Medicine“.

Und: „ Dieses Gerät auf Smartphone-Basis könnte helfen, den Blutdruck besser zu messen.“

Nicht wirklich überzeugend

In einem Beitrag des Deutschen Ärzteblattes wird jedoch darauf hingewiesen, dass die Genauigkeit etwas zu wünschen übrig ließ.

Demnach dürften die Abweichungen in der Präzision (8,8 mmHg systolisch und 7,7 mmHg diastolisch) aus medizinischer Sicht zu viel sein.

Derzeit sei aber ohnehin nicht absehbar, ob und wann ein solches Gerät auf den Markt kommt. (ad)