Migräne Anzeichen einer Glutenunverträglichkeit?

Heilpraxisnet

Glutenunverträglichkeit als Ursache für Müdigkeit, Migräne und Depressionen?

04.07.2014

Viele Deutsche leiden an einer Glutenunverträglichkeit, ohne davon zu ahnen. Denn die Symptome lassen auf den ersten Blick oftmals keinen Zusammenhang mit einer Glutenunverträglichkeit erkennen. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) nennt hier zum Beispiel „Durchfall, Nährstoffmangel, aber auch Müdigkeit, Depressionen oder Migräne“ als mögliche Folgen der Zöliakie (Glutenunverträglichkeit mit charakteristischer Entzündung der Dünndarmschleimhaut).

Den Angaben der DGVS zufolge ist die Glutenunverträglichkeit zudem vermehrt in Zusammenhang mit Autoimmunerkrankungen wie Typ-1-Diabetes oder autoimmunen Schilddrüsenentzündungen zu beobachten. Des Weiteren seien mit der Glutenunverträglichkeit nicht selten „unklare Leberwerterhöhungen, rheumatische Beschwerden, eine leichte Blutarmut oder Osteoporose“ verbunden. Durchfälle, ein aufgeblähter Bauch und Mangelerscheinungen seien bei Kleinkinder als typische Beschwerden der Glutenunverträglichkeit zu beobachten. Insgesamt leiden den Angaben der DGVS zufolge in Deutschland „mindestens vier von 1.000 Menschen“ an einer Zöliakie. Mit der neu entwickelten Behandlungsleitlinie der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten soll die Versorgung der Betroffenen künftig deutlich verbessert werden.

Glutenunverträglichkeit bleibt oftmals unerkannt
In ihrer neuen Leitlinie „Zöliakie“ gehen die Experten der DGVS von „einer hohen Anzahl an erkrankten, aber nicht diagnostizierten Personen“ aus. Oftmals werde die Glutenunverträglichkeit nicht als solche erkannt. Denn „die Zöliakie kann in jedem Alter auftreten und hat sehr viele Erscheinungsformen“, erläuterte Professor Andreas Stallmach, Direktor der Klinik für Innere Medizin IV am Universitätsklinikum Jena und ergänzte: „Wir nennen sie daher auch das Chamäleon der Gastroenterologie.“ Die Erkrankung trete zum Beispiel auch in Zusammenhang mit einer bläschenbildenden Hautkrankheit, der „Dermatitis herpetiformis Duhring“, auf.Viele Erwachsene würden bei der erstmaligen Diagnose über lang bestehende Verdauungsbeschwerden, Erschöpfung und psychische Beeinträchtigungen klagen, es könnten jedoch auch überhaupt keinen Symptome vorliegen.

Zöliakie-Test empfohlen
Die DGVS rät nicht nur bei auffälligen Verdauungsbeschwerden, sondern auch bei den oben genannten Symptomen wie Migräne, unklaren Leberwerterhöhungen, rheumatischen Beschwerden, leichter Blutarmut etc. zu einem Zöliakie-Test. Den benannten Risikogruppen und nahen Verwandten sollte von den Ärzten ein entsprechender Test angeboten werden, erläuterte Professor Detlef Schuppan, Leiter der Zöliakie-Ambulanz am Universitätsklinikum Mainz, der gemeinsam mit Professor Stallmach die Erstellung der Leitlinie koordiniert hat. Oftmals würden die so entdeckten Zöliakie-Patienten erst mit der glutenfreien Diät bemerken, „dass es ihnen unter glutenhaltiger Ernährung deutlich schlechter gegangen ist“, so die Mitteilung der DGVS.

Diät hilft Folgeerkrankungen zu vermeiden
Den Angaben der DGVS zufolge wird für den Nachweis einer Glutenunverträglichkeit das Blut der Patienten auf bestimmte Autoantikörper gegen das Enzym „Gewebetransglutaminase“ untersucht. Sollte das Ergebnis nicht eindeutig sein, könnten genetische Risikomarker im Blut Aufschluss geben, berichten die Experten weiter. Zur Bestätigung des Verdachts diene die Untersuchung von Gewebeproben aus dem Dünndarm. Steht die Diagnose fest, hilft den Betroffenen laut Aussage der DGVS „nur der Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel aus Weizen, Dinkel, Gerste oder Roggen – wie zum Beispiel Brot, Nudeln, Pizza oder Bier.“ Dies ist jedoch nicht ganz einfach umzusetzen, da heutzutage auch viele verfeinerte Nahrungsmittel Glutenbeimengungen enthalten. Die Ärzte und Patienten sollten sich generell der Tatsache bewusst sein, „dass eine frühe Diagnose und die damit verbundene Empfehlung zur glutenfreien Diät Mangelerscheinungen und Folgeerkrankungen verhindern kann“, betonte Professor Stallmach. (fp)

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