Migräne: Risiko-Gen entdeckt

Fabian Peters

Migräne: Risiko-Gen entdeckt.

(30.08.2010) Millionen Menschen leiden in Deutschland an Migräne. Jetzt hat ein internationales Forscherteam ein Risiko-Gen entdeckt, welches das Migräne-Risiko erheblich erhöht. Damit ist bestätigt, was Experten schon lange vermuten: Migräne ist erblich.

Genvariante „rs1835740“ verantwortlich für Migräne.
In Rahmen der Studie verglichen Wissenschaftler das Erbgut von mehr als 50.000 Menschen aus Finnland, Deutschland, den Niederlanden, Island und Dänemark und konnten dabei einen speziellen Gen-Marker auf dem achten Chromosom als risikoerhöhend für Migräne identifizieren. Etwa um 20 Prozent häufiger leiden Personen mit der Genvariante „rs1835740“ an Kopfschmerzen, begleitet von klassischen Migräne-Symptomen, so die jetzt in der Fachzeitschrift „Nature Genetics“ veröffentlichten Ergebnisse der Studien.

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Fehlerhafte Glutamat-Regulation führt zu Kopfschmerzen.
Die beschriebene Genvariante (Allele) liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zu zwei weiteren Genen (PGCP und MTDH), die ihrerseits wichtige Aufgaben bei der Glutamat-Regulierung übernehmen. So nimmt „rs1835740“ nach Aussage des Studienleiters Verneri Anttila von der Universität Helsinki über die benachbarten Gene Einfluss auf die Zufuhr des Neurotransmitters Glutamat an den Synapsen. Als Neurotransmitter ist Glutamat für den Informationsfluss zwischen Nervenzellen und Gehirn verantwortlich. Wenn an den Kreuzungen des Informationsflusses, den Synapsen, die Glutamat-Regulation nicht funktioniert, kommt es nach Aussage der Forscher zu einer Art Datenstau, der offenbar Migräne auslösen kann. Für die Regulation ist der Studie zu Folge normalerweise ein spezielles Eiweiß zuständig, welches bei Migränepatienten nicht ausgeschüttet wird. "Eine Anhäufung von Glutamat im Gehirn könnte eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Migräne spielen", betonte auch der Co-Autor Christian Kubisch von der Universität Köln gegenüber „Spiegel Online“. So ist es seiner Ansicht nach wahrscheinlich, dass der Glutamat-Überschuss an den Synapsen die massiven Kopfschmerz auslöst.

Acht Millionen Menschen leiden in Deutschland an Migräne.
Etwa acht Millionen Menschen leiden in Deutschland an Migräne, wobei die Intensität der Symptome stark variiert. Die Spanne reicht von pulsierenden Kopfschmerzen, Übelkeit sowie Licht- und Geräuschempfindlichkeit bis hin zu Erbrechen, Tunnelblick, Sprachstörungen und Taubheitsgefühl in den Fingern und Armen. Dabei sind in Europa rund 17 Prozent der Frauen und acht Prozent der Männer von der Erkrankung des Nervensystems betroffen. Erste Schübe haben die Patienten teilweise schon in der Pubertät, doch die signifikanten Kopfschmerzen treten meist erst im Erwachsenenalter auf. Mit den Ergebnissen der Studie, bietet sich für viele Betroffenen endlich eine Antwort auf die Frage, warum gerade sie an Migräne-Anfällen leiden. Zudem lässt sich darauf hoffen, dass auf Basis der Erkenntnisse demnächst Präparate entwickelt werden, die bei der Behandlung direkt auf die Glutamat-Regulation Einfluss nehmen.

Botox hilft bei Migräne.
Erst kürzlich haben zwei Studien von sich reden gemacht, die eine neue Behandlungsmethode mit Botulinumtoxin („Botox“) an Migräne-Patienten mit Erfolg getestet haben. Demnach kann eine Injektion des Nervengifts in die Kopf- und Nackenmuskulatur die Schmerzen der Patienten effektiv lindern. Die Wirkungsweise ist dabei zwar bisher nicht geklärt, aber der Erfolg war offensichtlich. Zudem ist bei präziser Anwendung des Nervengifts mit entsprechend geringen Nebenwirkungen der Therapie zu rechnen, so der Kommentar eines Sprechers der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzengesellschaft (DMKG). Außerdem hat eine norwegische Studie an Teenagern festgestellt, dass insbesondere übergewichtige, rauchende junge Leute mit zu wenig Bewegung vermehrt an Kopfschmerzen leiden und ein ungesunder Lebensstil das Migräne-Risiko erhöht. Dies bedeutet im Umkehrschluss, dass eine gesunde Lebensweise mit ausgewogener Ernährung und viel Bewegung, das Risiko einer Erkrankung minimiert.

Naturheilkunde bietet Alternative Behandlungen bei Migräne.
Auch mit naturheilkundlichen Verfahren, konnten bei der Migräne-Behandlung bereits gute Ergebnisse erzielt werden. Nachdem der Therapeut zunächst in der Amnese analysiert, welche Ursache der Schmerz hat, werden anschließend entsprechende Behandlungen eingeleitet. Diese können von Biofeedback, Ausleitungsverfahren (z.B. Schröpfen), Heilfasten und Neuraltherapie, über Homöopathie, Osteopathie und Entspannungsverfahren bis hin zu Akupunktur sowie Arm- und Fußbädern reichen. (fp)