Mit der Techniker Krankenkasse Ärzte bewerten

Sebastian

Die Techniker Krankenkasse stiegt beim Arztnavigator Projekt von AOK und Barmer GEK ein

06.09.2011

Der Arztnavigator von Barmer GEK, AOK und Weißen Liste erfreut sich einer wachsenden Begeisterung bei den Versicherten. Um das Angebot zu komplementieren nimmt nun auch die Techniker Krankenkasse (TK) an dem Projekt teil. Ab Jahresbeginn 2012 können auch TK-Versicherte ihre Ärzte aktiv bewerten.

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Künftig können sich Versicherte der gesetzlichen Techniker Krankenkasse an der Bewertung von Arztpraxen und niedergelassenen Medizinern beteiligen. Ab Januar 2012 steigt die Kasse in das Projekt „Arztnavigator“ mit ein. Demnach können ab diesem Zeitpunkt rund 38 Millionen Patienten ihre behandelnden Ärzte aktiv bewerten und zur Verbesserung der Ärztelandschaft beitragen. Damit steht das Angebot etwa 50 Prozent aller Kassenpatienten in Deutschland offen. Die AOK begrüßte die Teilnahme der Techniker Kasse. Der künftige AOK Vorstandsvorsitzende Jürgen Graalmann sagte in Berlin: "Wir freuen uns, dass unser Arztnavigator durch die Beteiligung einer weiteren großen Kasse auf ein noch breitere Basis gestellt wird". Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann Stiftung ergänzte, der Erfolg des Projektes hängt im entscheidenden Maße von der Beteiligung der Versicherten ab.

Online-Arztnavigator: Bewerten und informieren
Mittels Online-Navigator können Patienten sich umfassend über Arztpraxen und Ärzte informieren. Zuvor müssen sich die Teilnehmer mit ihrer Kassennummer auf dem Portal registrieren. Die Bewertungen finden trotzdem anonymisiert statt, da der Name des Patienten nicht auf der Bewertungsplattform erscheint. Versicherte sollen bei der Suche nach einem Arzt ein „objektives Hilfsmittel an die Hand“ bekommen. Der Arztnavigator wird von der Bertelsmann-Stiftung, der Bundesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe, der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen, dem Forum chronisch kranker und behinderter Menschen im Paritätischen Gesamtverband, dem Sozialverband VdK und dem Bundesverband der Verbraucherzentrale betreut. Ziel des Projektes ist, den Nutzern „eine Arztsuche mit neuer Qualität“ zur Verfügung zu stellen. Nach Meinung der Barmer GEK wurde mit dem Arztsuche-Portal ein neuer Standard im Internet geschaffen.

Damit Ärzte nicht von ungerechtfertigten Bewertungen betroffen sind, werden Veröffentlichungen erst dann freigeschaltet, wenn der User eine gewisse Mindestanzahl von Beiträgen geschrieben hat, wie Dr. Jens Baas, Mitglied des TK-Vorstand betonte. Mit dieser Maßnahme wolle man auch das Vertrauen der Ärzte stärken. Noch im Mai hatten Ärztevertreter vor möglichen Falschbewertungen gewarnt und verhaltene Kritik geäußert. Mittlerweile sind die Ängste verhallt. So äußerte der Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung, Carl-Heinz Müller, "Der Fragebogen ist nach hohen wissenschaftlichen Standards entwickelt worden.“ Die Fragebögen können dabei helfen, die Qualitätssicherung zu unterstützen.

Seit dem Start im Mai 2011 konnten nach Angaben der Initiatoren rund drei Millionen Besucher registriert werden. Ein großer Anteil verwende bereits aktiv das Portal zur Arztsuche und Bewertung. Etwa 80.000 Bewertungsbögen wurden seitdem von den Versicherten ausgefüllt. Auf der Plattform lassen sich rund 130.000 ambulante Allgemeinmediziner und Fachärzte finden.

Das Gemeinschaftsportal ist intern noch einmal aufgeteilt. Bei der AOK heißt der Onlinenavigator "AOK-Arztnavigator" und bei der Barmer GEK "BARMER GEK Arztnavi". Perspektivisch soll die Suche auch auf Psychotherapeuten ausgedehnt werden, da psychische Krankheiten in der heutigen Gesellschaft einen immer höheren Stellenwert einnehmen. "Bereits heute gibt es spezielle Fragen zu Pädiatern, die automatisch eingespielt werden, wenn der Nutzer einen Kinderarzt zur Bewertung auswählt", erklärte der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der Barmer GEK, Rolf Schlenker. Nicht ausgeschlossen ist, dass sich noch weitere Krankenkassen an dem Projekt beteiligen werden.

Lange Wartezeiten und wenig Informationen: Viele Patienten sind unzufrieden
Das Bewertungsportal ist bitter nötig, wie unlängst eine Studie des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (WidO) ergab. Bei einer Umfrage sagte von jeder vierte Teilnehmer, der behandelnde Arzt sei „der tatsächlichen Ursache des Gesundheitsproblem nicht umfassend nachgekommen“. 22 Prozent gaben an, nicht ausreichend durch den Arzt informiert worden zu sein. Jeder zehnte sagte sogar, dass einige verordnete Behandlungen und Diagnostika „unnötig“ waren. An der Umfrage nahmen 3000 Menschen teil. (sb)