Missbrauchsambulanz: Viele jünger als 18 Jahre

Alfred Domke

Hälfte der Patienten in Missbrauchsambulanz jünger als 18 Jahre

27.10.2013

In der Missbrauchsambulanz am Krankenhaus Dornbirn in Österreich wurden im letzten Jahr 68 Opfer untersucht. Die Hälfte von ihnen war jünger als 18 Jahre.

Gewalt an Kindern und Jugendlichen
In Österreich sorgten in der vergangenen Woche zwei Prozesse wegen Kindesmissbrauch für Aufsehen, bei denen auch Frauen als Täterinnen vor Gericht standen. Das Krankenhaus Dornbirn im österreichischen Vorarlberg veranstaltete passend dazu ein Fortbildungsseminar für Ärzte zum Thema „Gewalt an Kindern und Jugendlichen“. Die Missbrauchsambulanz in Dornbirn betreute allein im Jahr 2012 insgesamt 68 Opfer von sexuellen Übergriffen. Dabei war jede zweite Patientin jünger als 18 Jahre.

Zahl hat sich verfünffacht
Seit 2002 besteht die Missbrauchsambulanz des Krankenhauses Dornbirn. „Die Missbrauchsambulanz wie wir sie haben, ist einzigartig in Österreich“, so die Leiterin Karin Frischeis-Bischofberger. Im ersten Jahr verzeichnete die Ambulanz, die auf Initiative des Landes Vorarlberg eingerichtet wurde, zwölf Patientinnen. Die Zahl habe sich somit mittlerweile verfünffacht. In der Einrichtung betreuen und untersuchen ausschließlich geschulte weibliche Mitarbeiterinnen und forensisch geschulte Ärztinnen die betroffenen Kinder, Jugendlichen und Frauen. Für die Ambulanz sind insgesamt 16 Personen neben ihren eigentlichen Aufgaben tätig.

Dunkelziffer liegt höher
Laut Frischeis-Bischofberger sei die Tendenz der Patientenzahl steigend und die Dunkelziffer läge weit höher. Sie erklärte außerdem, dass bei Kindern und Jugendlichen auch die Kinderschutzgruppe des Krankenhauses eingeschaltet werde, welche für Kinder zuständig ist, die Opfer von sexuellem Missbrauch wurden und die, die unter Gewalt oder Vernachlässigung zu leiden haben. „Wenn wir den Verdacht auf einen sexuellen Missbrauch haben, tun wir uns mit der gynäkologischen Abteilung zusammen“, so die Kinderärztin Reyhan Tschiderer, Leiterin der Kinderschutzgruppe. Die Gruppe betreut jedes Jahr an die 50 Kinder, davon allein 30 aufgrund von sexuellen Übergriffen.

Geschehnisse besprechen und dokumentieren
Wie die Ambulanz-Leiterin Frischeis-Bischofberger erläuterte, würden die Opfer stationär aufgenommen, um so alles in Ruhe klären zu können. Die Untersuchung der über 18-Jährigen könne ambulant erfolgen. Zuerst würden die Geschehnisse besprochen und lückenlos dokumentiert und anschließend folge eine Ganzkörperuntersuchung. In einer gerichtsverwertbaren Dokumentation werden dann die Befunde gesammelt. (ad)

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Bild: momosu / pixelio.de