Mediziner: Glutenfreies Essen kann dem Herzen nachhaltige Schäden zufügen

Alexander Stindt
Wissenschaftler untersuchen Zusammenhang zwischen Herzerkrankungen und Ernährung
Eine sogenannte glutenfreie Ernährung soll eigentlich zu gesundheitlichen Vorteilen führen. Forscher fanden aber heraus, dass eine solche Form der Ernährung nicht gut für die Gesundheit des menschlichen Herzens zu sein scheint.

Die Wissenschaftler vom Columbia University Medical Center in New York und der Harvard Medical School in Boston stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass eine glutenfreie Ernährung unserem Herzen schaden kann. Die Experten veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der medizinischen Fachzeitschrift „BMJ“.

Manche Menschen versuchen aus gesundheitlichen Gründen weitgehend auf Gluten bei ihrer Ernährung zu verzichten. Mediziner stellten in einer aktuellen Untersuchung allerdings fest, dass der Verzicht auf Gluten zu einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen zu führen scheint. (Bild: photocrew/fotolia.com)

Schadet glutenfreie Ernährung dem Herzen?
Wenn Menschen nicht unter einer Zöliakie (Glutenunverträglichkeit) leiden, sollten sie keine glutenfreie Ernährung zu sich nehmen, sagen die Experten. Von einer solchen Art der Ernährung werde zwar angenommen, dass sie zu gesundheitlichen Vorteilen führt, doch fanden die Wissenschaftler jetzt heraus, dass diese nicht förderlich für die Gesundheit des Herzens ist.

Es gibt einen Zusammenhang zwischen einer glutenfreie Ernährung und Herzproblemen
Bei ihrer Analyse stellten die Forscher zudem fest, dass eine glutenfreie Ernährung bei Menschen mit Zöliakie oder einer Weizenallergie mit einem erhöhten Risiko für Herzerkrankungen zusammenhängt. Es gibt zwar die weitverbreitete Vorstellung, dass eine glutenfreie Ernährung Betroffenen helfe, aber dies gilt anscheinend nicht für das menschliche Herz, sagen die Wissenschaftler.

Betroffene können durch Nahrungsumstellung das Risiko wieder reduzieren
Etwa ein Prozent der Menschen in den Vereinigten Staaten leiden an einer Zöliakie. Die übersteigerte Autoimmunantwort kann dabei zu einer Schädigung des Dünndarms führen. Forscher fanden bereits heraus, dass Personen mit einer Zöliakie ein erhöhtes Risiko für Herzerkrankungen aufweisen. Dieses Risiko kann allerdings reduziert werden, wenn die Betroffenen ihre glutenfreie Ernährung reduzieren, erklärt Autor Dr. Benjamin Lebwohl vom Columbia University Medical Center auf Basis der neuen Studienergebnisse.

Viele Menschen versuchen den Konsum von Gluten zu vermeiden
Es gibt eigentlich keine Beweise dafür, dass Menschen ohne Zöliakie und ähnliche Erkrankungen von der Reduzierung der Gluten-Einnahme profitieren, behaupten die Forscher. Trotzdem glauben einige Menschen, dass der Verzehr von Gluten das Risiko für negative Auswirkungen auf die Gesundheit erhöht, einschließlich Fettleibigkeit und Herzerkrankungen. Die meisten Menschen, welche einer glutenfreien Ernährung folgten, litten unter Zöliakie, erklären die Studienautoren. Eine nationale Umfrage aus dem Jahr 2013 stellte bereits fest, dass ein Drittel der Menschen in den Vereinigten Staaten versuche, den Konsum von Gluten zu minimieren oder ganz zu vermeiden, fügen die Forscher hinzu.

Mediziner untersuchen die Daten von mehr als 170.000 Probanden
Für die aktuelle Studie untersuchten die Wissenschaftler die Daten von 121.700 weiblichen Krankenschwestern. Außerdem wurde noch eine Gruppe von 51.529 männlichen Probanden untersucht. Zusätzlich zu den gesammelten Daten über ihre Gesundheit füllten die Teilnehmer in regelmäßigen Abständen sogenannte Nahrungsmittelfragebogen aus, sagen die Autoren.

Wie viel Gluten nahmen die Probanden zu sich?
Die Probanden wurden in fünf verschiedene Gruppen unterteilt, basierend auf der Menge an Gluten in ihrer Ernährung. Die Menschen, die während dieser Zeit die geringste Menge an Gluten konsumierten, verbrauchten etwa drei Gramm des Proteins täglich, sagen die Mediziner. Die Menschen, welche die höchsten Mengen verzehrten, nahmen etwa acht bis zehn Gramm pro Tag auf.

Etwas mehr Herzerkrankungen bei Menschen mit glutenfreier Ernährung festgestellt
Insgesamt gab es 352 koronare Ereignisse im Zusammenhang mit Herzerkrankungen pro 100.000 Menschen im Jahr. Bei den Menschen mit dem höchsten Konsum von Gluten gab es dagegen nur 277 Vorfälle im Jahr pro 100.000 Menschen, sagen die Wissenschaftler.

Schützt Vollkorn vor Herzinfarkten?
Wenn Menschen Gluten meiden, nehmen sie bei ihrer Ernährung meist wenig Vollkornbrot auf. Genau das kann zu negativen gesundheitlichen Auswirkungen führen, erklärt Autor Andrew Chan von der Harvard Medical School in Boston. Insbesondere das Risiko von Herzinfarkten scheine abzunehmen, wenn Menschen mehr Vollkorn essen. Bei Menschen, die ihre Ernährung beschränken, kann dies zu verschiedenen Mängeln führen, fügt Chan hinzu. Diese Mangelerscheinungen können sich anschließend negativ auf den gesamten Körper auswirken, so der Studienautor weiter. (as)