Mit Nasenspray gegen Übergewicht?

Fabian Peters

Mit Nasenspray gegen Übergewicht? Hormonhaltige Nasensprays im Einsatz gegen Fettleibigkeit

02.05.2011

Derzeit wird der Einsatz von Nasenspray zur Bekämpfung von Übergewicht und Fettleibigkeit (Adipositas) erforscht, berichten Mediziner auf dem 117. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin.

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Die hormonhaltigen Nasensprays könnten künftig möglicherweise die Behandlung von Fettleibigkeit deutlich vereinfachen, so die Hoffnung der Experten auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin. Allerdings habe bisher nur bei männlichen Studienteilnehmern eine deutliche Gewichtsreduzierung festgestellt werden können, Frauen nahmen bei Verwendung der Nasensprays eher zu.

Geschlechtsspezifische Unterschiede bei der Nahrungsverwertung?
Zwar bleibe die Behandlung von Fettleibigkeit mit einem einfachen Nasenspray, weiterhin eher Wunschvorstellung als greifbare Realität, doch insgesamt setze die Wissenschaft bei der Bekämpfung von Adipositas große Hoffnung in die Hormonforschung, betonte der Lübecker Mediziner Sebastian Schmid auf dem Ärztekongress in Wiesbaden. Dabei könnten angesichts der aktuellen Untersuchungen künftig auch die geschlechtsspezifischen Unterschiede der Nahrungsverwertung eine wesentliche Rolle spielen. Denn bei den Studien mit hormonhaltigen Nasensprays hätten sich deutliche Unterschiede zwischen den männlichen und weiblichen Studienteilnehmern ergeben. So haben die Männern nach einer mehrwöchigen Behandlung mit Insulin enthaltenden Nasensprays deutlich abgenommen, während weibliche Versuchsteilnehmer eher zunahmen, erklärte Schmid. Dies lege den Schluss nahe, dass die Gehirnareale, welche die Nahrungszufuhr und den Energieverbrauch regulieren, abhängig vom Geschlecht unterschiedlich auf Insulin reagieren, erläuterte der Fachmann. Allerdings können die Forscher bisher nicht erklären, wieso Männer und Frauen so unterschiedliche Reaktionen auf das hormonhaltige Nasenspray zeigen. Doch bieten sich Schmid zufolge auf Basis der vorliegenden Ergebnisse zahlreiche neue Forschungsansätze zu möglichen Wechselwirkungen zwischen Hormonen, Gehirn und Essverhalten an.

Vorsicht bei Hormonbehandlungen geboten
Der Lübecker Mediziner geht auch angesichts der aktuellen Nasenspray-Studien davon aus, dass Hormone künftig einen wesentlichen Beitrag im Kampf gegen die Volkskrankheit Übergewicht leisten könnten. Allerdings sei in naher Zukunft nicht mit umfassenden Forschungsergebnissen zu rechnen, erklärte Schmid. Der Mediziner zerstreute auch die Hoffnung, dass ein einfaches Nasenspray ausreichen könnte, Fettleibigkeit oder Übergewicht zu beheben. Die Vielzahl von Faktoren, welche das Körpergewicht bedingen, lasse sich nicht auf so einfachem Wege beeinflussen, erläuterte der Fachmann. Insgesamt prophezeite Schmid den Hormontherapien jedoch gut Erfolgsaussichten für die Zukunft.

Kritiker bemängeln übermäßigen Eingriff in den Hormonhaushalt
Doch bestehen gegenüber den Hormonbehandlungen auch in der Fachwelt teilweise erhebliche Vorbehalte. Kritiker warnen vor möglichen Nebenwirkungen und verurteilen den übermäßigen Eingriff in den körpereigenen Hormonhaushalt. Dabei bestätigten in der Vergangenheit zum Beispiel Studien des Deutschen Krebsforschungszentrums (DKFZ) die kritische Position verschiedener Experten gegenüber den Hormonersatztherapien bei Frauen in den Wechseljahren. Das DKFZ konnte eindeutig belegen, dass 19,4 Prozent der über 3.000 untersuchten Brustkrebsfälle nach den Wechseljahren auf die Verabreichung von Hormonpräparaten zurückzuführen waren. So ist nach Einschätzung kritischer Mediziner bei der Verwendung von Hormonen besondere Vorsicht geboten und wenn sich andere Möglichkeiten zur Bekämpfung der Fettleibigkeit anbieten, sollten diese genutzt werden. (fp)

Bild: Andreas Morlok /Pixelio