Mehr Schadstoffe in Stadtgemüse als im Supermarkt

Sebastian

Gemüse aus Städten zum Teil schwer belastet

07.07.2012

Gemüse, das selbst in der Stadt angebaut wird, ist oft stark mit Schadstoffen belastet. Das ergab eine Studie Institut für Ökologie der TU Berlin. Die Belastungen von Stadtgemüse sei laut der Forscher teilweise „deutlich höher als von Gemüse aus dem Supermarkt“. Ein Grund zur Panik gibt es dennoch nicht. Vielmehr sei eine ganzheitliche Sicht auf das Gärtnern wichtig.

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Sogar EU-Grenzwerte überschritten
Viele Menschen bauen eigenes Obst und Gemüse im heimischen Garten an. „Da weiß man was man hat“, heißt die Devise von vielen. Schließlich können Kartoffeln, Möhren oder Äpfel ohne künstlichen Dünger angepflanzt werden und sei sogar besser als „Bio“. Urbanes Gärtnern boomt nicht nur in Berlin, sondern auch in zahlreichen Städten Deutschlands. Doch Stadt-Gemüse ist in vielen Fällen mit Schwermetallen verseucht, wie eine aktuelle Auswertung einer Untersuchung von Forschern des Instituts für Ökologie an der Technischen Universität (TU) in Berlin ergab. In dem Fachjournal „Environmental Pollution“ berichteten die Forscher, dass Gemüse aus Städten, das vor allem in der Nähe von stark befahrenen Straßen angebaut wurde, um ein Vielfaches mit Schwermetallen kontaminiert war. „Gemüse aus innerstädtischen Gärten kann im Vergleich zu Standard-Supermarktprodukten ein Vielfaches an Schwermetallen angereichert haben. Teilweise wurden sogar EU-Grenzwerte für Lebensmittel überschritten“, berichtete die Forschungsleiterin Dr. Ina Säumel. „Unsere Ergebnisse waren überraschend eindeutig“.

Für die Studie entnahmen die Wissenschaftler Proben von Flächen rund von Bäumen, von Hinterhöfen und Kleingartenkolonien. Die Entnahmen wurden bereits im Sommer 2010 durchgeführt und im Anschluss labortechnisch untersucht. In welchen Stadtteilen und Straßen genau die Analysen durchgeführt wurden, teilte die Forscherin nicht mit. Schließlich sei mit den Probanden eine Anonymität vor Probeerstellung vereinbart worden. Denn Verunreinigungen werden seitens einiger Entscheider gern als Argument verwendet, um ganze Gartensiedlungen zu schließen, damit die Flächen für gewinnbringende Nutzungen zu verwenden können, so die Begründung der Wissenschaftlerin. „Das wollen wir mit der Anonymisierung verhindern.“

Deutliche höhere Schadstoffbelastungen in Gemüse
Bei den verschiedenen Arten von Gemüse variierten die Schadstoffbelastungen stark, so dass „die TU-Forscher nicht von vornherein problematisches oder unproblematisches Gemüse identifizieren konnten.“ Wichtiger hingegen war für das Studienergebnis die Stadtlage, wo das Gemüse angebaut wurde. Tomaten, Mangold und Möhren waren deutlich stärker mit Zink, Blei und Kupfer kontaminiert. Bei den metallischen Stoffen Nickel und Cadmium zeigten sich ebenfalls signifikant höhere Werte. Einige dieser Metalle können zu gesundheitlichen Problemen führen, wenn diese durch die Nahrung in hohen Dosen aufgenommen wird.

Ganzheitliche Sicht auf Stadtgemüse-Anbau
Grund zur Panik sehen die Forscher allerdings nicht. Dr. Säumel verwies stattdessen auf eine Untersuchung von Forschern aus Großbritannien. Sie hatten eine ganzheitliche Sicht in Sachen städtischem Gemüseanbau gefordert. Neben den Aspekt der Schadstoffmengen sollten auch positive Begleiterscheinungen wie aktive Bewegung, frische Luft, soziale Gemeinschaftserfahrungen oder auch die Freude am Gärtnern mit in die Risikobewertung einfließen. All das seien ebenfalls gesundheitsfördernde Punkte, die bei einem Kauf von Obst oder Gemüse im konventionellen Supermarkt wegfallen. Zudem hatten Umweltschützer erst vor kurzer Zeit zahlreiche Pestizide in Obst und Gemüse festgestellt.
Dennoch zeigt die Berliner Stadtstudie, dass Gemüsesorten weniger schadstoffbelastet waren, wenn es weiter entfernt von viel befahrenen Straßen gesetzt wurde. Hilfreich seien auch natürliche oder künstliche Barrieren wie Häuser, dichte Vegetationsbestände wie Hecken zwischen viel genutzten Straßen. Stadtgärtner sollten daher ihr Gemüse mit Vorkehrungen vor Schadstoffe schützen. (sb)