Medizin-Nobelpreis 2015 ging an drei Forscher aus drei verschiedenen Ländern

Fabian Peters
Medizin-Nobelpreis für Erforschung von Malaria und Parasiteninfektionen
Der Nobelpreis für Medizin geht in diesem Jahr an drei Forscher aus Irland, Japan und China. Die Wissenschaftler wurden für die Erforschung von Malaria, Flussblindheit und Elefantiasis geehrt. Ihre Arbeit hat zu neuen Therapien gegen solche Parasiteninfektionnen beigetragen.
Drei Forscher teilen sich den Medizin-Nobelpreis
Der Medizin-Nobelpreis 2015 geht an drei Wissenschaftler für die Erforschung von Malaria, Flussblindheit und Elefantiasis. Wie die Nobelversammlung am Karolinska-Institut in Stockholm am Montag bekannt gab, erhält die eine Hälfte die Chinesin Youyou Tu und die zweite Hälfte teilen sich der gebürtige Ire William C. Campbell und der Japaner Satoshi Omura. Am 10. Dezember wird der Preis in Stockholm überreicht. Das letzte Mal, dass ein Deutscher mit dem Medizin-Nobelpreis ausgezeichnet wurde, war 2013 der in Göttingen geborene Zellforscher Thomas Südhof. Hierzulande wurde erst kürzlich über ihn berichtet: In einem Interview hatte er thematisiert, dass Smartphones und langes Arbeiten Schuld an Stress sind und man besser auch mal abschalten sollte.

Der Medizin-Nobelpreis geht an drei Wissenschaftler für ihre Forschung an Malaria, Flussblindheit und Elefantiasis.
Der Medizin-Nobelpreis geht an drei Wissenschaftler für ihre Forschung an Malaria, Flussblindheit und Elefantiasis. (Bild: jarun011/fotolia.com)

Wirkstoff aus der Heilpflanze Artemisia
Wie die „Süddeutsche Zeitung“ (SZ) auf ihrem Internetportal berichtet, ebnete die chinesische Pharmazeutin Youyou Tu den Weg zum heutigen Malaria-Standardmedikament Artemisinin. Vor Jahren gelang es ihrem Team, den entscheidenden Wirkstoff aus der Heilpflanze Artemisia annua zu extrahieren. Daraus resultierten neue Medikamente, die den bis dahin vorherrschenden Wirkstoff Chloroquin ablösten, gegen den die Malaria-Parasiten resistent geworden waren. Doch mittlerweile gibt es in Südostasien resistente Erreger gegen den neueren Wirkstoff. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) rät daher, Malaria-Patienten dort nicht mehr nur mit Artemisinin zu behandeln, sondern Kombinationspräparate einzusetzen. Der WHO zufolge gibt es weltweit fast 200 Millionen Malaria-Infektionen im Jahr. Tu ist die zwölfte Frau, die mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet wurde.

Medikamente gegen Parasitenerkrankungen
Der Ire Campbell und der Japaner Omura haben das Medikament Avermectin entdeckt, aus dessen Weiterentwicklungen wirksame Mittel gegen Flussblindheit (Onchozerkose) und Elephantiasis gewonnen wurden. Doch auch Medikamente gegen weitere Parasitenerkrankungen basieren auf diesem Wirkstoff. Von der Flussblindheit sind weltweit je nach Schätzungen 20 bis 40 Millionen Menschen betroffen. Vor allem in den tropischen Gegenden Afrikas und Amerikas ist die Wurmkrankheit verbreitet. Bei Infizierten kommt es in den meisten Fällen zu einer Entzündung der Augen-Hornhaut. Das Auge kann dabei so sehr geschädigt werden, dass es zu einer Erblindung kommt. Elephantiasis äußert sich in einer schmerzhaften extremen Schwellung der Extremitäten. Weltweit sind über 100 Millionen Menschen betroffen, sie leiden zudem meist unter Stigmatisierung.

Preisgeld soll „finanzielle Stabilität“ gewährleisten
Im vergangenen Jahr wurde der Medizin-Nobelpreis für eine Gehirn Navi an Wissenschaftler aus den USA und Norwegen vergeben. Die Auszeichnung wurde für die Entdeckung eines „inneren GPS“ im Gehirn vergeben, das Menschen ermöglicht, sich „im Raum zu orientieren“. Das Preisgeld für die Nobelpreise, die seit 1901 vergeben werden, liegt bei acht Millionen Schwedische Kronen (rund 878.000 Euro), um eine „dauerhafte finanzielle Stabilität“ zu gewährleisten. In den kommenden Tagen werden der Physik- sowie der Chemie-Nobelpreis vergeben. Traditionsgemäß findet die feierliche Überreichung am 10. Dezember statt, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel. (ad)