Millionen Deutsche haben ein Suchtproblem

Fabian Peters

Drogenbericht der Bundesregierung: Millionen Deutsche haben ein Suchtproblem

17.05.2011

Die Jugendlichen in Deutschland konsumieren immer weniger Alkohol, Tabak und Cannabis, so die Aussage des am Dienstag in Berlin veröffentlichten Drogen- und Suchtberichts 2011 der Bundesregierung. Seit dem Jahr 2004 ist der Konsum der sogenannten weichen Drogen unter den Jugendlichen den Angaben des Drogen- und Suchtberichts zufolge erheblich gesunken, doch insgesamt haben immer noch Millionen Deutsche ein Suchtproblem.

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Knapp jeder vierte Deutsche kämpft laut dem Drogen-und Suchtbericht 2011 mit Suchtproblemen. Doch die Entwicklung unter den Jugendlichen lässt durchaus positives erwarten. Denn der Tabak-, Alkohol- und Cannabiskonsum der Heranwachsenden ist in den vergangenen Jahren immer weiter zurückgegangen. Der Alkoholmissbrauch unter den Jugendlichen bereitet der Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans (FDP), trotzdem weiterhin erhebliches Kopfzerbrechen. Denn obwohl die Heranwachsenden insgesamt seltener zur Flasche griffen, ist die Zahl der sogenannten Komasäufer erheblich gestiegen.

Alkoholkonsum der Jugendlichen zunehmend bedenklich
Der Alkoholkonsum der Jugendlichen bereite den Experten derzeit die größten Sorgen, erklärte die Drogenbeauftragte der Bundesregierung. Denn trotz des insgesamt rückläufigen Konsums, ist die Zahl der alkoholbedingten Krankenhauseinlieferungen unter den Jugendlich in den vergangen Jahren massiv gestiegen. So mussten im Jahr 2009 rund 26.400 Heranwachsende im Alter zwischen zehn und 20 Jahren wegen Alkoholmissbrauchs im Krankenhaus behandelt werden, was einer Zunahme gegenüber dem Vorjahr von 2,8 Prozent entspricht. Zwar gaben im Jahr 2010 lediglich 13 Prozent der 12- bis 17-Jährigen an, mindestens einmal in der Woche Alkohol zu trinken, wohingegen es im Jahr 2004 noch 21 Prozent waren. Doch dem Rückgang der Konsumenten steht offenbar ein erheblich höherer Alkoholkonsum pro Kopf gegenüber, wie die Zunahme der alkoholbedingten Krankenhauseinlieferungen verdeutlicht. Problematisch ist dabei nicht nur der Alkoholkonsum im allgemeinen, sondern dass die Jugendlichen den Alkohol offenbar in erster Linie als Rauschmittel und nicht als Genussmittel nutzen. Insgesamt bewertet die Drogenbeauftragte der Bundesregierung den Alkoholkonsum in Deutschland als äußerst kritisch, da die Deutschen mit durchschnittlich zehn Liter reinen Alkohols pro Kopf jährlich an vorderster Stelle im internationalen Vergleich stehen. Rund 1,3 Millionen Menschen sind hierzulande abhängig vom Alkohol, berichtete die Drogenbeauftragte Mechthild Dyckmans.

Cannabis- und Tabakkonsum gehen deutlich zurück
Der Tabak- und Cannabiskonsum unter den Jugendlichen hat indes laut Aussage des Drogen- und Suchtberichts 2011 eine weit erfreulichere Entwicklung genommen als der Alkoholkonsum. Denn hier werden die positiven Zahlen nicht durch erhöhte Krankenhauseinlieferungen oder ähnliches getrübt. So ist der Anteil der Jugendlichen Raucher im Alter zwischen zehn und 20 Jahren von 23 Prozent im Jahr 2001 auf 13 Prozent im Jahr 2010 zurückgegangen. Parallel sank der Anteil der Cannabiskonsumenten (Jugendliche, die in den letzten zwölf Monaten Cannabis konsumierten) den Angaben des Drogen- und Suchtberichts zufolge von 10 Prozent im Jahr 2004 auf fünf Prozent im vergangenen Jahr. Der Aussage der Drogenbeauftragten Mechthild Dyckmans zufolge ist dabei der Rückgang im Bereich des Cannabiskonsums zumindest teilweise durch die höhere Zahl der Nichtraucher unter den Jugendlichen bedingt. Denn wer keine Zigaretten raucht, der fängt laut Einschätzung der Expertin auch seltener mit dem Kiffen an. So habe der wachsende Anteil der Nichtraucher positive Effekte auf den Cannabiskonsum. 68 Prozent der minderjährigen Jugendlichen gaben dem Drogen- und Suchtbericht 2011 zufolge im vergangenen Jahr an, noch nie in ihrem Leben geraucht zu haben, wohingegen der Anteil der Nichtraucher im Jahr 2001 noch bei lediglich 41 Prozent lag.

Offene Fragen im Drogen-und Suchtbericht 2011
Trotz der erfreulichen Zahlen zu dem Alkohol, Cannabis- und Tabakkonsum der Jugendlichen in Deutschland, sieht die Drogenbeauftragte der Bundesregierung keinen Grund zur Entwarnung. Weiterhin sollte das „Ziel sein, noch mehr Jugendliche davon zu überzeugen, dass Suchtmittel und Drogen keine Freizeitbeschäftigung und keine Problemlöser sind“, betonte Dyckmans. Vor allem die Entwicklung im Bereich des Alkoholkonsums müsse, aufgrund der verstärkten Tendenzen in Richtung Komasaufen, weiterhin genau beobachtet werden. Außerdem geht aus dem Drogen- und Suchtbericht nicht hervor, ob die Jugendlichen möglicherweise die bekannten Suchtmittel durch neuere, teilweise freiverkäufliche Substanzen ersetzten und sich so anderen, keineswegs unerheblicheren Gesundheitsrisiken aussetzen. Darüber hinaus wird in dem aktuellen Drogen- und Suchtbericht nur wenig zu den möglichen Ursachen des problematischen Konsumverhaltens der Jugendlichen gesagt. Warum sich die Heranwachsenden, wenn sie Alkohol trinken, gleich bis zur Besinnungslosigkeit volllaufen lassen, kommt nicht zur Sprache. Dabei vermuten Experten bereits seit längerem, dass ein Zusammenhang zwischen der individuellen Belastung und dem Hang zum übermäßigen Alkoholkonsum besteht. Stress in der Schule, mit den Eltern, Freunden oder Freundin werden hier als wesentlichen Einflussgrößen genannt. (fp)