Melaminharz-Produkte setzen Schadstoffe frei

Fabian Peters

Gesundheitsrisiko Küchenutensilien – Melaminharz-Produkte setzten beim Erwärmen Schadstoffe frei

13.05.2011

Küchenutensilien aus Melaminharz, können gesundheitsgefährdende Mengen von Melamin und Formaldehyd in die Nahrung abgeben, warnte das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Von dem Einsatz der Gegenständen aus Melaminharz beim Erhitzen der Lebensmittel werde daher dringend abgeraten, erklärte das BfR.

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Melaminharz wird zum Beispiel für die Herstellung von Besteck, Kochlöffeln, Tassen, Tellern und Schüssel verwendet und erfreut sich aufgrund der Bruchsicherheit einer wachsenden Beliebtheit. Doch beim Erhitzen können gesundheitlich bedenkliche Mengen Melamin und Formaldehyd in die Nahrungsmittel übergehen, warnte das BfR. Sogar in der Raumluft können nach dem Erhitzen der Melaminharz-Küchenutensilien bedenkliche Konzentrationen des flüchtigen Formaldehyds auftreten, erklärten die Experten des BfR.

Melaminharz-Küchengeräte setzten Melamin und Formaldehyd frei
Die Untersuchung der Melaminharz-Küchengeräte durch das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) und die Überwachungsbehörden der Bundesländer hat ergeben, dass beim Erhitzen die Grenzwerte, welche für den Übergang von Melamin und Formaldehyd in Lebensmittel gelten, deutlich überschritten werden. Daher hat das BfR gestern (12. Mai) eine Warnung vor dem Gebrauch der Küchengeräte aus Melaminharz ausgesprochen. Diese sollten grundsätzlich nicht erhitzt werden, da eine gesundheitlich bedenklich Belastung der Nahrungsmittel die Folge sein könnte, erklärte das BfR. Die Temperaturen, die beim Kochen, Braten oder dem Erhitzen in der Mikrowelle entstehen, verursachen unter Umständen eine Zersetzung des Materials, bei der erhebliche Mengen Melamin und Formaldehyd in die Nahrung übergehen, erläuterten die Experten. Das Risiko sei bei der Verarbeitung von säurehaltigen Lebensmitteln wie zum Beispiel Obst und Gemüse besonders hoch, warnte das BfR. Erkennbar ist die Zersetzung der Melaminharz-Produkte den BfR-Experten zufolge an der Oberfläche. Die Gegenständen verlieren an Glätte und Glanz. Sind die Oberflächen bereits angegriffen, wird der Zersetzungsprozess noch beschleunigt und es treten immer größere Mengen Melamin und Formaldehyd aus, warnte das BfR.

Küchenutensilien aus Melaminharz sollten nicht erhitzt werden
Der Präsident des Bundesinstituts für Risikobewertung, Prof. Andreas Hensel erklärte, dass „Verbraucherinnen und Verbraucher Geschirr und Küchenutensilien aus Melaminharz daher nicht zum Braten, Kochen und zum Erhitzen von Lebensmitteln in der Mikrowelle verwenden“ sollten. Unproblematisch ist dem Fachmann zufolge indes die Verwendung der Gegenstände aus Melaminharz bei Temperaturen unterhalb von 70 Grad Celsius. Als Orientierung für die möglichen Gesundheitsschäden durch den Eintrag von Melamin dienten dem BfR die Vorschriften der EU-Verordnung für Kunststoffe beim Kontakt mit Lebensmitteln. Dabei bestimmt die EU einen maximalen Migrationsgrenzwert von 30 Milligramm pro Kilogramm beim Übergang von Melamin auf Lebensmittel. Erst im vergangenen Jahr hatte die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) Melamin neu eingestuft und die vertretbare täglich Aufnahmemenge herabgesetzt. Der Migrationsgrenzwert für Melamin-Produkte wurde dabei jedoch nicht angepasst. Für das krebserregende Formaldehyd gilt in der EU schon lange ein Migrationsgrenzwert von 15 Milligramm pro Kilogramm.

Drohende gesundheitlich Beeinträchtigungen durch Melamin und Formaldehyd
Während bei Temperaturen unter 70 Grad Celsius keine gesundheitlich bedenklichen Mengen Melamin oder Formaldehyd in die Nahrung übergehen, werden bei höheren Temperaturen die Migrationsgrenzwerte deutlich überschritten, teilte das BfR mit. Da Formaldehyd außerdem äußerst flüchtig ist, könne auch die Raumluft erheblich belastet werden und es drohen gesundheitliche Beschwerden durch das Einatmen des Formaldehyds. Eine erheblicher Formaldehydbelastung kann gesundheitliche Folgen wie Allergien und Reizungen der Haut, Atemwegen oder Augen zur Folge haben. Außerdem besteht ab einer Konzentration von 30 Millilitern pro Kubikmeter akute Lebensgefahr aufgrund möglicher toxischer Lungenödeme. Zudem kann Formaldehyd bei langfristiger Belastung Gedächtnis-, Konzentrations- und Schlafstörungen verursachen. Darüber hinaus wird Formaldehyd seit 2004 von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) als „krebserregend für den Menschen“ eingestuft. Auch das BfR hat anschließend eine Neueinstufung des Formaldehyds als „krebsauslösend für den Menschen“ vorgenommen und als Begründung neuere epidemiologischen Studien benannt, die eine erhöhte Sterblichkeit durch Tumore des Nasen-Rachenraumes bei Industriearbeitern, welche regelmäßig Formaldehyd ausgesetzt waren, verzeichneten. (fp)

Bild: Uschi Dreiucker / pixelio.de