Mit krebserregenden Schadstoffen: Warnung vor Kamillentee

Alfred Domke
Extrem mit Schadstoffen belastet: Stiftung Warentest warnt vor Kamillentee
Experten appellieren schon seit Jahren an die Anbieter von Kräutertees, bei Anbau und Ernte von Pflanzen für die Teeherstellung mehr Sorgfalt walten zu lassen. Doch immer wieder wird auf Schadstoffe in Tees aufmerksam gemacht. Aktuell warnt die Stiftung Warentest vor einem Kamillentee, der mit krebserregenden Substanzen belastet ist.

Kräutertees mit Schadstoffen belastet
Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) appelliert bereits seit einigen Jahren an die Anbieter von Kräutertees, bei Anbau und Ernte von Pflanzen für die Kräutertee- und Teeherstellung Sorgfalt walten zu lassen. Trotzdem gibt es immer wieder Schlagzeilen wie: Viele Kräuter- und Pfefferminztees enthalten Pflanzengifte, Krebserregendes Pflanzengift im Bio-Babytee gefunden, oder: Schwarzer Tee oft mit Schadstoffen belastet. Ganz aktuell warnt nun die Stiftung Warentest vor Kamillentee der französischen Marke Kusmi Tea. Darin wurden „äußerst hohe Schadstoffgehalte festgestellt“.

Die Stiftung Warentest warnt vor einem Kamillentee, der mit krebserregenden Schadstoffen belastet ist. Es handelt sich um Teebeutel der Marke Kusmi Tea. (Bild: amenic181/fotolia.com)

Krebserregende Pyrrolizdinalkaloide in Kamillentee
Wie die Verbraucherschützer auf ihrer Webseite berichten, sind die Experten mitten in der Prüfphase für einen Test von Kräutertees auf einen Kamillentee gestoßen, der extrem mit Pyrrolizdinalkaloiden (PA) belastet ist.

Den Angaben zufolge ist der nachgewiesene Gehalt von insgesamt 73,2 Milligramm pro Kilogramm Tee gesundheitlich so bedenklich, dass die Tester schon jetzt – zwei Monate vor Veröffentlichung des Tests – vor dem Genuss dieses Tees warnen.

Erbgutverändernde und krebsauslösende Wirkung
„PA sind sekundäre Inhaltsstoffe, die von Pflanzen gebildet werden, um Fraßfeinde abzuwehren. In Lebensmitteln sind sie unerwünscht, da sie die Leber schädigen und im Tierversuch erbgutverändernde und krebsauslösende Wirkungen zeigten“, schreibt das BfR in einer Stellungnahme.

„Mit PA verunreinigte Kräutertees, einschließlich Rooibostee, sowie schwarzer und grüner Tee und Honig sind die Hauptquellen, über die Verbraucherinnen und Verbraucher PA aufnehmen können. Die in diesen Lebensmitteln enthaltenen PA-Mengen können sowohl für Kinder als auch für Erwachsene bei längerer (chronischer) Aufnahme gesundheitlich bedenklich sein“, heißt es dort weiter.

„Ein akutes Gesundheitsrisiko besteht hier jedoch nicht.“ Einen gesetzlichen Höchstgehalt für Pyrrolizidinalkoloide in Lebensmitteln gibt es bislang noch nicht.

Betroffener Tee sollte nicht getrunken werden
Die Tester fanden die krebserregenden Schadstoffe in Teebeuteln der Marke „Kusmi Tea Camomille“ mit dem Mindesthaltbarkeitsdatum 10/2019. Die Chargennummer der Kartonverpackung lautet: LOT 161031, die Chargennummer der Teebeutel: LOT: KUS163121.

Die Tester warnen davor, den Tee dieser Charge zu trinken. Die Teebeutel waren auf 28 verschiedene Pyrrolizidinalkaloide untersucht worden. Es zeigte sich, dass der Inhalt eines einzigen Teebeutels 161 Mikrogramm an PA enthielt. Das ist das 380-Fache der langfristig wenig bedenklichen Tageszufuhr für einen Erwachsenen.

Gefundene Menge laut Vertreiber unbedenklich
Die Stiftung Warentest hat die Analyseergebnisse dem Vertreiber des Tees auf dem deutschen Markt zugesandt, der Firma Orientis im baden-württembergischen Kehl. Das Unternehmen hat darauf reagiert und beruft sich allgemein auf die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA).

Demnach „könnten Nebenwirkungen bei einem 60 kg schweren Menschen erst dann auftreten, wenn der Verzehr von Alkaloiden höher als 120 mg pro Tag liegt. Die Untersuchungsergebnisse der Stiftung Warentest, sollten sie bestätigt werden, würden daher bedeuten, dass ein Verbraucher mehr als 1,6 Kilogramm Kamillentee, etwa 730 Tassen, verzehren müsste, damit eine Nebenwirkung eventuell auftreten könnte.“

Die Verbraucherschützer können diese Argumentation nach eigenen Angaben nicht nachvollziehen. Sie stützen sich bei ihrer Warnung auf wissenschaftliche Empfehlungen. Die betroffene Charge dürfte demnach eigentlich gar nicht verkauft werden. (ad)