Morbus Crohn – Neue Behandlungsoption bei chronischen Darmentzündungen

Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Darms. Bild: bilderzwerg - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Neue Therapie bei Morbus Crohn entwickelt
Morbus Crohn, eine chronische Darmentzündung wird oft erst spät entdeckt und steigert das Risiko, Darmkrebs zu entwickeln. Jetzt versprechen zwei neue Therapien Erfolge in der Behandlung. Das war ein Fazit der „Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGV)“ beim Aktionstag „Chronisch entzündliche Darmerkrankungen“ am 19. Mai.

Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Darms.
Morbus Crohn ist eine chronische Entzündung des Darms.

Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn galten bisher als nahezu unheilbar, auch wenn TCM bei Morbus Crohn manche Patienten ebenso hoffen ließ wie ein neues Medikament im Kampf gegen Morbus Crohn.

Neue Therapien
Zum einen soll der Wirkstoff Usteknuman effektiv gegen Morbus Crohn helfen, nämlich einen Schub der Infektion beenden und die Phase ohne Entzündungen verlängern. Morbus Crohn zeigt sich nämlich erstens durch regelmäßige Durchfälle. Diese sind schleimig, aber meist ohne Blut. Zweitens treten in Schüben Bauchschmerzen im rechten Unterbauch auf.

Ein zweiter neuer Ansatz setzt auf SMAD7Antisense-Oligonukleotid, das die Infektion des letzten Teil des Dünndarms eindämmen soll.

Morbus Crohn
Morbus Crohn befällt sämtliche Schichten der Darmwand – aber nicht alle Darmabschnitte sind gleichermaßen entzündet. Die genaue Ursache ist noch unbekannt, die Betroffenen zeigen aber einen Mangel an körpereigenen Antibiotika; deshalb vermuten viele Forscher eine gestörte Immunreaktion auf genetischer Basis, die vielleicht durch einen Infekt aktiviert wird.

Die Antibiotika fehlen, und darum kann die Darmschleimhaut schädliche Bakterien nicht hinreichend abwehren. Diese Bakterien wiederum lösen dann die Entzündung aus.

Morbus Crohn attackiert vor allem das letzte Stück des Dickdarms, befällt aber auch jeden anderen Abschnitt des Darms, und zwar vom Mund bis zum Anus. Überall dort treten Entzündungen auf – wenn diese heilen, hinterlassen sie Narben, die den Darm verengen können.

Bei schwerem Verlauf der Krankheit werden Nährstoffe vom Darm nur noch unzureichend verarbeitet. Dann ist Gewichtsverlust und Blutverlust die Folge. Das Risiko, Darmkrebs zu entwickeln, steigt.

Bisherige Behandlung
Mesalazin lässt sich als Zäpchen oder Rektalschaum anwenden, wenn nur Enddarm und unterer Dickdarm befallen sind. Bei einem schweren Schub helfen Kortisonpräparate, in Form eines Einlaufs oder wiederum als Schaum. Bei extrem schweren Schüben kommen Immunsuppressiva zum Einsatz. Diese unterdrücken die Abwehrfunktionen und hemmen so die Entzündung.

Gegen Morbus Crohn helfen Azathioprin, 6-Mercaptopurin und Infliximab. Lebende Stämme von Eschericchia-coli stabilisieren die Darmflora. Aziathiopirin hilft auch nach einem schweren Schub, die beschwerdefreien Zeiten zu verlängern. Damit die Fisteln und Abszesse bei Morbus Crohn abheilen, hilft Ciprofloxacin. Gegen die Durchfälle erweisen sich Loperamid oder Colestyramin als erfolgreich.

Darmoperation
Darmoperation
Oft helfen die Medikamente nicht mehr weiter, vor allem, wenn Blutungen auftreten, der Darm sich verengt, die Fisteln sich ausbreiten oder Eiter sich in größeren Mengen sammelt. Dann muss operiert werden.

Die Ärzte oder Ärztinnen entfernen jetzt die am stärksten betroffenen Abschnitte des Darms.
Bei Morbus Crohn vermeiden die Ärzte und Ärztinnen eine Operation so lange wie möglich, denn der verkürzte Darm bringt zusätzliche Beschwerden mit sich. Oft verheilen die Darmnähte nicht, oder es entstehen neue Fisteln und Abszesse.

Normale Darmbeschwerden
Morbus Crohn ist eine schwere und chronische Krankheit und schränkt massiv den Lebensgenuss ein. Auf Symptome zu achten, ist angebracht, wenn alternative Erklärungen für Darmbeschwerden fehlen. Wem der Darm zu schaffen macht, sollte sich aber fragen:

1) Habe ich in den letzten Tagen meinen Darm überreizt? Habe ich zum Beispiel sehr viel Kaffee getrunken, große Mengen Zucker oder Zuckerersatz zu mir genommen, zum Beispiel in Form von Energy-Drinks, Gummibärchen, Schokolade? Habe ich viel Alkohol getrunken, und / oder viele Zigaretten geraucht? Habe ich viel tierische Fette konsumiert – Bauchfleisch beim Grillen, Gänsebraten oder Eisbein?

2) Habe ich meinem Darm zu wenig Ballaststoffe zugeführt, also kein Obst und Gemüse, keine Hülsenfrüchte wie Bohnen oder Kichererbsen gegessen, bzw. keine Leinsamen, Kürbiskerne etc.?

3) Setzte der Durchfall nach einer Mahlzeit ein? Liegt vielleicht eine Unverträglichkeit oder Lebensmittelvergiftung vor?

4) Komme ich gerade von einer Reise zurück? Handelt es sich womöglich um eine Reise-Diarrhoe? Die dauert zwei bis fünf Tage an, Kolibakterien oder Viren sind die Ursache.

Kann ich alle diese Fragen mit Nein beantworten, handelt es sich vielleicht um Morbus Crohn. Spätestens, wenn Blut im Durchfall ist, heftige Bauchschmerzen dazu kommen und die Betroffenen fiebern, sollten sie am gleichen Tag zum Arzt gehen.

Was können Betroffene tun?
Wer unter einem akuten Schub leidet, sollte sich körperlich schonen und im Bett bleiben, sich also verhalten wie bei einem grippalen Infekt.

Während eines leichten Schubs lässt sich der Körper durch flüssige Nahrung ohne Ballaststoffe entlasten – bei einem schweren Schub sind jedoch Infusionen nötig. Bei Morbus Crohn vermindert der Verzicht auf Rauchen die Gefahr eines neuen Schubs.

Während leichterer Schübe und in beschwerdefreien Zeiten empfehlen sich Mittel der Pflanzenheilkunde gegen Durchfall und Bauchkrämpfe: Blutwurz, Pfefferminze oder Schöllkraut. Beim Wechsel von Durchfall und Verstopfung sind indische Flohsamen angebracht. (Dr.Utz Anhalt)

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