Mehr Gelder zur Erforschung von Volkskrankheiten

Fabian Peters

Bundesregierung erhöht Gelder zur Erforschung von Volkskrankheiten

14.01.2011

Die Forschung im Bereich der Volkskrankheiten soll deutlich ausgebaut werden. Die Bundesregierung plant mehreren Milliarden Euro zu investieren, um die Erforschung und Bekämpfung der hierzulande verbreitetsten Krankheiten zu verbessern.

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Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) und Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) haben auf einer Pressekonferenz an der Charité das neue Rahmenforschungsprogramm Gesundheitsforschung vorgestellt, mit dem die Bundesregierung ihren Kampf gegen die sogenannten Volkskrankheiten wie Herzkreislaufleiden, Schlaganfall, Diabetes und Krebs intensivieren will. Das Rahmenprogramm legt unter anderem fest, wie die Gesundheitsforschung an den Universitäten und Kliniken in den nächsten acht Jahren gefördert werden soll. Eine wesentliche Änderung gegenüber vorherigen Forschungsprogramme ist, dass die Aktivitäten aller Akteure im Gesundheitswesen zu Erforschung der Volkskrankheiten stärker gebündelt werden sollen.

Erforschung und Behandlung der Volkskrankheiten intensivieren
Insgesamt 5,5 Milliarden Euro will die Bundesregierung bis 2014 zur Erforschung der Volkskrankheiten investieren. Außerdem wird im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung die Bildung von sechs „Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung“ vorgesehen, die sich mit der Erforschung der wichtigsten Volkskrankheiten befassen sollen. Zwei dieser Zentren, das Deutschen Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen zur Erforschung von Krankheiten wie Alzheimer oder Parkinson und das Deutsche Zentrum für Diabetes-Forschung wurden bereits eröffnet, die Standorte der übrigen vier sollen bis zum Sommer 2011 bestimmt werden. Die noch zu eröffnenden Zentren der Gesundheitsforschung werden sich dabei nach den Plänen der Bundesregierung auf die Erforschung von Krebserkrankungen, Infektionskrankheiten, Herz-Kreislauf-Krankheiten und Lungenerkrankungen konzentrieren. Jedes Zentrum soll aus mehreren Partnerstandorten bestehen, an denen Universitäten und außeruniversitären Einrichtungen eng miteinander kooperieren, so die Mitteilung der Minister im Rahmen der Pressekonferenz. „Diese sechs deutschen Zentren sind das Herzstück des Rahmenprogramms“, betonte die Forschungsministerin Schavan.

Übertragung der Forschungsergebnisse in die Praxis
Die sechs Zentren zur Gesundheitsforschung sollen nach Hoffnung der Bundesminister auch dazu beitragen, neue Therapien schneller in der Regelversorgung zu etablieren. Mit den Maßnahmen des Rahmenprogramms solle der Übergang von Forschungsergebnissen in die ärztliche Praxis so schnell wie möglich gestaltet werden, erklärte die Bundesforschungsministerin Schavan. Und auch Philipp Rösler betonte die Bedeutung der Versorgungsforschung im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung, denn es gehe darum, „wie neue Behandlungen möglichst schnell zu den Menschen kommen können“. Nach Aussage von Ulrich Dirnagl, Leiter für Experimentelle Neurologie an der Berliner Charité, dauert es bisher zwischen zehn und 30 Jahren bis eine medizinische Entdeckung beim Patienten ankommt. Hier würde eine stärkere Vernetzung der Forschung deutliche Vorteile bringen, so die Einschätzung des Mediziners.

Interdisziplinäre Forschung zu Volkskrankheiten ausbauen
Beispielsweise dürfe sich die Forschung gegen Schlaganfall als eine der verbreitetsten Volkskrankheiten nicht allein auf das Gehirn konzentrieren, erklärte Ulrich Dirnagl. Denn zu den Hauptursachen zählen Infektionen und dabei insbesondere Lungenentzündungen. Im Rahmen der vernetzten Forschung und Behandlung zielen neuere Schlaganfall- Therapien daher darauf ab, eine Schwächung des Immunsystems durch Infekte frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, betonte der Experte. „Wo Grundlagenforschung und Klinik eng verzahnt sind, kann man solche Probleme angehen und darum dürfen wir in Zukunft viel von diesen Zentren erwarten“, erklärte Dirnagl. Auch der Bundesgesundheitsminister unterstrich die Bedeutung der Forschung in Bereich der Schlaganfälle, denn mit 160 000 Fällen pro Jahr seien diese heute in Deutschland die häufigste neurologische Erkrankung.

Zentren der Gesundheitsforschung
Während das Zentrum für neurodegenerative Erkrankungen mit seinem Kernzentrum in Bonn und das Zentrum für Diabetes-Forschung mit Partnern in München, Düsseldorf, Potsdam, Tübingen und Dresden bereits in vollem Gange sind, haben sich für die Gründung des Deutschen Zentrums für Herz-Kreislauf-Forschung neben anderen Universitäten die Berliner Einrichtungen Charité, das Deutsches Herzzentrum, das Max-Delbrück-Zentrum für Molekulare Medizin, das Robert-Koch-Institut (RKI) und das Deutsche Institut für Ernährungsforschung in Potsdam gemeinsam beworben. Die Charité wird sich darüber hinaus voraussichtlich auch am Deutschen Konsortium für translationale Krebsforschung beteiligen. Die Bundesforschungsministerin betonte: „Im Juli können wir Ihnen dann die Deutschlandkarte mit den sechs Zentren vorlegen“.

Rahmenprogramm Gesundheitsforschung bestimmt weitere Handlungsfelder
Den Großteil der Finanzierung für die sechs zu schaffenden Zentren der Gesundheitsforschung übernimmt im Rahmenforschungsprogramm der Bund mit rund 90 Prozent. So sind in den nächsten vier Jahren 500 Millionen Euro für den Auf- und Ausbau der Forschungszentren vorgesehen. Schavan bezeichnete das Rahmenprogramm als einen „Meilenstein“, der auch international große Beachtung finde. Die sechs Forschungszentren ermöglichen dabei in der Erforschung der wichtigsten Volkskrankheiten neue Wege zu beschreiten, so das Fazit der Ministerin. Im Rahmenprogramm Gesundheitsforschung werden neben der Erforschung von Volkskrankheiten weitere Handlungsschwerpunkte genannt, wie zum Beispiel Ernährung, Vorsorge, Wirtschaftlichkeit, eine stärkere Ausrichtung der Medizin auf das Individuum und die internationale Zusammenarbeit. Das die Forschung und Behandlung jedoch insbesondere im Bereich der Volkskrankheiten zu intensivieren ist, hänge unter anderem damit zusammen, dass die Menschen immer älter werden, erläuterte Professor Karl Max Einhäupl, Vorstandvorsitzender der Charité im Rahmen der Pressekonferenz. Der Fachmann ergänzte: Jedes zweite heute geborene Mädchen, wird über 100 Jahre alt werden. (fp)