Mikrowellenprodukte: Wie schädlich kann eine Mikrowelle sein?

Sebastian
Die Mikrowelle ist ein beliebtes Haushaltsgerät. Wer wenig Zeit bei der Zubereitung von Speisen hat, greift gern auf das Gerät zurück. Nun gibt es aber gesundheitliche Vorbehalte gegen die Verwendung. Wir haben daher einmal etwas genauer recherchiert, inwieweit eine Mikrowelle tatsächlich die Gesundheit schädigen könnte. Einige Experten gaben Antworten.

Warum wird das Essen so schnell erhitzt?
Für das rasante Erhitzten sorgen die Mikrowellenstrahlungen mit einer ungefähren Frequenz von 2,45 Gigahertz. Sind die Lebensmittel danach kontaminiert? Und was ist mit den Strahlungen, die eventuell austreten könnten?

Wie ungesund ist die Mikrowelle? Bild: Alexey Rotanov-fotolia
Wie ungesund ist die Mikrowelle? Bild: Alexey Rotanov-fotolia

Margret Morlo vom Verband für Ernährung und Diätetik (VFED) in Bocholt sagt: „Lebensmittel aus der Mikrowelle sind gesundheitlich unbedenklich“. Ina Stelljes vom Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) bestätigt gegenüber „t-Online.de“: „Schutzvorrichtungen sorgen dafür, dass im Betrieb nur sehr wenig Strahlung nach außen gelangt“. Dennoch kann es nach Angaben der Expertin vorkommen, dass in der Nähe der Sichtblende sowie der Türen geringe Strahlen austreten. Allerdings existieren hierfür Grenzwerte, die die Hersteller einhalten müssen. Dieser liegt bei fünf Milliwatt pro Quadratzentimeter in einem Abstand von fünf Zentimetern von der Geräteoberfläche.

Keine Studien belegen Gesundheitsgefahr
„Mir sind keine Studien bekannt, die darauf hinweisen, dass Mikrowellenherde der menschlichen Gesundheit schaden. Allerdings muss man dabei beachten, dass Mikrowellenherde bestimmte Grenzwerte einhalten müssen, und dass das natürlich unter Vorgabe dessen gilt, dass diese Grenzwerte auch eingehalten werden“, sagt Dr. rer. nat. Sarah Drießen vom Forschungszentrum für Elektro-Magnetische Umweltverträglichkeit (femu) in RWTH Aachen.

Trotzdem ist es nicht von der Hand zu weisen, dass es tatsächlich zu Strahlungen kommt. Daher kursieren vor allem im Internet viele unterschiedliche Meinungen zu diesem Thema. Dabei kommt es häufig zum Handyvergleich. Auch das Smartphone steht im Verdacht beispielsweise Hirntumore bei massivem Gebrauch zu fördern. Die Auswirkungen von elektromagnetischen Wellen oder Feldern auf die menschliche Gesundheit sind demnach auch Gegenstand von wissenschaftlichen Auseinandersetzungen. Es ist allerdings nicht leicht, ausreichend gesicherte Informationen zu finden.

Handystrahlen versus Mikrowelle
„Wenn ich Mikrowellen vom Mikrowellenherd mit Mobiltelefonen vergleichen möchte, dann ist es schon so, dass die Mikrowellen von der Frequenz her sehr ähnlich sind. Allerdings ist vielleicht der Unterschied, dass ich mir beim Telefonieren das Handy die ganze Zeit ans Ohr halten muss und deswegen diesen Mikrowellen auch stärker ausgesetzt bin; für eine längere Zeit, als wenn ich das Essen warm mache in meiner Mikrowelle. Da schau ich ja nicht die ganze Zeit in meine Mikrowelle rein. Und ich bin deswegen nicht die ganze Zeit dem Gerät so nah und diesen Frequenzen oder auch den Mikrowellen nicht so stark ausgesetzt“, sagt Dr. Drießen.

Was ist mit dem Essen, nachdem es durch die Strahlen erhitzt wurde?
„Mikrowellen gehören zu den nicht ionisierenden Strahlen. Wir als Wissenschaftler sprechen sogar von elektromagnetischen Feldern, wir reden da gar nicht von Strahlung. Und deswegen kann in dem Sinne das Essen auch gar nicht verstrahlt werde“, bestätigt Dr. Drießen.

Durch das starke Erhitzen werden die Vitamine vernichtet
Demnach sind die Speisen und die Zubereitung an sich ungefährlich. Doch sind die erhitzten Lebensmittel noch gesund? In der Tat, von gesunden Lebensmittel kann man nicht mehr sprechen, da die meisten Vitamine hitzeempfindlich sind. Durch das starke Erhitzen verringern sich die Vitamine zwischen 40 und satten 80 Prozent. Wer also viel Mirkowellenkost verzehrt, sollte auf eine zusätzliche Vitaminzufuhr per Obst und Gemüse achten.

„Aus meiner Sicht ist die Mikrowelle weniger ein Garverfahren als ein Regenerationsverfahren. Wenn ich jetzt beispielsweise Tiefkühlbrokkoli habe, die ja schon blanchiert sind bei dem Unternehmen, das die Tiefkühlbrokkoli hergestellt hat, dann kann ich die wunderbar in der Mikrowelle aufwärmen,“ sagt Prof. em. Dr.-Ing. Elmar H. Schlich, Professur für Prozesstechnik in Lebensmittel- und Dienstleistungsbetrieben, Koblenz, Gießen.

Kann man auch in der Mikrowelle backen? „Also alle Speisen, die normalerweise im Backofen gebacken oder gebraten werden, also angefangen von Kuchen über Fleischspeisen, wie das gebratene Hähnchen oder Pizza, die werden in der Mikrowelle nicht kross. Es gibt keine Bräunungsreaktion, es bildet sich keine Kruste. Und deswegen schmecken solche Lebensmittel in der Mikrowelle zubereitet auch sehr fad und bleiben labberig“, so Ute Gomm vom Verbraucherinformationsdienst AID.

Fazit: Die Mikrowelle ist im Großen und Ganzen ungefährlich. Zum Vergleich ist das Telefonieren mit Handys, durch einige Studien bestätigt, wahrscheinlich gefährlicher. Die Speisen können schnell zubereitet werden. Die Anwender sparen viel Zeit. Wer sich fast ausschließlich mit Mikrowellenkost ernährt, sollte dabei beachten, dass beispielsweise der Vitaminverlust bei bis zu 80 Prozent liegt. Demnach sollten Anwender auf eine ausgleichende Ernährung achten. (sb)