Mehr Forschung nötig: Sterblichkeitsraten bei Bauchspeicheldrüsenkrebs steigen dramatisch

Bauchspeicheldrüsenkrebs verläuft meist äußerst aggressiv. Ein Großteil der Patienten stirbt an den Tumoren. Dieser Krebs wird meist erst spät entdeckt, da er anfangs in der Regel symptomlos verläuft. (Bild: yodiyim/fotolia.com)
Alfred Domke
Welt-Pankreas-Tag: Mit Forschung gegen Bauchspeicheldrüsenkrebs
In Deutschland sind immer mehr Fälle von Bauchspeicheldrüsenkrebs zu verzeichnen. Diese Krebsform verläuft oft lange symptomlos und wird daher häufig zu spät entdeckt. Die Sterblichkeitsraten sind sehr hoch. Anlässlich des Welt-Pankreas-Tages am 17. November weisen Experten auf die Notwendigkeit von mehr Forschung hin.

Fast alle Erkrankten sterben an diesem Tumor
Krebs der Bauchspeicheldrüse (Pankreas) verläuft meist extrem aggressiv. Laut Zahlen des Robert-Koch-Instituts (RKI) erkrankten im Jahr 2011 bundesweit rund 16.700 Menschen an Bauchspeicheldrüsenkrebs. Aufgrund der ungünstigen Prognose verstarben auch fast ebenso viele Personen an diesem Tumor. Da Bauchspeicheldrüsenkrebs zu Beginn in der Regel symptomlos verläuft, wird er häufig erst spät diagnostiziert. Wenn die klassischen Beschwerdebilder wie Bauchschmerzen, Appetitlosigkeit, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen auftreten, können in vielen Fällen keine Behandlungserfolge mehr erzielt werden.

Bauchspeicheldrüsenkrebs verläuft meist äußerst aggressiv. Ein Großteil der Patienten stirbt an den Tumoren. Dieser Krebs wird oft erst spät entdeckt, da er anfangs in der Regel symptomlos verläuft. (Bild: yodiyim/fotolia.com)
Bauchspeicheldrüsenkrebs verläuft meist äußerst aggressiv. Ein Großteil der Patienten stirbt an den Tumoren. Dieser Krebs wird oft erst spät entdeckt, da er anfangs in der Regel symptomlos verläuft. (Bild: yodiyim/fotolia.com)

Sterblichkeitsraten bei Bauchspeicheldrüsenkrebs steigen an
Während bei den meisten anderen Krebsarten Fortschritte in der Vorbeugung, Früherkennung und Therapie die Sterblichkeitsraten senken konnten, steigen sie bei Bauchspeicheldrüsenkrebs kontinuierlich an, berichtet das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in einer Mitteilung zum Welt-Pankreas-Tag am 17. November.

„Bauchspeicheldrüsenkrebs verursacht lange Zeit keine Symptome und wird deshalb erst spät entdeckt. Die Tumoren streuen schon sehr früh Metastasen und entwickeln zu allem Überfluss sehr schnell Resistenzen gegen Chemotherapie“, erklärte der Vorstandsvorsitzende des DKFZ, Michael Baumann.

„Daher suchen Wissenschaftler im DKFZ intensiv nach den molekularen Ursachen für die besondere Bösartigkeit dieser Krebsart. So wollen sie Angriffspunkte identifizieren, über die sich dieser gefährliche Krebs in Zukunft wirksamer bekämpfen lässt. Gerade in letzter Zeit konnten unsere Kollegen auf diesem Gebiet vielversprechende Ergebnisse erzielen“, sagte Baumann.

Tumorwachstum verlangsamt und Metastasierung gebremst
So haben DKFZ-Forscher kürzlich entdeckt, dass ein Rezeptor für den Neurotransmitter Dopamin Wachstum und Ausbreitung von Bauchspeicheldrüsenkrebs fördert. Medikamente gegen Schizophrenie, die an diesen Rezeptor andocken und seine Funktion blockieren, verlangsamten demnach in Mäusen das Tumorwachstum und bremsten die Metastasierung. Nun soll möglichst rasch untersucht werden, ob diese Medikamente auch bei Patienten mit Bauchspeicheldrüsenkrebs den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen.

Zudem stellten Experten des DKFZ fest, dass in Pankreaszellen die Fähigkeit zur Metastasierung häufig bereits entwickelt ist, bevor sich eine Zelle überhaupt in eine Krebszelle verwandelt hat. Pankreaskrebszellen sind also sozusagen von Beginn an bösartig.

Warum manche Tumore resistent gegen die Behandlung sind
Des Weiteren kommt aus dem DKFZ und dem Heidelberger Stammzellinstitut HI-STEM die Entdeckung, warum manche Tumoren der Bauchspeicheldrüse so resistent gegen die Behandlung sind. Wie die Wissenschaftler im Fachmagazin „Nature Medicine“ berichteten, ist ein spezifisches Enzym ursächlich für die Resistenz der Tumore.

Außerdem startet das DKFZ gemeinsam mit dem Universitätsklinikum Heidelberg am Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) eine klinische Studie, mit der erprobt werden soll, ob sich fortgeschrittener Bauchspeicheldrüsenkrebs mit Viren behandeln lässt.

Bessere Therapieoptionen durch frühere Diagnose
Doch auch an anderen Forschungseinrichtungen wurden in den vergangenen Jahren neue Erkenntnisse gewonnen. So berichteten Wissenschaftler von der Londoner Queen Mary University im vergangenen Jahr, dass Bauchspeicheldrüsenkrebs in Zukunft auch mit einem Urintest diagnostiziert werden könnte. Zuvor hatten auch schon schwedische Forscher berichtet, dass sie für diesen Krebs eine neue Früherkennung entwickelt haben.

US-amerikanische Experten wiederum haben herausgefunden, dass Bakterien bei der Diagnose von Bauchspeicheldrüsenkrebs helfen können. All die Erkenntnisse, die dazu führen, die Erkrankung früher zu erkennen, können die Therapieoptionen verbessern.

Die Behandlung sollte am besten individuell an den Patienten angepasst sein, denn dadurch werden die Heilungschancen bei einem Bauchspeicheldrüsenkrebs verbessert. (ad)

Advertising