Milliardenkosten durch neues Hepatitis-Medikament

Heilpraxisnet

Krankenkassen: Milliardenkosten für neues Hepatitis-Medikament befürchtet

06.08.2014

Nach Hochrechnungen der AOK Niedersachsen stehen die Krankenkassen in Deutschland vor Milliardenkosten durch ein neues Medikament gegen Hepatitis. Die Ausgaben könnten sich demnach auf fünf Milliarden Euro im Jahr summieren.


Mindestens eine Milliarde Euro in diesem Jahr
Die Krankenkassen in Deutschland stehen nach Hochrechnungen der AOK Niedersachsen vor Milliardenkosten durch ein neues Medikament gegen Hepatitis. Wie es in einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa heißt, hat das unter dem Namen Sovaldi vermarktete Präparat demnach seit der Markteinführung im Januar bereits Ausgaben von 123 Millionen Euro verursacht und wird die Kassen bis Jahresende mindestens eine Milliarde Euro kosten. AOK-Chef Jürgen Peter sagte gegenüber der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“ vom Mittwoch: „Es darf nicht sein, dass ein einziges Medikament, welches in der Herstellung geschätzt 100 Euro für einen Behandlungszyklus kostet, zu einem Preis von 60 000 Euro abgerechnet wird.“

Rund 300.000 Menschen in Deutschland mit Hepatitis C
In Deutschland leiden dem Bericht zufolge etwa 300.000 Menschen an Hepatitis C. Bei rund einem Drittel der Erkrankten soll die chronische Viruserkrankung nach Einschätzung von Experten zu schweren Leberschädigungen führen. Weltweit sollen Schätzungen zufolge mehr als 170 Millionen Menschen infiziert sein. Die Krankheit, gegen die es keine Impfung gibt, wird durch Blut übertragen. Oft werden manche typischen Symptome zu Beginn der Erkrankung, wie Fieber, Gliederschmerzen, Übelkeit oder Müdigkeit als vermeintlicher grippaler Infekt wahrgenommen. Doch wenn Hepatitis nicht behandelt wird, sind chronische Leberentzündungen, oft erkennbar durch gelbe Augen, die Folge. Als Spätfolge könne dadurch auch Leberkrebs entstehen.

Mehr als 700 Euro für eine Tablette
Der Zeitung zufolge hatte der Gemeinsame Bundesausschuss Mitte Juli dem Medikament des US-Pharmakonzerns Gilead gegen das Votum der Kassen eine bessere Wirkung bescheinigt als älteren Präparaten. Eine einzige Tablette koste über 700 Euro. Der Spitzenverband der Krankenkassen rechne mit Therapiekosten von durchschnittlich 50.000 bis 115.000 Euro je Behandlung. Die Ausgaben für alle Kassen könnten sich dem Bericht zufolge nach den AOK-Berechnungen auf fünf Milliarden Euro jährlich summieren. Dies entspreche rund einen Fünftel der Kosten für alle auf dem Markt befindlichen Arzneimittel. (ad)

Bild: Andreas Hermsdorf / pixelio.de