Mediziner warnt: Viel zu viele Fußamputationen wegen Diabetes Typ II

Fabian Peters
Diabetisches Fußsyndrom führt zu oft zu einer Amputation
Diabetes ist ein weitverbreitetes Beschwerdebild, zu dessen besonders unangenehmen Folgen das sogenannte Diabetische Fußsyndrom (DFS) zählt. Oftmals wird bei diesem eine Fußamputation vorgenommen. Der belastende Eingriff ließe sich jedoch in vielen Fällen verhindern, betont die Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin e.V. (DGIM) in einer Pressemitteilung anlässlich des 123. Internistenkongresses Ende April in Mannheim.

Ein Großteil der Amputationen beim Diabetischen Fußsyndrom wäre laut Angaben der DGIM-Experten vermeidbar, wenn die Patienten bereits früh durch ein fächerübergreifendes Netzwerk kompetenter Experten betreut würden. Auch sollte jeder Diabetes-Patient bereits früh dazu angeleitet werden, seine Füße genau zu inspizieren, ergänzt Professor Dr. med. Petra-Maria Schumm-Draeger, Vorsitzende der DGIM und Präsidentin des 123. Internistenkongressses.

Sind die Blutzuckerwerte schlecht eingestellt, steigt die Gefahr eines Diabetischen Fußsyndroms. Dies führt häufig zu Amputationen, weche jedoch bei einer angemessenen Versorgung der Betroffenen vermeidbar wären, berichtet die DGIM. (Bild: Andrey Popov/fotolia.com)

Amputation die letzte Option
Bei Diabetes werden die Nerven und Blutgefäße in den Füßen durch den hohen Blutzuckerspiegel mitunter so schwer geschädigt, „dass selbst kleine Wunden schlecht heilen, sich infizieren und teilweise bis zum Knochen ausweiten“, erläutern die DGIM-Experten. Das Beschwerdebild wird als Diabetisches Fußsyndrom beschrieben. Am Ende bleibe oftmals nur noch die Amputation, um das Wundgeschehen in den Griff zu bekommen, so die Mitteilung der DGIM.

Vier Fünftel der Eingriffe vermeidbar
„Immerhin 70 Prozent der Amputationen, die in Deutschland jedes Jahr vorgenommen werden – das sind rund 40.000 – betreffen Patienten mit Diabetes mellitus“, berichtet die DGIM. Vier Fünftel dieser Eingriffe wären laut Aussage von Professor Dr. med. Ralf Lobmann, Ärztlicher Direktor der Klinik für Endokrinologie, Diabetologie und Geriatrie am Klinikum Stuttgart, mit einer geeigneten Behandlung jedoch vermeidbar. Hierfür müssten ärztliche Spezialisten wie Diabetologen und Gefäßchirurgen allerdings eng mit Vertretern anderer Gesundheitsberufe wie Podologen, Wundassistenten und Orthopädie-Schuhtechnikern zusammenarbeiten.

Interdisziplinäre Zusammenarbeit gefordert
Zunächst sei bei der Behandlung grundsätzlich eine optimale Stoffwechseleinstellung und die konsequente Entlastung des betroffenen Fußes vorgesehen, berichtet die DGIM. Bei Infektionen bleibe zudem eine gezielte Behandlung mit Antibiotika unerlässlich. „Wenn die Durchblutung des Fußes stark eingeschränkt ist, müssen einzelne Gefäße durch Ballon-Katheterisierung erweitert oder durch einen gefäßchirurgischen Bypass umgangen werden“, erläutert Professor Dr. Lobmann weiter. Um Rückfälle zu vermeiden sei es auch wichtig, die Schuhe optimal an den (Rest-)Fuß anzupassen und Druckstellen zu vermeiden.

Zahl der Amputation deutlich absenkbar
Die belastenden Amputationen wären vielfach vermeidbar, wenn Patienten durch ein solches fächerübergreifendes Netzwerk kompetenter Experten betreut werden, berichtet Prof. Lohmann. Eine erste Datenanalyse habe ergeben, das das Konzept durchaus erfolgreich ist und von rund 18.500 DFS-Patienten, die zwischen 2005 und 2012 in zertifizierten Zentren behandelt wurden, nur 3,1 Prozent eine sogenannte hohe Amputation (Fuß oberhalb des Sprunggelenks amputiert) erhielten. Dieser Wert liege deutlich unter der allgemein üblichen Rate von 10 bis 20 Prozent. In 17,5 Prozent der Fälle war laut Angaben der DGIM eine Amputation unterhalb des Knöchels erforderlich.

Regelmäßig die eigenen Füße inspizieren
„Die Zahlen machen deutlich, dass durch die Betreuung in spezialisierten Zentren viele Amputationen vermieden werden können“, betont Professor Lobmann. Hierfür sind jedoch auch die Betroffenen gefordert. Denn sie sollten einerseits die Warnsignale erkennen und anderseits ihren Arzt optimal über die eigene Erkrankung informieren. Jeder Diabetes-Patient sollte regelmäßig seine eigenen Füße genau inspizieren, erläutern die Experten. Denn die Wunden bleiben meist schmerzlos und werden daher oft erst spät bemerkt, so “, so die Vorsitzende der DGIM, Prof. Schumm-Draeger, weiter. Bis ein Arzt oder Podologe sie zu Gesicht bekomme, könne es dann bereits zu spät sein.

Fächerübergreifende Versorgungsstrukturen etablieren
Sobald erste Anzeichen des DFS vorliegen, ist die interdisziplinäre Behandlung der Patienten unerlässlich, um das Risiko einer Amputation zu senken, betonen die DGIM-Experten. Professor Lobmann arbeitet daher in einer entsprechenden Arbeitsgemeinschaft der Deutschen Diabetes Gesellschaft auch daran, fächerübergreifende Versorgungsstrukturen für die Behandlung des Diabetischen Fußes in Deutschland zu etablieren und zu zertifizieren. „Wir hoffen, damit die erschreckend hohe Zahl von Amputationen senken zu können“, betont der Diabetologe. (fp)

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