Großmutters Mythen: Kalter Boden lässt die Blase erkälten

Beckenentzündung-Hausmittel
Sebastian
Kann das Sitzen auf einem kalten Boden eine Blasenentzündung auslösen?
Stimmt die überlieferte Weisheit, dass das Sitzen auf dem kalten Boden eine Blasenentzündung auslöst? Denn schon die Oma wusste zum Kind zu sagen, „Setz Dich bloß nicht auf den kalten Boden, du holst Dir eine Blasenentzündung!“. Stimmt diese laienhafte Warnung? Und warum erkranken Frauen häufiger im Beckenbereich? Diese und andere Fragen beantwortet Dr. Wolfgang Bühmann vom Berufsverband Deutscher Urologen.

„Setz dich bloß nicht auf den kalten Boden, davon bekommt man eine Blasenentzündung“ – ein Warnung die schon jedes Kind von seinen Eltern oder den Großeltern gehört hat. Das würde auch für das Schwimmbad gelten, in dem manche Eltern sagen, sie sollen schnell aus den nassen Badesachen raus, damit sie sich nicht „verkühlen“. Sind das Mythen oder ernste Warnungen, die Kinder und Erwachsene beachten sollten?

Ja, das ist ein guter Hinweis, sagt Wolfgang Bühmann, Urologe und Mitglied des Berufsverbandes Deutscher Urologen. Denn durch Kälte steigt im Bereich des Beckens steigt die Infektionsgefahr. Denn durch die Kälte mindert sich auch die Durchblutung. Das wiederum schwächt die Immunabwehr, um Bakterien und Viren abzuwehren. Denn die körpereigenen Abwehrhelfer können nur beschwerlich zum Ort des Geschehens kommen. Wer sich also länger auf den kalten Boden setzt, sollte mindestens mit wärmender Kleidung vorsorgen.“Oma hatte recht – warme Unterwäsche ist eine gute Vorbeugung – nicht unbedingt erotisch, aber hilfreich“, sagt Bühmann.

Badekleidung nach dem Schwimmen wechseln
Auch das Anlassen der kalten und nassen Badesachen kann eine Blasenentzündung fördern. Denn die Badekleidung wird durch das Wasser und durch die Luft abgekühlt. Darüber hinaus ist auch das feuchte Klima ein idealer Nährboden für Bakterien. Sie haben dann ein leichtes Spiel in den Körper einzudringen. Die allermeisten Blasenentzündungen werden durch Escherichia-coli-Bakterien verursacht. Diese sind Darmbakterien die beispielsweise durch falsches Abwischen nach dem Stuhlgang von hinten nach vorne transportiert werden.

Frauen erkranken häufiger an einer Blasenentzündung
Frauen erkranken wesentlich häufiger an einer Blasenentzündung, die im medizinischen Fachjargon Zystitis heißt.“Frauen sind durch ihre kürzere Harnröhre in dieser Hinsicht benachteiligt“, so Urologe Bühmann. Die Harnröhre beim Mann ist etwa 20 bis 25 Zentimeter lang. Bei Frauen ist sie allerdings nur 4 Zentimeter lang. Zudem ist der After und der Harnröhrenausgang nah beieinander. Das bedeutet, dass die Eindringlinge einen wesentlich kürzeren Weg ins Innere absolvieren müssen. Auch der Geschlechtsverkehr sorgt dafür, dass Bakterien während des Aktes in die Harnröhre gelangen.

Bei einer Blasenentzündung spüren Patienten ein Brennen beim Wasserlassen und unter Umständen auch Beckenschmerzen. Zudem ist die Blase gereizt, weshalb Betroffene ständig das Gefühl haben, auf die Toilette zu müssen. Ist der Infekt fortgeschritten, kann auch Blut im Urin auftreten. Bei einer Blasenentzündung sollte man zunächst zum Arzt gehen. Dieser wird mit Hilfe eines Abstrichs oder einer Urinprobe untersuchen, um welchen Infekt es sich genau handelt. Der Arzt wird raten, möglichst viel Wasser und Kräutertees zu trinken, damit die Keime regelrecht ausgespült werden. Auch zur Vorsorge gilt „viel Trinken“ als ein adäquates Mittel. Weitere Hausmittel bei einer Blasenentzündung sind auf unseren Seiten zu finden. (sb)

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Bildnachweis: Stephanie Hofschlaeger  / pixelio.de