Mehr Frührentner aufgrund psychischer Krankheiten

Fabian Peters

Zahl der Frührentner mit psychischen Erkrankungen deutlich gestiegen

28.01.2014

Psychische Erkrankungen sind immer häufiger Ursache der Frührente, so die Mitteilung der Psychotherapeutenkammer in Berlin. Zehntausende Arbeitnehmer gehen demnach wegen Depressionen und anderen psychischen Problemen jährlich in den frühzeitigen Ruhestand. Eine angemessene psychotherapeutische Unterstützung könnte vielen Betroffenen den Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichen, allerdings würden „psychisch kranke Frührentner praktisch abgeschrieben“, zitiert die Nachrichtenagentur „dpa“ den Kammerpräsident Rainer Richter.

Unter Berufung auf die Zahlen des Rentenversicherung berichtet die Psychotherapeutenkammer, dass die Zahl der Arbeitnehmer, die in Deutschland wegen psychischer Erkrankungen in Frührente gehen, innerhalb von zehn Jahren drastisch gestiegen sei. Waren im Jahr 2002 noch rund 50.000 Frührentner aufgrund psychischer Beschwerden aus dem Beruf ausgeschieden, so stiegt die Zahl bis zum Jahr 2012 auf rund 75.000 an. Das durchschnittliche Alter der Betroffenen habe bei lediglich 49 Jahren gelegen. Sie sind demnach 18 Jahre vor dem eigentlichen Rentenalter in den Ruhestand gegangen. Die Nachrichtenagentur „dpa“ berichtet, der Kammerpräsident gehe davon aus, dass heute knapp jede zweite neu hinzukommende Frührente psychisch bedingt sei.

Schwächen in den therapeutischen Versorgung
Insbesondere Depressionen (Zuwachs um 96 Prozent), Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen (Zuwachs von 74 Prozent) sowie Suchterkrankungen (Zuwachs um 49 Prozent) sollen laut Kammerpräsident Richter seit 2001 als Ursachen der Frührente deutlich zugenommen haben. Dies wird von der Psychotherapeutenkammer auch in Zusammenhang damit gebracht, dass lediglich jeder dritte psychisch Kranke in Deutschland tatsächlich eine Therapie erhält. Zwar könnte vielen Betroffenen geholfen werden, doch zeigen sich Schwächen in der therapeutischen Versorgung. Der Kammerpräsident forderte daher unter anderem, dass die oft monatelangen Wartezeiten auf einen Therapieplatz endlich reduziert werden. Hier seien klare gesetzliche Vorgaben erforderlich.

Armutsrisiko für Frührentner
Die Tatsache, dass immer mehr Renten aufgrund psychischer Probleme in Frührente gehen, ist nach Auffassung der Psychotherapeutenkammer besonders bedenklich, da die Betroffenen zuvor meist bereits einen langen Leidensweg hinter sich gebracht haben und anschließend das Armutsrisiko deutlich steigt. So sei die Erwerbsminderungsrenten seit dem Jahr 2000 stark gesunken und liege heute nur noch bei durchschnittlich rund 600 Euro im Monat. Daraus folge, dass mehr als 25 Prozent der erwerbsunfähigen Rentner in Armut leben. Mit einer angemessen therapeutischen Unterstützung hätte vielen jedoch der Wiedereinstieg in den Beruf ermöglicht werden können, so die Mitteilung der Kammer. Dies hätte nicht nur einen positiven Effekt auf die Finanzsituation der Betroffenen, sondern könnte nach Einschätzung der Experten auch zu einer Stabilisierung der Patienten beitragen, wenn ihre psychischen Probleme parallel angemessen behandelt werden. Statt ihnen hier Hilfestellung zu bieten, würden die psychisch kranken Frührentner jedoch häufig zwischen Kranken- und Rentenversicherung hin- und hergeschoben, so die Kritik des Kammerpräsidenten. (fp)

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