Mehr als 10.000 Kinder mit Brechdurchfall

Fabian Peters

Über 10.000 Kinder in Ostdeutschland waren an Brechdurchfall erkrankt.

03.10.2012

In Ostdeutschland sind mehr als 10.000 Kinder und Jugendliche an Brechdurchfall (akuter Gastroenteritis) erkrankt, so die Mitteilung des Robert-Koch-Instituts (RKI) in einem aktuellen epidemiologischen Lagebericht. Laut Angaben des RKI „besteht ein Zusammenhang mit dem Nahrungsmittelverzehr in Betreuungseinrichtungen und Schulen.“ Noroviren stehen als Auslöser im Verdacht, abschließend geklärt ist die Ursache der Erkrankungswelle jedoch noch nicht..

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Eine Großteil der gemeldeten Magen-Darm-Erkrankungen brach vor rund einer Woche in fünf ostdeutschen Bundesländern aus. Seither arbeiten die „zuständigen Gesundheits- und Lebensmittelüberwachungsbehörden auf Bundes-, Länder- und lokaler Ebene daran, den aktuellen Ausbruch von akuter Gastroenteritis zu stoppen und die Ursache zu identifizieren“, berichtet das RKI. Auf Bundesebene sei auch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) sowie das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) eingebunden. Der Höhepunkt der Erkrankungen ist nach Einschätzung der Experten des RKI jedoch bereits überstanden. „Das Geschehen hat sich in den letzten vier Tagen weiter beruhigt“ und „die Hinweise verdichten sich, dass der Ausbruch vorüber ist“, so die Mitteilung des RKI. Welche Ursache die regelrechte Brechdurchfall-Epidemie hatte, bleibt bislang allerdings unklar.

Norovirus möglicher Auslöser der Brechdurchfall-Erkrankungen
Die zuständigen Behörden arbeiten mit Hochdruck an der Identifizierung des Auslösers der Brechdurchfall-Erkrankungen. Laut RKI deuten „die mikrobiologischen Ergebnisse der letzten Tage verstärkt in Richtung eines Norovirus-Geschehens, auch wenn dies noch nicht abschließend gesichert ist.“ Daneben seien als mögliche Ursachen „auch Toxine von toxinbildenden Bakterien (zum Beispiel: Staphylococcus aureus, Bacillus cereus, Clostridium perfringens) in Betracht zu ziehen.“ Es könne sich auch um eine Überlagerung von zwei Krankheitsgeschehen handelt. Proben von Lebensmitteln und den betroffenen Patienten werden im Labor untersucht. Die Ergebnisse liegen jedoch zum Teil noch nicht vor.

Zusammenhang mit Kantinenessen in Schulen und Kitas
Verbreitet wurden die Auslöser des Brechdurchfalls nach bisheriger Einschätzung der Behörden durch das Essen in den Kantinen von Kitas und Schulen. Nahezu alle 416 betroffenen Betreuungseinrichtungen wurden nach Angaben der Bundesländer Brandenburg, Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen von einem gemeinsamen Lieferanten über regionale Küchen mit Essen versorgt. Der Caterer Sodexo aus Rüsselsheim (Hessen) hatte die Einrichtungen mit Lebensmitteln beliefert. Die Berliner Staatssekretärin für Verbraucherschutz, Sabine Toepfer-Kataw (CDU), erklärte, dass die verdächtigen Lebensmittel offenbar von einem Zulieferer des Caterers stammen. Konkretere Angaben machte die Verbraucherschutzstaatssekretärin jedoch nicht. Das Bundesministerium für Verbraucherschutz erklärte, dass „in den kommenden Tagen die Nachforschungen auf allen Ebenen intensiv weitergeführt“ werden und hierfür „insbesondere Speisepläne und Einkaufslisten ausgewertet und Kantinenmitarbeiter befragt“ würden. Die Waren- und Lieferströme möglicherweise betroffener Lebensmittel sollen zurückverfolgt werden, um die Ursachen des Krankheitsgeschehens zu ermitteln.

Höhepunkt der Erkrankungen überstanden
Die in fünf ostdeutschen Bundesländern betroffenen Kindern des Brechdurchfalls zeigten Symptome wie Fieber, massiven Durchfall, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Als Begleitsymptome waren Schwindel und Appetitlosigkeit zu beobachten. „In den betroffenen Gruppen waren die Krankheitsbeginne jeweils schnell und ereigneten sich innerhalb eines relativ kurzen Zeitraums“, berichtet das RKI. Die Krankheitsverläufe seien bei den meisten Erkrankungsfällen kurz und unkompliziert gewesen, allerdings musste 21 Patienten stationär im Krankenhaus versorgt werden. Seit dem 28. September seien nur noch Nachmeldungen zurückliegender Erkrankungen bei den Behörden eingegangen, berichten die Experten des RKI und kommen zu dem Schluss, dass der Höhepunkt der Erkrankungswelle bereits überstanden ist. Die meisten Erkrankungen waren laut Mitteilung des RKI in Sachsen und Brandenburg zu verzeichnen (jeweils mehr als 3.000 Fälle). Aber auch in Berlin erkrankten mehr als 2.600 Kinder und Jugendliche. In Thüringen waren indes lediglich knapp 1.000 Heranwachsende betroffen und in Sachsen-Anhalt deutlich unter 100, so die aktuellen Zahlen des RKI. Der nächste Lagebericht des Instituts wurde für Donnerstag angekündigt.

Größter lebensmittelbedingter Gastroenteritis-Ausbruch in Deutschland
Trotz der intensiven Suche der Landesgesundheitsämter und der „Task Force“ unter Federführung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit in Berlin nach dem Auslöser des Brechdurchfalls, ist nicht klar, ob dieser tatsächlich ermittelt werden kann. Laut Mitteilung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit hat es in der Vergangenheit auch Fälle von Erkrankungen durch Lebensmittel gegeben, die nicht aufgeklärt werden konnten. Allerdings erreichte keines der bisherigen Erkrankungsgeschehen ein solches Ausmaß. Selbst bei der EHEC-Epidemie im vergangenen Jahr waren insgesamt lediglich rund 4.000 Personen erkrankt. Der aktuelle Gastroenteritis-Ausbruch „ist mit mindestens 10.008 Fällen der bisher mit Abstand größte bekannte lebensmittelbedingte Ausbruch in Deutschland“, berichtet das RKI. (fp)