Migräne erhöht Risiken für Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall

Alfred Domke

Höheres Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko durch Migräne

Fast jeder zehnte Deutsche leidet an Migräne. Weltweit sollen rund eine Milliarde Menschen davon betroffen sein. Die Erkrankung geht mit Beschwerden wie heftigen Kopfschmerzen und Übelkeit einher. Forscher haben nun festgestellt, dass Migräne auch mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden ist.


Rund jeder zehnte Deutsche leidet an Migräne

Gesundheitsexperten zufolge leidet fast jeder zehnte Deutsche an Migräne. Weltweit sollen rund eine Milliarde Menschen davon betroffen sein. Betroffene können durch die Erkrankung regelrecht außer Gefecht gesetzt werden. Typisch sind pochende, hämmernde und einseitige Kopfschmerzen. Häufig kommen weitere Beschwerden wie Übelkeit und Erbrechen, Schwindel sowie Appetitlosigkeit hinzu. Zudem sind viele Betroffene geräusch- und lichtempfindlich. Zu dieser ohnehin schon schweren Belastung kommt, dass Menschen mit Migräne auch ein erhöhtes Risiko für kardiovaskuläre Probleme wie Herzinfarkt und Schlaganfall haben. Das haben Wissenschaftler des Aarhus University Hospital in Dänemark und der Stanford University in den USA herausgefunden.

In einer Studie hat sich gezeigt, dass Migräne mit einem erhöhten Risiko für Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden ist. (Bild: Antonioguillem/fotolia.com)

Zusammenhang zwischen Migräne und Schlaganfällen und Herzinfarkten

Bereits frühere Untersuchungen haben einen Zusammenhang zwischen Migräne und Schlaganfällen und Herzinfarkten nahegelegt, dies gilt insbesondere bei Frauen. Demnach zeigen Frauen mit Migräne ein hohes Herzinfarkt- und Schlaganfall-Risiko.

Für die aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ veröffentlicht wurde, sammelten die Forscher Patientendaten aus dem dänischen nationalen Patientenregister über einen Zeitraum von 19 Jahren – von 1995 bis 2013.

Die Experten verglichen die Ergebnisse von über 51.000 Menschen, bei denen Migräne diagnostiziert wurde, mit über 510.000 Menschen, welche frei von Migräne waren.

Für jede Person mit Migräne wurden also zehn Personen im gleichen Alter und mit dem gleichen Geschlecht untersucht, welche nicht an Migräne litten.

Das Durchschnittsalter für die Diagnose von Migräne lag bei 35 Jahren und 71 Prozent der Teilnehmer der Studie waren Frauen.

Wie wirkte sich die Migräne auf die Patienten aus?

Über den Zeitraum der Untersuchung von 19 Jahren fanden die Forscher heraus, dass Migräne positiv mit dem Auftreten eines Herzinfarkts, Schlaganfalls, Blutgerinnsels und unregelmäßiger Herzfrequenz assoziiert war.

Beispielsweise hatten 25 Patienten mit Migräne pro 1.000 Patienten einen Herzinfarkt. Bei Patienten ohne Migräne waren es nur 17 Patienten.

45 Patienten von 1.000 Teilnehmern mit Migräne erlitten während der Studie einen sogenannten ischämischen Schlaganfall (Blutgerinnsel im Gehirn). Bei nicht unter Migräne leidenden Patienten waren es zum Vergleich nur 25 Patienten.

Frauen sind häufiger betroffen als Männer

Die festgestellten Zusammenhänge bestanden auch noch nach der Berücksichtigung des sogenannten Body-Mass-Index (BMI) und des Rauchens.

Es wurde keine sinnvolle Assoziation mit peripheren Arterienerkrankungen oder Herzversagen festgestellt, erläutern die Wissenschaftler.

Die Assoziationen, insbesondere bei Schlaganfällen, waren im ersten Diagnosejahr stärker bei Patienten mit sogenannter Migräneaura (Warnzeichen vor einer Migräne), verglichen mit Patienten ohne eine solche Aura. Außerdem traten sie bei Frauen häufiger auf als bei Männern.

Unbekannte Faktoren könnten Einfluss auf die Ergebnisse haben

Die durchgeführte Untersuchung ist eine Beobachtungsstudie. Aus diesem Grund können keine eindeutigen Schlussfolgerungen über Ursache und Wirkung getroffen werden.

Die Studienautoren können die Möglichkeit nicht ausschließen, dass andere bisher unbekannte Faktoren, wie beispielsweise die körperliche Aktivität, die Ergebnisse beeinflusst haben könnten.

Die wichtigsten Stärken der Studie waren allerdings eine große Probe von Stichproben und die langfristige Zeit der Nachuntersuchung.

Sollten Patienten mit Migräne Gerinnungshemmer einnehmen?

Aktuelle Leitlinien zum Umgang mit Migräne empfehlen nicht die Verwendung von Gerinnungshemmern (wie Aspirin) zur Behandlung der Erkrankung.

Mediziner mutmaßen aber, ob Patienten mit einem besonders hohen Risiko für Herzerkrankungen von der Behandlung mit sogenannten Antikoagulans (Gerinnungshemmer) profitieren würden.

Migräne sollte als ein potenter und beständiger Risikofaktor für die meisten Herz-Kreislauf-Erkrankungen angesehen werden, erklären die Wissenschaftler.

Es gibt mittlerweile viele Beweise dafür, dass Migräne als starker kardiovaskulärer Risikomarker durchaus ernst genommen werden sollte, sagen die Autoren.

Maßnahmen zur Risikoreduzierung seien längst überfällig, doch leider wurde bisher die Finanzierung der Erforschung von Migräne ernsthaft vernachlässigt, fügen die Mediziner hinzu. (as, ad)