MS Diagnose: Erste Symptome erkennen

Fabian Peters

Multiple Sklerose Symptome

Multiple Sklerose-Diagnose durch äußerst unterschiedliche Symptome erschwert

26.05.2011

Die Symptome einer Multiple Sklerose-Erkrankung werden häufig fehlgedeutet und daher zu spät oder gar nicht diagnostiziert, berichten Experten der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) anlässlich des Welt-MS-Tags.

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Deutschlandweit informieren im Rahmen des Welt-MS-Tags Experten verschiedener Einrichtungen über die Ursachen, Symptome und gesundheitlichen Folgen der chronisch-entzündliche Erkrankung des Nervensystems, Multiple Sklerose, berichtet. Den Angaben der Deutschen Gesellschaft für Neurologie zufolge leben in Deutschland rund 130.000 Menschen mit MS und jährlich kommen zwischen 2.500 und 4.000 Neuerkrankungen hinzu. Die Symptome einer MS-Erkrankung können jedoch äußerst unterschiedlich ausfallen und denen anderer Krankheiten ähneln, wodurch die Diagnose deutlich erschwert wird, berichtete Prof. Ralf Gold, Direktor der Neurologischen Universitätsklinik in Bochum und Vorstandsmitglied des Krankheitsbezogenen Kompetenznetzes Multiple Sklerose (KKNMS) anlässlich des Welt-MS-Tags.

Multiple Sklerose kann alle Bestandteile des Hirns befallen
Multiple Sklerose betrifft meist relativ junge Menschen im Alter zwischen 20 und 40 Jahren, so die Aussage der Experten der DGN. Die ersten Symptome der entzündlichen Nervenerkrankung können dabei von leichten Sehstörungen bis hin zu Taubheitsgefühl am Kopf und/oder Schwächegefühlen in den Gliedmaßen reichen, betonte Prof. Gold. Die Betroffenen tendieren in der Regel dazu, einen den Symptomen entsprechenden Facharzt aufzusuchen. Doch auch wenn zum Beispiel bei Sehstörungen der Gang zum Augenarzt durchaus Sinn macht, ist bei den MS-bedingten Beeinträchtigungen eher ein Besuch beim Neurologen zu empfehlen, warnte der Neurologe. Denn ein Schleier vor Augen kann laut Prof. Gold ebenso Anzeichen der entzündlichen Nervenerkrankung MS sein. Diese könne „im Prinzip jeden Bestandteil des Hirns befallen, es kann alles ausfallen“, betonte Prof. Gold. Betrifft die Entzündung den Sehnerv nehmen die Patienten dies meist als milchigen Schleier oder leichte Unschärfe beim Sehen war, es kann jedoch auch ein vollständiger Sehkraftverlust eintreten. Gelegentlich werden die MS-bedingten Entzündungen des Sehnervs auch von Augenschmerzen begleitet, erklärten die Experten der DGN.

MS-Symptome äußerst unterschiedlich
Die Sehstörungen zählen bei etwa 40 Prozent der MS-Patienten zu den Erstsymptomen der chronisch-entzündlichen Erkrankung des zentralen Nervensystem, erläuterte Prof. Gold. Tritt dabei ein vollständiger Sehkraftverlust ein, ist die MS-Erkrankung auch durch den Augenarzt relativ einfach als solche zu erkennen und das Risiko einer Fehldiagnose liegt verhältnismäßig gering, ergänzte der Experte. Doch der milchige Schleier und die Sehunschärfe werden laut Aussage von Prof. Gold leicht mit den Symptomen anderer Krankheiten verwechselt, so dass Fehldiagnosen hier keine Seltenheit bilden. Ähnliches gilt für die motorischen Probleme, welche bei 30 Prozent der MS-Patienten als Erstsymptome auftreten. Allerdings sollten die häufig bei Beeinträchtigungen des Bewegungsapparats aufgesuchten Orthopäden relativ schnell erkennen können, ob eine MS-Erkrankung Ursache der Beeinträchtigungen ist oder andere gesundheitliche Probleme vorliegen, erklärte Prof. Gold. Demnach können die Orthopäden mit Hilfe von Reflexuntersuchungen die Funktionsfähigkeit der Nerven testen und die Patienten gegebenenfalls an einen Neurologen verweisen. Bei den restlichen 30 Prozent der MS-Patienten macht sich die chronische entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystem anfänglich als taubes Gefühl in einzelnen Gliedmaßen bemerkbar, berichtete Prof. Gold. Vor allem bei älteren Patienten werde hier häufig „erst einmal an einen Schlaganfall gedacht“, so der Experte weiter. Durch eine Kernspintomografie des Kopfes könne jedoch relativ eindeutig festgestellt werden, ob Durchblutungsstörung in den Arterien (Anzeichen für einen Schlaganfall) oder MS-Entzündungsherde vorliegen.

MS-Patienten warten meist Jahre auf die Diagnose
Insgesamt hat „die bislang nicht heilbare Krankheit“ Multiple Sklerose „sehr viele unterschiedliche Gesichter“, betonte Prof. Ralf Gold. Daher dauere es durchschnittlich drei bis vier Jahre bis den Patienten einen eindeutige Diagnose vorliegt. Außerdem seien die ersten MS-Symptome meist sehr mild und klingen aufgrund der spontanen Rückbildungsbildungsmöglichkeiten häufig von alleine wieder ab, berichtet Prof. Gold. Sobald die Patienten jedoch keine Symptome mehr aufweisen, wird laut Aussage des Fachmanns die Diagnose häufig nicht fortgeführt. Mit dem Einsetzen des nächsten Krankheitsschubes, beginnt die Diagnosestellung quasi von vorne. Dabei kommt erschwerend hinzu, dass beim zweiten Schub andere Symptome auftreten können, als die Erstsymptome der MS-Erkrankung. Häufig werden die anfänglichen Symptome daher nicht mit den Symptomen des zweiten Schubes in Verbindung gesetzt, wodurch die MS-Diagnose erneut erschwert wird, erläuterte Prof. Gold.

Welt-MS-Tag: Bewusstsein für die chronische Erkrankung schärfen
Die in der „Multiple Sclerosis International Federation (MSIF)“ organisierten MS-Gesellschaften initiieren seit 2009 jedes Jahr den Welt-MS-Tag, um „das öffentliche Bewusstsein für diese chronische Erkrankung zu schärfen“. Die Bevölkerung soll über Multiple Sklerose und ihre Auswirkungen auf das tägliche Leben aufgeklärt und informiert werden, nicht zuletzt um Verständnis zu wecken für die Belange der MS-Patienten. Beim diesjährigen Welt-MS-Tag stehen Veranstaltungen und Aktionen zu denen Themen „Die unsichtbaren Symptome der Multiplen Sklerose“ sowie „Arbeit und MS im Vordergrund. Auch Möglichkeiten der Arbeitgeber zur Sicherung der Teilhabe am Berufsleben für die MS-Erkrankten bilden dabei einen Schwerpunkt der Diskussion. (fp)