Mineralöl-Funde im Adventskalender – Foodwatch kritisiert und Behörden verharmlosen

Fabian Peters
Bekanntgabe belasteter Adventskalender gefordert
Nach dem Nachweis sogenannter aromatischer Mineralöle (MOAH) in Adventskalendern fordert die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) auf, die Liste der betroffenen Produkte zu veröffentlichen. „Die Behörden in Bayern haben in der Schokolade mehrerer Adventskalender riskante Mineralölrückstände gefunden – jedoch keine Maßnahmen zum Schutz der Konsumentinnen und Konsumenten ergriffen“, bemängelt Foodwatch.

Laut Foodwatch hatte die LGL im November elf Adventskalender analysiert und in fünf Schokoladen MOAH nachgewiesen. Allerdings wurde „weder der Verkauf der belasteten Produkte gestoppt noch eine öffentliche Warnung“ ausgesprochen, kritisieren die Verbraucherschützer. Mit ihrer „Geheimhaltungspolitik“ trage die Behörden nicht zum Gesundheitsschutz bei – sondern verhindere ihn. Foodwatch hat daher eine E-Mail-Aktion gestartet, mit der die bayerische Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf zur Veröffentlichung der Namen belasteter Produkte bewegt werden soll – „bevor auch die letzte Schokolade aus den Adventskalendern verzehrt ist.“

Angesichts des Nachweises von Mineralölen in Adventskalenderschokolade fordert Foodwatch eine Bekanntgabe der belasteten Produkte. (Bild: lagom/fotolia.com)
Angesichts des Nachweises von Mineralölen in Adventskalenderschokolade fordert Foodwatch eine Bekanntgabe der belasteten Produkte. (Bild: lagom/fotolia.com)

Falsche Signal an die Hersteller
Die LGL selbst hat die nachgewiesen MOAH laut Foodwatch als „besonders bedenklich“ bezeichnet, „da hier potentiell krebserregende Substanzen enthalten sein können“ und die europäische Lebensmittelbehörde EFSA bezeichne MOAH als potenziell erbgutverändernd, doch eine Veranlassung zu weiteren Schritten war der Nachweis in Adventskalendern offensichtlich nicht. Nach Auffassung der Verbraucherschutzorganisation „eine echte Posse, lautet doch das Signal aus Bayern an die Hersteller: Selbst wenn in einem Produkt riskante Substanzen nachgewiesen wurden, hat dies keine Konsequenzen.“ Weder das Staatsministerium für Umwelt und Verbraucherschutz noch das Bayerische Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit seien auf Nachfrage von Foodwatch dazu breit gewesen, Angaben zu den betroffenen Produkten und den nachgewiesenen Rückstandsmengen zu machen.

Verharmlosung der Risiken
Für die bayrischen Behörden waren die nachgewiesenen MOAH laut Foodwatch kein Anlass zur Besorgnis, wegen der angeblich „geringen Konzentrationen“ der nachgewiesenen Rückstände im Vergleich zur Belastung von Bürgerinnen und Bürgern mit aromatischen Mineralölen aus anderen Quellen. Daher sei keine entsprechende Warnung vor dem Verzehr der Adventskalenderschokolade erfolgt. Gemäß der Risikobewertung für MOAH gebe es jedoch keine unbedenklichen Schwellenwerte. „Ein Risiko besteht, sobald die Substanzen in Lebensmitteln nachgewiesen wurden“, betont Foodwatch. Die Einschätzung des LGL sei mit Blick auf die wissenschaftlichen Risikobewertungen haltlos. Hier werde eine grobe Verharmlosung der Risiken betrieben.

Recht auch Information
Zwar hat das LGL über die Untersuchung der Adventskalenderschokolade auf seiner Internetseite berichtet, doch wurden die Messdaten und Produktnamen belasteter Kalender nicht bekanntgegeben. Die Öffentlichkeit habe allerdings „nach dem Verbraucherinformationsgesetz (VIG) ohnehin einen Anspruch auf Nennung der belasteten Produkte“, so Foodwatch. Dies sei durch die Rechtsprechung geklärt. Behördlich erhobene Messdaten seien demnach keine Betriebsgeheimnisse und im Falle eines Antrags nach dem VIG herauszugeben. Eine solche Behördenauskunft nach dem Verbraucherinformationsgesetz dauere jedoch „formal mindestens zwei Monate.“ So würden die belasteten Adventskalender erst weit nach Ende der Adventszeit bekannt gegeben, weshalb Foodwatch nach eigenen Angaben auf einen solchen förmlichen Antrag bewusst verzichtet hat und eine formlose Anfrage an das Ministerium sowie das LGL richtete.

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Bekanntgabe der Produktnamen gefordert
Foodwatch zeigte sich über das Vorgehen der Behörden empört. Diese müssten bei Feststellung eines Gesundheitsrisikos alles tun, um einen Verzehr der Produkte zu vermeiden. Das gelte „gerade bei der Schokolade von Adventskalendern, die in diesen Tagen von zahlreichen Kindern verzehrt wird.“ Verbraucherinnen und Verbraucher sollten sich daher in der Email-Aktion direkt an die bayerische Verbraucherschutzministerin Ulrike Scharf wenden und Sie zur Bekanntgabe der belasteten Adventskalender auffordern, so der Appell von Foodwatch. (fp)