MERS Virus durch Kamele übertragen

Heilpraxisnet

Forscher identifizieren Kamele als mögliche Überträger des MERS-Coronavirus

05.07.2014

Nachdem bereits hunderte Menschen in Saudi-Arabien und anderen Staaten des nahen Ostens an den Folgen einer Infektion mit dem Coronavirus MERS (MERS-CoV) verstarben, haben Wissenschaftler der King Abdulaziz University (Saudi-Arabien) nun einen neuen Übertragungsweg der Erreger identifiziert. Offenbare können die Erreger von Dromedaren und Kamelen auf den Menschen überspringen.

Die Mediziner führten im Rahmen ihrer Studie eine genetische Analyse des Virus durch, dass den Tod eines 44-jährigen Patienten Ende letzten Jahre verursacht hatte. Sie analysierten zudem Viren-Proben, die von erkrankten Kamelen des Mannes genommen wurden. Das Genom der Erreger war dabei identisch, berichten die Forscher in dem Fachmagazin „New England Journal of Medicine“. Offenbar kann das MERS-Virus bei engem Kontakt mit infizierten Tieren auf den Menschen übertragen werden.

Kamele als Zwischenwirte
Anfang November 2013 wurde der 44-jährige Saudi mit schwerer Atemnot auf die Intensivstation am King Abdulaziz University Hospital eingeliefert. Acht Tage zuvor hatte er laut Angaben der Mediziner Symptome wie Fieber, Schnupfen, Husten und ein allgemeines Krankheitsgefühl entwickelt. Nach fünf Tagen habe die Atemnot eingesetzt, welche sich nach und nach weiter verstärkte. Ende November war der Mann schließlich verstorben. Da der Patient eine Herde von neun Kamelen besaß, in der mindestens vier Tiere erkrankt waren, lag der Verdacht nahe, dass die Erreger von den Kamelen auf den Patienten übergesprungen sein könnten. Die Wissenschaftler nahmen einen Nasenabstrich von den Kamelen und führten eine Squenzierung des Genoms der nachgewiesenen MERS-Viren durch.Zusammenfassend deuten die gewonnen „Daten darauf hin, dass das MERS-CoV eine Zoonose verursacht, die Kamele infizieren kann und von ihnen bei engem Kontakt auf den Menschen übertragen wird“, berichtet Studienleiter Tarik Madani. Die Kamele würden quasi als Zwischenwirte fungieren. Wo das Hauptreservoir der neuen Erreger beziehungsweise wo die eigentliche Infektionsquelle liegt, bleibt indes weiterhin unklar.

MERS-Infektionen bleiben oftmals unerkannt
Weltweit wurden laut Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) „bisher 681 im Labor bestätigte Fälle von Infektionen mit MERS-CoV – darunter 204 Todesfälle – offiziell an die WHO gemeldet.“ Allerdings ist von einer beachtlichen Dunkelziffer auszugehen, da die Symptome vielfache denen einen Grippe oder eines harmlosen Atemwegsinfekts gleichen und nicht der Verdacht einer MERS-Infektion aufkommt. „Es ist nicht immer möglich, Patienten mit MERS-CoV frühzeitig zu erkennen, weil einige leichte oder ungewöhnliche Symptome“ aufweisen, berichtet die WHO. Deshalb sollten insbesondere Mitarbeitern des Gesundheitswesens die geltenden üblichen Vorsichtsmaßnahmen konsequent bei allen Patienten – unabhängig von ihrer Diagnose – einhalten, so die Mitteilung der WHO weiter. (fp)

Bild: Elektronenmikroskopische Aufnahme eines Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV)