Modediagnose Burnout-Syndrom

Astrid Goldmayer

Burnout-Diagnose als Modeerscheinung?

05.03.2012

Der Begriff „Burnout-Syndrom“ sei inzwischen zu einer Modediagnose geworden, kritisiert Psychologe Gregor Peikert. Häufig würden dahinter andere psychische Erkrankungen stecken. Während noch vor wenigen Jahren Rückenschmerzen der häufigste Grund für Ausfälle am Arbeitsplatz waren, ist es heute das Burnout-Syndrom. Laut dem Prüfkonzern Dekra kostet dies die Wirtschaft jährlich etwa 43 Milliarden Euro.
Hinter Burnout-Syndrom stecken häufig Depressionen
„So wie der Begriff Burnout derzeit gebraucht wird, ist er ein regelrechter Modebegriff geworden“, berichtet Gregor Peikert , Psychotherapeut vom Universitätsklinikum Jena gegenüber der Deutschen Presseagentur (dpa). „Burnout ist aber keine eigenständige Krankheit.“ Häufig litten Betroffene vielmehr an einer Depression oder einer Vorstufe. Angst- und Suchterkrankungen könnten ebenfalls dahinter stecken. Der Psychotherapeut erklärt, dass der Begriff „Burnout“ aus dem Bereich der Arbeitspsychologie stamme und darunter die Folgen einer übermäßigen Belastung durch den Job zu verstehen seien. „Eigentlich überaus engagierte Menschen, oft in Helferberufen wie Lehrer oder Ärzte, fühlen sich ausgebrannt, desinteressiert, auch zynisch ihrem Beruf gegenüber“, erklärt Peikert. Leider werde die Diagnose „Burnout“ jedoch heutzutage sehr ungenau für verschiedenste Symptome verwendet.

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Zu diesen Symptome gehörten Erschöpfung, Müdigkeit, Schlaflosigkeit sowie ein starkes Verlangen nach Rückzug. Diese könnten jedoch ebenfalls Anzeichen für eine Depression sein. Peikert weist darauf hin, dass Ärzte deshalb unbedingt differenzierte Diagnosen stellen müssten. „Zumal die meisten Patienten bei solchen Symptomen nach wie vor eher von körperlichen Erkrankungen ausgehen.“

Der Psychotherapeut begrüßt es andererseits auch, dass das Thema „Burnout“ öffentlich diskutiert wird. Dadurch nehme die Sensibilität für psychische Erkrankungen und davon Betroffene zu. „Es ist noch gar nicht so lange her, da galten sie als Schwächlinge“, erklärte der Experte.

Diagnose bei Burnout oft problematisch
Laut Schätzungen der Krankenkassen gibt ein Viertel bis ein Drittel der Deutschen an, unter dem Gefühl, ausgebrannt zu sein, zu leiden. Ob in jedem Fall tatsächlich ein Burnout dahintersteckt, ist nicht immer eindeutig diagnostizierbar, denn die Symptome sind sehr diffus. Darüber hinaus gibt es Überschneidungen mit den Therapien anderer psychischer Störungen, wie zum Beispiel Depressionen, berufliche Unzufriedenheit, Stress, Angststörungen oder Neurotizismus. Aufgrund der Unschärfe in der Abgrenzung zu anderen psychischen Erkrankungen ist es auch schwierig, konkrete Zahlen der tatsächlich Betroffen anzugeben. (ag)