Migräne: Wenn Licht zur Folter wird

Heilpraxisnet

Migräne mit Medikamenten und Entspannung bekämpfen

15.09.2014

Die Kopfschmerzen, die Betroffene bei Migräneattacken erleiden, sind für viele kaum auszuhalten. Lärm wird zur Qual und Licht oft zur regelrechten Folter für die Patienten, sie suchen dann die Dunkelheit. Neben Medikamenten können auch natürliche Mittel und Methoden, wie etwa Entspannungstechniken Betroffenen Linderung bringen.

Teils unerträgliche Schmerzen

Gewitter im Kopf, Schädel im Schraubstock, Dampfwalze im Kopf: Migränepatienten finden viele Bilder, um ihre teils unerträglichen Schmerzattacken zu beschreiben. Nina R. aus Düsseldorf vergleicht sie mit schwerem Gerät: „Es fühlt sich an, als ob ein Presslufthammer im Kopf wütet“, wenn sie von einer Migräneattacke heimgesucht wird. Ähnlich wie der 35-Jährigen geht es auch bis zu achtzehn Prozent der deutschen Bevölkerung, die zumindest hin und wieder an der neurologischen Erkrankung leiden, welche bei Frauen etwa dreimal so häufig auftritt wie bei Männern.

Patienten suchen die Dunkelheit

Migräne ist gekennzeichnet durch wiederkehrende, anfallartige, pulsierende und meist halbseitige Kopfschmerzen. Der Begriff Migräne kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet soviel wie „halber Schädel“. Dazu gesellen sich häufig zusätzliche Symptome wie Übelkeit und Erbrechen, Lichtempfindlichkeit (Photophobie) oder Geräuschempfindlichkeit (Phonophobie). Manche Patienten klagen zudem über starke Müdigkeit und Appetitlosigkeit. Nina R. erläuterte, dass für sie an den Migränetagen „helles Licht, Gerüche und laute Geräusche“ regelrecht „zur Folter“ würden. Sie versucht dann Linderung im abgedunkelten Schlafzimmer zu finden.

Migräne hat während Anfall Betroffene „voll im Griff“

Das Magazin „Focus Gesundheit“ widmet sich in einer Ausgabe dem Thema. Darin heißt es von Kasja Solbach, Leiterin des Westdeutschen Kopfschmerzzentrums, das zum Uniklinikum Essen gehört: „Migräne hat sehr eindeutige Symptome.“ So dauere ein Anfall zwischen vier Stunden und drei Tagen an. „In dieser Zeit hat die Migräne die Betroffenen voll im Griff“, erläuterte die Expertin. Rund jeder Zehnte erlebt eine sogenannte „Migräne mit Aura“, bei der es zu Augenflimmern kommt, beziehungsweise Lichtblitze plötzlich vor den Augen tanzen, wie das Magazin schreibt.

Unterschiedliche Faktoren für Entstehung von Migräne

Einer Studie des Kopfschmerzzentrums zufolge leiden 18 Prozent der Deutschen zumindest hin und wieder unter Migräne. Bei etwa einem Prozent der Bundesbürger sei die Erkrankung chronisch. Die genauen Ursachen für Migräne und was dabei passiert, ist wissenschaftlich nicht vollständig enträtselt. Es wird jedoch angenommen, dass Umweltfaktoren und Lebensstil eine wesentliche Rolle bei der Entstehung von Migräne spielen. Unter anderem werden hormonelle Faktoren, ein gestörter Schlaf- und Wachrhythmus, ungeregelte Tagesabläufe, Reizüberflutung, Stress und bestimmte Lebensmittel, wie Kaffee, Rotwein, Schokolade oder Käse damit in Verbindung gebracht. Allerdings zeigen manche Studien, dass verschiedene der Annahmen vermutlich falsch sind. Da diese möglichen Auslösefaktoren individuell sehr unterschiedlich sind, wird von Experten dazu geraten, in einem Kopfschmerztagebuch jeweilige Erfahrungen festzuhalten.

Stadtbewohner und Gymnasiasten öfter betroffen

Auch der Leiter der Kopfschmerzambulanz am Universitätsklinikum der LMU München, Andreas Straube, erklärte laut „Focus Gesundheit“: „Die Trigger für eine Migräneattacke sind individuell ganz unterschiedlich.“ Stress sei der wichtigste Auslöser. Stadtmenschen und Gymnasiasten sind demnach häufiger betroffen als die Landbevölkerung oder Hauptschüler. Zudem sei zuletzt gerade auch bei Kindern in Studien ein rasanter Anstieg an Migränediagnosen verzeichnet worden. Umstritten ist unter Medizinern, ob bei bestimmten Wetterlagen mehr Menschen unter Anfällen leiden. So wird beispielsweise im Alpenvorland aufgrund des Föns in der Bevölkerung häufig über eine erhöhte Anfälligkeit berichtet.

Mit natürlichen Mitteln Migräne in den Griff bekommen

Straube meint aus seiner Erfahrung in der Kopfschmerzambulanz, bei Migränepatienten einen Hang zum Perfektionismus zu erkennen: „Viele Patienten sind übertrieben leistungs- und pflichtbewusst. Vielen fehlt die Fähigkeit, auch mal nein zu sagen.“ Auch Nina R. scheint in das Schema zu passen. „Trotz Migräneattacken habe ich versucht, die volle Leistung in der Arbeit zu bringen. Ich hatte Angst davor, von Kollegen als Drückeberger und Sensibelchen wahrgenommen zu werden.“ Ruhe und Entspannung haben der Düsseldorferin jedoch schließlich wesentlich mehr gebracht. Viele Betroffene können ihre Beschwerden durch Hausmittel gegen Migräne in den Griff bekommen. Hilfreich sind unter anderem ein regelmäßiger Tagesablauf, genügend Schlaf, regelmäßige Bewegung, Entspannungsübungen, wie etwa Autogenes Training, Yoga oder Tai Chi sowie eine ausgewogene Ernährung, die auf basische Lebensmittel setzt. Zudem sollte großer Wert auf den Stressabbau gelegt werden.

Viele Patienten nehmen hochdosierte Medikamente

Gegenüber „Focus Gesundheit“ sagte die Neurologin Kasja Solbach: „Wie sich eine Migräne anfühlt, können Gesunde kaum nachempfinden.“ Es reiche nicht, eine Aspirintablette einzuwerfen. „Wir haben gute Therapiemöglichkeiten, die viele Patienten aber nicht erreichen, weil selbst manch ein Mediziner zu wenig über Kopfschmerzen weiß“, so Solbach. Kopfschmerzen selbst seien nicht als Krankheit anerkannt, obwohl Millionen Menschen darunter litten. Viele Menschen nehmen hochdosierte Schmerzmittel ein. Nina R. hat zwar davon gelesen, dass zwar auch Mittel wie Betablocker oder Antidepressiva Migräneanfällen vorbeugen sollen, doch sie setzt auf natürliche Hilfen. Mediziner würden ohnehin nicht wissen, warum diese Medikamente präventiv wirkten. (ad)

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