Minimale Elektroschocks können Schmerzen bei Migräne deutlich abmildern

Alexander Stindt
Smartphone-gesteuertes Gerät könnte Migräne-Patienten Schmerzlinderung bringen
Etwa zehn Prozent der Bevölkerung haben Migräne. Bei Migräne leiden Betroffene unter einem periodisch wiederkehrenden, starken Kopfschmerz, der häufig von Übelkeit und Erbrechen begleitet wird. Forscher fanden heraus, dass auftretende Schmerzen einfach durch leichte Elektroschocks reduziert werden könnten.

Wissenschaftler der Rambam Healthcare Campus and Technion Faculty of Medicine in Haifa stellten bei einer Untersuchung fest, dass durch ein Smartphone-gesteuertes Gerät leichte Elektroschocks an Menschen mit Migräne ausgeteilt werden können, welche dann die Schmerzen von Migräne reduzieren können. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Neurology“.

Viele Menschen in Deutschland leiden unter Migräne. Frauen sind dabei besonders oft betroffen. Forscher testeten jetzt ein Gerät, welches durch leichte Elektroschocks die Schmerzen bei einem Migräneanfall reduzieren kann. (Bild: Alliance/fotolia.com)

Gerät stimuliert die Nerven unter der Haut im Arm
Das experimentelle Gerät besteht aus einem Patch mit einer Batterie, Elektroden und einem Computer-Chip. Dieser ist in der Lage, drahtlos mit mobilen Geräten zu kommunizieren. Das Gerät wurde dazu entworfen, um Nerven unter der Haut im Arm zu stimulieren und Schmerzsignale vom Erreichen des Gehirns abzuhalten, erklären die Forscher.

Neue Behandlung ist bequemer und diskreter
„Alle bisherigen Stimulationsbehandlungen bezogen sich auf den Kopf“, sagt Autor Dr. David Yarnitsky. „Wir haben jetzt an der Stimulation von einem weiter entfernten Körperteil gearbeitet, was die Behandlung bequemer und diskreter macht“, fügt der Experte hinzu.

Probanden waren überwiegend weiblich
Die aktuelle Studie umfasste 71 Personen mit episodischer Migräne. Diese erlitten ungefähr zwei bis acht Migräneanfälle im Monat. Die Betroffenen nahmen vor der Untersuchung mindestens zwei Monate keine Medikamente, um die Episoden von Migräne zu verhindern, erläutern die Experten. Die typischen Probanden waren Mitte bis Ende 40 Jahre alt und hatten etwa fünf Migräneanfälle pro Monat, die Mehrheit von ihnen war weiblich. Während des Studienzeitraums litten Betroffene unter insgesamt 299 Migräneanfällen.

Gerät wurde nach einem Migräneanfall für einen Zeitraum von 20 Minuten verwendet
Die Teilnehmer sollten das Gerät im Rahmen der Studie direkt nach dem Beginn von Migräne für einen Zeitraum von 20 Minuten nutzen. Außerdem wurde ihnen untersagt, dass sie zwei Stunden nach einem Anfall Medikamente gegen Migräne einnehmen, erläutern die Mediziner.

Wie verlief die elektrische Stimulation bei der Studie?
Für das Experiment programmierten die Forscher die Geräte so, dass sie entweder eine Placebo-Stimulation mit einer sehr niedrigen Frequenz abgaben oder eine von vier Ebenen der aktiven elektrischen Stimulationsbehandlung lieferten. Die vier aktiven Behandlungsprogramme wurden mit einer Pulsfrequenz von 80 bis 120 Hertz (Hz) und Pulsbreiten von 200, 150, 100 und 50 eingestellt.

Ergebnisse bei einer niedrigeren Pulsbreite
Bei einer Verwendung der niedrigsten Pulsbreite gab es laut Aussage der Forscher bei 64 Prozent der Menschen in den aktiven Behandlungsgruppen zwei Stunden nach der Behandlung mindestens eine Schmerzreduktion um 50 Prozent, verglichen mit 26 Prozent der Menschen in der Placebo-Gruppe.

Ergebnisse bei höchster Stufe der Stimulation
Auf der höchsten Stufe der Stimulation berichteten 58 Prozent der Teilnehmer, welche mit mäßigen bis schweren Schmerzen begannen, dass sie nach der Behandlung wenig oder gar keine Schmerzen mehr hatten. Dieser Effekt entstand auch bei 24 Prozent der Probanden in der Placebo-Gruppe. Es stellte sich außerdem heraus, dass der Zeitpunkt der Behandlung einen wichtigen Einfluss hatte, fügen die Experten hinzu.

Gerät sollte umgehend nach Migräneanfall eingesetzt werden
Wenn Menschen das Gerät innerhalb von 20 Minuten nach Beginn von Migräne nutzten, gab es eine durchschnittliche Schmerzreduktion von 47 Prozent, im Vergleich zu 25 Prozent, wenn das Gerät erst später eingesetzt wurde. Die Technologie, die als transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) bekannt ist, wurde bereits seit Jahrzehnten in anderen Geräten gegen Migräne-Schmerzen getestet.

Weitere Forschung ist nötig
Weitere größere Studien müssen jetzt zeigen, dass das Gerät eine Alternative für Menschen mit einer Intoleranz für Migräne-Medikamente ist. Es muss auch festgestellt werden, ob es eine Option ist, wenn Patienten das Gerät zusätzlich zu Medikamenten verwenden, um so genügend Schmerzlinderung zu erfahren. (as)