Mehr Schutz vor Krebs: HPV-Impfung jetzt auch für Jungen?

Nina Reese
Die Zahl der Männer ist in den letzen Jahren stark gestiegen Die Entstehung von Penistumoren wird unter anderem mit HPV-Infektionen in Verbindung gebracht. Wie das Robert-Koch-Institut berichtet, prüft die Ständige Impfkommission (STIKO) daher, ob die Impfung gegen humane Papillomviren zukünftig auch für Jungen empfohlen werden sollte. Für Mädchen wird diese bereits seit zehn Jahren angeraten.

STIKO empfiehlt Impfung für Mädchen seit zehn Jahren
Seit März 2007 empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die HPV-Impfung für Mädchen schon ab 9 Jahren, mit dem Ziel, die Zahl der Gebärmutterhalskrebsfälle künftig deutlich zu verringern. Für Jungen bzw. junge Männer gibt es hingegen derzeit keine HPV-Impfempfehlung. Das könnte sich jedoch möglicherweise bald ändern. Denn die Infektion mit bestimmten HPV-Typen stellt einen Risikofaktor für die Entstehung einiger Formen des Peniskarzinoms dar. Die STIKO prüft daher zur Zeit vorliegende Studienergebnisse, um die Notwendigkeit einer Impfempfehlung für Jungs neu bewerten zu können.

Die HPV-Impfung wird für Mädchen bereits seit zehn Jahren empfohlen. Nun prüft die STIKO, ob diese auch für Jungen anzuraten ist. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Gebärmutterhalskrebs durch high-risk-Typen
Bei den humanen Papillomviren (kurz: HPV) handelt es sich um die häufigsten sexuell übertragenen Viren der Welt. Von den bislang mehr als 120 bekannten Virustypen befallen etwa 40 die Geschlechtsorgane. Unterschieden wird zwischen Viren mit niedrigem Gesundheitsrisiko (low risk) und solchen mit hohem Risiko (high risk).

Erstere verursachen gutartige Feigwarzen an den Genitalien, die high-risk-Viren sind für das Entstehen von Gebärmutterhalskrebs (Zervixkarzinom) verantwortlich. Eine HPV-Infektion erfolgt in den meisten Fällen beim Geschlechtsverkehr, wobei sexuell aktive und junge Leute im Alter bis 25 Jahren am häufigsten betroffen sind.

Zwei Wirkstoffe bieten weitreichenden Schutz
Um die Zahl der Fälle von Gebärmutterhalskrebs in Zukunft zu verringern, sollte die Impfung gegen HPV auf Anraten des RKI am besten vor dem ersten Geschlechtsverkehr erfolgen. Wurde die Impfung bei Mädchen zwischen 9 und 14 Jahren versäumt, sollte sie spätestens bis zum 18. Lebensjahr (d.h. bis zu dem Tag vor dem 18. Geburtstag) nachgeholt werden. In Deutschland stehen zwei Impfstoffe zur Verfügung: Cervarix und Gardasil, die beide vor den Hoch-Risiko HPV-Typen 16 und 18 schützen.

Gardasil schützt zudem vor den Genitalwarzen begünstigenden (low-risk)) HPV-Typen 6 und 11, die vor kurzem zugelassene Weiterentwicklung des Präparats bietet Schutz vor insgesamt neun HPV-Typen. Da etwa 70 Prozent aller Gebärmutterhalskarzinome von den zwei Virus-Typen HPV 16 und 18 hervorgerufen werden, bieten die Impfstoffe einen weitreichenden Schutz.

Keine hundertprozentige Sicherheit
Doch eine hundertprozentige Sicherheit gibt es nicht – daher sollten auch geimpfte Frauen regelmäßig eine Früherkennungsuntersuchung durchführen lassen. Ebenso ist noch unbekannt, ob der Schutz lebenslang besteht und ob bzw. zu welchem Zeitpunkt eine Auffrischung nötig ist. Laut dem Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) gehen Experten aber davon dass der Impfschutz mehr als 20 Jahre anhalten könne.

Stoffe sind gut verträglich
Die derzeit verwendeten Impfstoffe gelten laut dem DKFZ als sicher und gut verträglich. Die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen sind – ähnlich wie bei anderen Impfungen – Hautreaktionen an der Einstichstelle wie Rötungen, Juckreiz, leichte Schmerzen und Schwellungen. Seltener können z.B. Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel oder Überempfindlichkeitsreaktionen wie Atembeschwerden auftreten.

Eine Dosis reicht nicht aus
Für einen vollständigen Impfschutz ist eine einzelne Impfung jedoch nicht ausreichend. Die zweite Dosis sollte nach Information des RKIs in einem Abstand von fünf bis 13 Monaten nach der ersten Dosis verabreicht werden. Wurde früher als fünf Monate nach der ersten Impfung erneut geimpft, ist eine dritte Dosis erforderlich. Gleiches gilt, wenn die erste Impfung ab einem Alter von 15 Jahren durchgeführt wurde. Alle Impfungen sollten mit dem gleichen Impfstoff erfolgen. Für die Impfungen sollte möglichst der gleiche HPV-Impfstoff verwendet werden, die Injektion erfolgt in den Oberarm- oder Oberschenkelmuskel.

Studien zeigen Wirkung bei Jungen
Können auch Jungen von einer Impfung gegen HPV profitieren? Um diese Frage beantworten und die Notwendigkeit einer Impfempfehlung für Jungen neu bewerten zu können, prüft die STIKO derzeit den aktuellen Stand der Forschung. Studien hätten dem RKI nach gezeigt, dass die Impfung eine Wirkung zeige, indem Jungs im Alter von 10 bis 15 Jahren durch eine diese hohe Antikörper-Titer erreicht hätten. In weiteren Untersuchungen konnte „die Schutzwirkung des quadrivalenten HPV-Impfstoffs gegen Genitalwarzen und Vorstufen des Penis- und Analkarzinoms bei Jungen und jungen Männern demonstriert werden“, informiert das RKI.

Kostenersttatung bisher nur bei Mädchen
Bei Mädchen werden die Kosten für die komplette Impfung von den Krankenkassen übernommen, sofern diese noch unter 18 sind. Einige Kassen bieten die volle bzw. teilweise Kostenübernahme auch über diese Altersgrenze hinaus an. Jungen erhalten bislang normalerweise keine Erstattung. Eltern, die ihre Söhne gegen HPV impfen lasen wollen, sollten sich daher im Vorfeld bei ihrer Krankenkasse erkundigen. Sollte sie STIKO eine offizielle Impfempfehlung auch für Jungen herausgeben, müsste die Behandlung vermutlich nicht mehr selbst gezahlt werden. (nr)