Morbus Bechterew: Krankheit mit hoher Dunkelziffer

Heilpraxisnet

Krankheit verläuft bei Frauen schwächer, wird aber seltener erkannt

05.03.2013

„Ein Unglück kommt selten allein“ – dieses Sprichwort macht leider auch nicht vor Erkrankungen halt. Frauen, die oft unter starken Rückenbeschwerden leiden, sollten es sich besonders zu Herzen nehmen. Kommen zu den quälenden Kreuzschmerzen nämlich weitere Symptome wie Gelenksbeschwerden, rote, schmerzende Augen, Lichtempfindlichkeit oder Verdauungsprobleme hinzu, könnten sie an Morbus Bechterew leiden. Da die rheumatisch-entzündlich Erkrankung bei Frauen milder verläuft, bleibt sie häufig unerkannt. Weil ein frühzeitiger Therapiebeginn aber den Krankheitsverlauf günstig beeinflussen kann, sollten Frauen bei Verdacht rechtzeitig zum Rheumatologen gehen. Er greift neben schulmedizinischen Medikamenten auch auf alternative Heilverfahren wie Kälte- und Wärmebehandlungen oder Therapien mit Radon zurück.

„Bei den meisten Patienten beginnt die Erkrankung schon im Jugendalter. Schmerzen in der Lenden- und Gesäßregion, die oft in der Nacht und am Morgen auftreten, stellen typische Anzeichen dar“, verdeutlicht Univ.-Doz. Dr. Bertram Hölzl, Bechterew-Experte und ärztlicher Leiter des Gasteiner Heilstollen. Auch morgendliche Steifheit in den Gliedern, die länger andauert, oder bei Bewegung abnehmende Schmerzen, die sich in Ruhephasen verschlimmern, deuten auf Morbus Bechterew. Neben Schmerzen erschweren zudem chronische Erschöpfung und eine langsam fortschreitende Versteifung der Wirbelsäule das Leben Betroffener. Bei der auch unter dem Namen Bechterewsche Erkrankung bekannten Rheuma-Form, kommt es zu einer Fehlfunktion des Immunsystems. Körpereigene Abwehrzellen wandern ins Gewebe und lösen dort eine entzündliche Reaktion aus. „Ähnliche Ursachen liegen auch den oft beobachteten Begleiterkrankungen wie Augenentzündungen oder entzündlichen Darmerkrankungen zugrunde“, verdeutlicht Univ.-Doz. Dr. Hölzl.

Wie bei anderen rheumatischen Erkrankungen helfen auch bei Morbus Bechterew Wärme- und Kältetherapien, angezeigte Medikamente mitsamt ihren schweren Nebenwirkungen zu reduzieren. Sie mildern Schmerzen und Steifheit, indem sie die Durchblutung fördern. Vielen Patienten tut auch eine Radon-Therapie gut. Radon setzt im Körper milde Alphastrahlen frei, die Zellreparaturmechanismen anregen und die Aktivität von Entzündungszellen sowie Schmerzbotenstoffen verringern. Am effektivsten scheint aber eine Kombination aus Radon und Wärme zu sein. Patienten profitieren neben den Effekten des Radons und der Wärme zusätzlich davon, dass im leicht überwärmten Zustand der Körper Radon besser aufnimmt. Wissenschaftliche Studien bestätigen der sogenannten Radonwärmetherapie Erfolgsquoten zwischen 80 und 90 Prozent. „So bewirkt die Radonwärmetherapie eine signifikante Reduktion von Druckschmerzwellen, Schmerzintensität, funktionellen Einschränkungen und Medikamentenverbrauch“, weiß Dr. Hölzl. Für die Radonwärmetherapie fahren Patienten ins Innere eines Berges, in dem das Heilklima natürlich vorkommt. Krankenkassen übernehmen etwa 90 Prozent der Kosten. (pm)

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