Meningitis-Risiko im Swimmingpool: Frau nach dem Baden verstorben

Aus den USA wird über den Fall einer jungen Frau berichtet, die nach einer Meningitis verstarb. Die 21-Jährige hatte sich die Hirnhautentzündung offenbar beim Baden in einem Pool zugezogen. (Bild: volff/fotolia.com)
Alfred Domke
Rätselhafte Patientin: Tödliche Gefahr im Pool
Nachdem eine junge Frau in den USA mit Beschwerden wie Kopfschmerzen, Schwindel und Übelkeit in eine Klinik gebracht wurde, verschlechterte sich ihr Zustand rapide. Die Ärzte diagnostizierten eine Meningitis. Kurz darauf starb die Patientin. Behörden fanden später heraus, dass ihr Tod mit dem Baden in einem privaten Swimmingpool zusammenhing.

Junge Frau stirbt nur kurz nach Klinikeinweisung
In den USA ist eine 21-jährige Frau an einer seltenen Krankheit verstorben, die durch den „hirnfressenden“ Parasiten Naegleria fowleri hervorgerufen wird. Ein Sprecher der regionalen Gesundheitsbehörde im kalifornischen Inyo County berichtete gegenüber „CBS News“: „Zunächst spürte die junge Frau Übelkeit und Schwindel. Danach folgten starke Kopfschmerzen“. Da die Schmerzen nicht aufhörten, ging die Patientin schließlich ins Northern Inyo Hospital in Bishop, Kalifornien.

Dort diagnostizierten die Ärzte aufgrund der typischen Symptome eine Meningitis, eine Entzündung der Hirnhäute. Zu diesem Zeitpunkt war den Medizinern noch nicht bekannt, ob Viren oder Bakterien die Krankheit ausgelöst haben. Trotz einer sofort eingeleiteten Behandlung, die unabhängig vom Erreger helfen sollte, verschlechterte sich der Zustand der Frau immer weiter. Zwei Tage später wurde die Patientin in ein anderes Krankenhaus nach Reno (Nevada) gebracht. Doch auch dort konnte ihr nicht geholfen werden. Die junge Frau verstarb wenig später.

Aus den USA wird über den Fall einer jungen Frau berichtet, die nach einer Meningitis verstarb. Die 21-Jährige hatte sich die Hirnhautentzündung offenbar beim Baden in einem Pool zugezogen. (Bild: volff/fotolia.com)
Aus den USA wird über den Fall einer jungen Frau berichtet, die nach einer Meningitis verstarb. Die 21-Jährige hatte sich die Hirnhautentzündung offenbar beim Baden in einem Pool zugezogen. (Bild: volff/fotolia.com)

Hirnfressender Parasit für Tod verantwortlich
„Wir konnten uns den Tod nicht erklären“, sagte einer der leitenden Ärzte. „Aus diesem Grund wurde eine gründliche Untersuchung angeordnet“. Als die US-amerikanische Gesundheitsbehörde Centers of Disease Control and Prevention (CDC) Liquor- und Blutproben der Frau analysierte, zeigten die Ergebnisse, dass ein hirnfressender Parasit zum Tod der jungen Frau führte. Der Einzeller Naegleria fowleri, besser bekannt als „gehirnfressende Amöbe“, lebt in warmem Süßwasser und ist in den medizinischen Lehrbüchern als Erreger beschrieben, der die sogenannte primäre Amöben-Meningoenzephalitis bedingt. Der Infektionsweg in dem aktuellen Fall blieb zunächst unklar.

Schwimmen im Pool wurde Frau zum Verhängnis
Wie ein Wissenschaftlerteam um Jennifer Cope von der CDC nach Abschluss der Untersuchungen im „Morbidity and Mortality Weekly Report“ der Seuchenschutzbehörde berichtete, verlaufen Infektionen mit dem Einzeller fast immer tödlich. Laut dem Nachrichtenmagazin „Spiegel“ fanden die Experten heraus, dass die Frau in den zwei Wochen vor ihrem Tod nur einmal schwimmen war und zwar in einem privaten Pool, dessen Wasser erst direkt vorm Schwimmen mit Chlor versetzt worden war. In dem Bericht heißt es, dass der Pool in einem Wüstengebiet liegt und das Wasser, das aus einer Gebirgsquelle stammt, die letzten 2,4 Kilometer in einer in den 1960er Jahren gebauten Überlandleitung zurückgelegt hat. Den Angaben zufolge war die Oberseite der Leitung an vielen Stellen verrostet, sodass es im Prinzip eine Rinne geworden sei. Laut dem „Spiegel“ war das Wasser an der Quelle an dem Julitag, an dem die Wasserproben entnommen wurden, rund zehn Grad Celsius warm, am Einlass zum Swimmingpool dagegen rund 37 Grad. Die Frau war im Juni gestorben.

Infektionen sind äußerst selten
Die CDC hatte zwar weder im Wasser des Swimmingpools noch in der Leitung Hinweise auf Naegleria fowleri entdeckt, geht aber trotzdem davon aus, dass die Frau sich dort mit der Amöbe infiziert hat. Laut der Behörde unterstreicht der Fall, wie wichtig es ist, beim Betreiben eines Swimmingpools auf die Hygiene zu achten. Wenn dieser ordentlich gewartet und desinfiziert werde, drohe grundsätzlich keine Ansteckungsgefahr. Naegleria fowleri kommt in fast allen Teilen der Erde vor, wobei die USA und Australien laut Angaben der CDC Schwerpunkte der Verbreitung bilden. Experten gehen allerdings davon aus, dass viele Fälle in Entwicklungs- und Schwellenländern nicht als solche erkannt und deshalb nicht berichtet werden. Doch Infektionen sind allgemein sehr selten.

„In den 10 Jahren von 2005 bis 2014 wurden 35 Infektionen in den USA gemeldet, wobei 31 Personen durch das Schwimmen in kontaminierten Freitzeitgewässern infiziert wurden, drei Personen infolge der Durchführung einer Nasenspülungen mit kontaminierten Leitungswasser und eine Person durch verunreinigtes Wasser aus der Leitung auf einem Hinterhof“, so die Experten. Nach Angaben der Gesundheitsbehörde infizierten sich in den USA in den letzten 53 Jahren insgesamt133 Menschen mit dem speziellen Parasiten. Dabei lag die Todesrate allerdings sehr hoch. Es konnten bislang nur drei Menschen vor einem Tod infolge der Infektion bewahrt werden. In Deutschland sind bislang keine Fälle bekannt geworden.

Erreger verbreitet sich bei Temperaturen über 30 Grad
Laut der CDC erfolgt die Infektion mit Naegleria fowleri normalerweise, wenn jemand beim Baden oder Tauchen kontaminiertes Wasser durch die Nase aufnimmt. Auf diese Weise kann die Amöbe ins Gehirn wandern und die lebensgefährliche Entzündung auslösen. Durch ungewolltes Verschlucken oder auch durch Trinken könne man sich der CDC zufolge nicht infizieren.

Nach Informationen des Robert Koch-Instituts (RKI) vermehren sich die Amöben vor allem bei Temperaturen zwischen 30 und 45 Grad Celsius. Daher sei der Erreger besonders in Süßgewässern und Böden der Subtropen und Tropen verbreitet, aber auch in natürlich oder künstlich erwärmten Süßgewässern gemäßigter Klimazonen. 2014 berichteten Forscher im Fachmagazin „PLOS Neglected Tropical Diseases“ über eine Studie derzufolge über 95 Prozent der bekannten Infektionen mit Naegleria fowleri tödlich enden. (ad)

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