Menschliche Schönheit liegt im subjektiven Auge des Betrachters

Fabian Peters
Studie beweist: Erfahrung ausschlaggebender als die Gene
Schönheit liegt im Auge des Betrachters – diese Aussage ist den meisten Menschen wohl bekannt. Viele von uns haben sich sicher schon mit Freunden darüber gestritten, welche Schauspielerinnen beziehungsweise Schauspieler am attraktivsten sind. Oft gehen die Meinungen hier stark auseinander.

Nun berichten Forscher in der Zeitschrift „Current Biology“, dass „solche Meinungsunterschiede das Ergebnis von persönlichen Vorlieben sind“. Diese seien „für jedes Individuum einzigartig und geprägt von eigenen Erfahrungen“. Mit anderen Worten kann man sagen, dass selbst eineiige Zwillinge nicht immer gleicher Meinung bei diesem Thema sind.

Einige Aspekte der Attraktivität sind ziemlich universell und können sogar in unseren Genen kodiert sein. Viele Menschen neigen dazu Gesichter, die symmetrisch sind, schön zu finden. Neben solch bekannten Vorlieben, haben Menschen aber einen individuellen Geschmack und bevorzugen verschiedene „Typen“.

Das Schönheitsempfinden ist sowohl durch Gene als auch durh die persönliche Erfahrung bedingt. (Bild: contrastwerkstatt/fotolia.com)
Das Schönheitsempfinden ist sowohl durch Gene als auch durh die persönliche Erfahrung bedingt. (Bild: contrastwerkstatt/fotolia.com)

Individuelle ästhetische Vorlieben bestimmen Attraktivität
Laura Germine vom Massachusetts General Hospital in Boston (USA) und ihre Kollegen schreiben dazu in „Current Biology“, dass die individuellen ästhetischen Vorlieben bei Gesichtern zu etwa fünfzig Prozent mit anderen Menschen übereinstimmen. Die andere Hälfte könne abweichen und ist bei jedem Menschen durch viele Faktoren beeinflusst.

Das Schönheitsideal wird „vor allem durch Erfahrungen geprägt und nicht etwa durch die Gene“. Diese Erfahrungen sind sehr spezifisch für jeden Menschen. „Es geht dabei nicht darum, welche Schule man besucht oder wie viel Geld die Eltern verdient haben. Attraktivität in einem Gesicht zu sehen, hat viel mehr mit individuellen Erfahrungen zu tun“, so das Forscherteam im Studienbericht. Diese setzen sich aus einzigartigen sozialen Interaktionen zusammen. Freunde, Bekannte, Personen in den Medien, aber auch das Gesicht unserer ersten Liebe können diese ureigenen Erfahrungen bestimmen.

Studie mit 760 Zwillingspaaren bewertet 200 Gesichter
Das Forscherteam studierte zunächst die Gesichtspräferenzen von über 35.000 Freiwilligen, die ihre Website (http://www.testmybrain.org/setup.php?b=309) besucht hatten. Die hieraus gewonnen Erkenntnisse wurden genutzt, um einen hocheffizienten und effektiven Test zu entwickeln. Dieser befasst sich mit den individuellen und einzigartigen Präferenzen bezogen auf die Attraktivität eines Gesichts. Dann wurden mehr als 760 Zwillingspaare befragt und auf ihre Vorlieben untersucht, indem sie die Attraktivität von 200 Gesichter bewerten mussten. Die Paare setzten sich aus 547 eineiigen Zwillingen und 214 Paaren von gleichgeschlechtlichen, nicht-eineiigen Zwillingen zusammen. Befragt wurden sowohl weibliche als auch männliche Zwillinge.

Ergebnisse belegen: Schönheitsempfinden nicht beeinflusst durch Gene
Das Ergebnis war erstaunlich. Bei den eineiigen Zwillingen waren die Übereinstimmungen nicht größer als in der Gruppe der nicht-eineiigen Paare. Aus diesen Daten folgerten die Forscher, dass Gene nicht ausschlaggebend für das Empfinden von Attraktivität sind. Vielmehr prägen Umwelt und persönliche Erfahrungen das individuelle Schönheitsempfinden. Diese Erfahrungen sind sehr spezifisch für jedes Individuum. Im Gegensatz dazu, ist die Fähigkeit ein Gesicht wiederzuerkennen vor allem genetisch bedingt. Zu diesem Thema hatten die Forscher bereits im Jahr 2010 eine Studie veröffentlicht. (as)