Medizin: Späte Schwangerschaften erhöhen das Risiko schwerwiegender Komplikationen

Alfred Domke
Späte Schwangerschaft: Ältere Mütter haben höheres Risiko für Komplikationen
Das Durchschnittsalter bei Müttern steigt immer weiter an. In einer neuen Studie zeigte sich jetzt, dass eine späte Schwangerschaft nicht nur mit einem Risiko für den Nachwuchs, sondern auch für die Mutter einhergeht. Hierzulande wird eine Frau ab einem Alter von 35 Jahren als Risikoschwangere eingestuft.

Späte Schwangerschaft stellt nicht nur für das Baby ein Risiko dar
Vor allem in reicheren Ländern ist eine Schwangerschaft mit 40 Jahren heutzutage keine Ausnahme mehr. Dass dies mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist, hat sich auch schon in wissenschaftlichen Untersuchungen gezeigt. So berichteten Forscher vom „Zeenat Qureshi Stroke Institute“ im vergangenen Jahr über ihre Studie, in der festgestellt wurde, dass werdende Mütter im Alter über 40 Jahren ein stark erhöhtes Schlaganfall-Risiko haben. Eine neue Analyse der Daten von hunderttausenden Schwangeren bestätigte nun ebenfalls, dass eine späte Schwangerschaft nicht nur eine Gefahr für das Baby, sondern auch für die Mutter darstellt.

Es ist längst keine Seltenheit mehr, dass auch Frauen über 40 Jahren Kinder gebären. Eine späte Schwangerschaft geht jedoch mit gesundheitlichen Risiken einher – nicht nur für das Baby, sondern auch für die werdende Mutter. (Bild: alice_photo/fotolia.com)

Mehr lebensbedrohliche Komplikationen
Wie das Team um Sarka Lisonkova von der University of British Columbia in Vancouver (Kanada) im Fachmagazin „PLOS Medicine“ berichtet, gibt es mit steigendem Alter mehr lebensbedrohliche Komplikationen.

Laut der Studienautorin hatte sich schon in früheren Untersuchungen gezeigt, dass ältere Schwangere ein höheres Risiko für Krankheiten wie Bluthochdruck oder Diabetes haben. Die aktuelle Auswertung weist nun auch auf ein höheres Todesrisiko hin.

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Um zu ihren Ergebnissen zu gelangen, hatten die Wissenschaftler die Gesundheitsdaten von 800 .000 Schwangeren aus dem US-Bundesstaat Washington aus den Jahren 2003 bis 2013 analysiert.

Faktoren wie Übergewicht oder künstliche Befruchtung wurden als Einflüsse herausgerechnet. Als Normalwert wurde die Komplikationsrate bei 25 bis 29 Jahre alten Frauen gesetzt.

Nierenversagen und Fruchtwasserembolie
Laut der Analyse der Forscher stieg das Risiko für einen Schock mit schwerer Kreislaufstörung bei der Geburt ab einem Alter von etwa 40 Jahren deutlich.

Auch das Risiko für Nierenversagen oder eine Fruchtwasserembolie nahm zu. Bei letzterer dringt während der Entbindung Fruchtwasser über die Gebärmutter in den mütterlichen Kreislauf ein. Sie endet oft tödlich.

Den Angaben zufolge kam es im Mittel bei 16 von 1.000 Geburten zu schweren, lebensbedrohlichen Komplikationen, die zum Teil mit dem Tode endeten. Ab einem Alter von etwa 39 Jahren steigt die Rate deutlich an.

Laut den Forschern lag sie bei 40 bis 44 Jahre alten Müttern um fast ein Prozent höher als bei den 25- bis 29-Jährigen. Ihr Risiko für einen Schock war um das Dreifache erhöht, das für eine Fruchtwasserembolie um das Achtfache.

Bei über 50-jährigen Frauen lag das Gesamtrisiko für gefährliche Komplikationen um mehr als sechs Prozent höher.

Strategien zur Senkung der Müttersterblichkeit
„Die Ergebnisse sind wichtig für die Beratung von Frauen, die darüber nachdenken, ihren Kinderwunsch auf jenseits der 40 zu verschieben“, sagte Lisonkova laut einem Bericht des „Business Insider“.

Außerdem liefern sie „nützliche Informationen für das Gesundheitssystem“, so die Studienautoren. „Diese Informationen sind auch nützlich für präventive Strategien zur Senkung der Müttersterblichkeit“, – nicht nur in Entwicklungsländern.

Die Experten wiesen darauf hin, dass eines „der Millenniums-Entwicklungsziele der Vereinten Nationen von 2000 war, die Müttersterblichkeit in 15 Jahren um 15 Prozent zu reduzieren“. Doch dies „wurde nicht von vielen Industrieländern erreicht“.

Das ideale Alter um schwanger zu werden
In Deutschland wird eine Frau laut der Nachrichtenagentur dpa ab einem Alter von 35 Jahren als Risikoschwangere eingestuft. Statistisch gesehen hat sie ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten und für leichtere Komplikationen wie Schwangerschaftsdiabetes, erhöhten Blutdruck oder Thrombosen.

Der Agentur zufolge wurden 2015 in Deutschland fast 13 .700 Babys von 40-Jährigen geboren. Das Durchschnittsalter bei der ersten Geburt stieg in dem Zeitraum demnach von 28,8 auf 29,6 Jahre.

Dr. Nanette Santoro, eine Forscherin an der Universität von Colorado, die nicht an der aktuellen Studie beteiligt war, erklärte: „Basierend auf dieser und anderen Studien, liegt das ideale Alter, um schwanger zu werden zwischen 25 und 29 Jahren.“ (ad)