Mithilfe von Killerzellen schlafende Viren eliminieren – Wird Herpes heilbar?

Volker Blasek

Forscher entwickeln Killerzellen, die Herpes-Viren abtöten

Herpes Viren sind beim Menschen weit verbreitet. Wenn man von Herpes spricht, ist in erster Linie der Virus Herpes-Simplex gemeint. In Deutschland tragen circa 85 bis 90 Prozent der Bevölkerung diesen Virus in sich, allerdings kommt er nur bei 20 bis 40 Prozent durch Symptome zum Vorschein. Ein Forscherteam des Helmholtz Zentrums München hat nun ein verwandtes Virus genauer unter die Lupe genommen, das Herpesvirus 6 (HHV-6). Den Wissenschaftler ist es gelungen, die Bestandteile der Viren zu identifizieren und sie wissen nun, an welchen Stellen sogenannte Killer-T-Zellen angreifen können, um das Virus auszuschalten.


Auch das Herpesvirus 6 ist beim Menschen weit verbreitet. Viele Träger wissen gar nicht, dass sie infiziert sind. Bei Menschen mit einem schwachen Immunsystem kann es aber zu Krankheiten führen. Ein Forscherteam am Helmholtz Zentrum München und dem Deutschen Zentrum für Infektionsforschung (DZIF) hat einen möglichen Ansatz für neue Therapien entwickelt, um Herpes-Viren zu bekämpfen. Die Ergebnisse ihrer Arbeit wurden kürzlich in dem Fachjournal „PLOS Pathogens“ publiziert.

Herpes-Viren verbleiben ein Leben lang im Körper und können im geschwächten Zustand wieder ausbrechen. Forschern gelang es, Killerzellen herzustellen, die Herpes-Viren abtöten. (Bild: Spectral-Design/fotolia.com)

Über das Herpesvirus 6

In den meisten Fällen infizieren sich Menschen mit dem humanen Herpesvirus 6, kurz HHV-6, bereits in der frühen Kindheit. Dieser Virus ähnelt dem Herpes-Simplex-Virus, welches den lästigen Lippenherpes verursacht. HHV-6 zeigt allerdings andere Auswirkungen. Eine Infektion mit HHV-6 kann im Säuglings- oder frühen Kleinkindalter die Infektionskrankheit Dreitagefieber auslösen. Anschließend verbleibt das Virus lebenslang im Körper.

Welche Krankheiten kann HHV-6 auslösen?

Bei gesunden Menschen verursacht das Virus keine Symptome. Es wird jedoch vermutet, dass HHV-6 zur Entstehung von Autoimmunerkrankungen und des chronischen Erschöpfungssyndroms beitragen kann. Fakt ist, dass Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem, beispielsweise nach schweren Operationen, Schwierigkeiten haben, das Virus zu kontrollieren. Schwere Schädigungen verschiedener Organe können die mögliche Konsequenz sein.

Der Werkzeugkasten des Immunsystems hilft

Wissenschaftler am Helmholtz Zentrum München beschäftigen sich eingehend mit dem Virus und wie ein gesundes Immunsystem HHV-6 in Schach hält. „Wir studieren den Werkzeugkasten des Immunsystems“, erläutert Dr. Andreas Moosmann in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Er leitet in der Abteilung Genvektoren eine DZIF-Forschungsgruppe. „Und wir haben ein paar interessante neue Werkzeuge entdeckt, die wir bereits nachbauen konnten“, so Moosmann.

Killer-T-Zellen aus dem Werkzeugkasten

Konkret untersuchten die Wissenschaftler, welche Strukturen des Virus die Killer-T-Zellen bevorzugt angreifen. Die T-Zellen gehören zur natürlichen zellulären Immunabwehr. Wenn im Organismus Bestandteile von Erregern (Antigene) erkannt werden, sendet der Körper diese T-Zellen zur Abwehr aus, um körperfremde Stoffe zu bekämpfen. Ein wichtiger Typ von T-Zellen sind die Effektor-Zellen (CD8+ T-Zellen), die infizierte oder veränderte Zellen im Körper abtöten. Ist die Infektion besiegt, können sich diese Effektor-Zellen zu sogenannten Memory-Zellen entwickeln, die dem Immunsystem als eine Art Gedächtnis dienen.

Schwachstellen der Viren entlarvt

Das Forscherteam entdeckt 16 Strukturen des Virus, an denen Killerzellen andocken und angreifen können. In aufwendigen Analysen reduzierten die Wissenschaftler 300 mögliche Angriffsstellen auf einen Kreis von 20. Gegen diese Stellen gelang es den Forschern Killer-T-Zellen herzustellen, von denen 16 tatsächlich ihr Ziel binden und die infizierte Zelle zerstören konnten. „Es können offenbar sehr unterschiedliche Virusproteine als Zielstruktur für das Immunsystem dienen“, erklärt Moosmann.

Nachahmung der natürlichen Prozesse

„Wir beobachten bei gesunden Personen regelmäßig T-Zellen gegen diese Strukturen“, so der Mediziner. Nach schweren Operationen wie Transplantationen könnten solche Killerzellen das Virus in Schach halten. Derzeit werde dies bei einer größeren Zahl von Patienten überprüft.

Mit Killer-T-Zellen einen Ausbruch verhindern

Langfristig wollen Andreas Moosmann und sein Team diese Erkenntnisse für neue Behandlungen nutzbar machen. „Ein Ausbruch des Virus könnte möglicherweise verhindert werden, indem man Patienten HHV-6-spezifische Killer T-Zellen verabreicht“, resümiert der Experte. Allerdings liege noch ein gutes Stück Arbeit vor den Forscherinnen und Forschern. Bis dahin müssen wohl noch die klassischen Hausmittel gegen Herpes helfen. (vb)