Mütter leiden unter Erschöpfung und Burnout

Heilpraxisnet

Doppelbelastung Arbeit und Familie: Immer mehr Mütter mit Burnout

18.06.2014

Für viele Frauen ist es oft nur sehr schwer zu verwirklichen, Arbeit und Familie unter einen Hut zu bringen und gleichberechtigt zu leben. Die Doppel- und Dreifachbelastung durch Kindererziehung, Haushalt und Job hat offenbar gesundheitliche Folgen. Immer mehr Mütter leiden in Deutschland unter Erschöpfung bis hin zum Burnout.

Deutlich mehr Kuren wegen psychischen Störungen
Nach Ansicht von Experten leiden in Deutschland immer mehr Mütter unter Erschöpfung bis hin zum Burnout. So sei der Anteil der Mütter, die wegen psychischen Störungen beim Müttergenesungswerk (MGW) eine Kur machten, deutlich gestiegen. Wie aus den Daten des MGW, die am Dienstag in Berlin vorgestellt wurden, hervorgeht, lag er 2003 noch bei 49 Prozent, doch zehn Jahre später bereits bei 86 Prozent. Das MGW betreut rund die Hälfte solcher Kuren in Deutschland. Insgesamt nahmen 2013 rund 49.000 Mütter und 71.000 Kinder an Mütter- sowie Mutter-Kind-Kuren des MGW teil, 2.000 mehr als noch vor zehn Jahren.

Ständiger Zeitdruck – berufliche Anforderung – mangelnde Anerkennung
„Die Zahl der Mütter mit Erschöpfungssyndrom bis hin zum Burnout, mit Schlafstörungen, Angstzuständen, Kopfschmerzen oder ähnlichen Erkrankungen ist in den letzten zehn Jahren um 37 Prozentpunkte gestiegen“, erklärte Anne Schilling, Geschäftsführerin des MGW. Die Frauen in den Kuren des MGW gaben als Ursachen für die psychischen Beschwerden am häufigsten ständigen Zeitdruck und Einsatz für die Familie an. Außerdem seien auch berufliche Anforderungen sowie zu wenig Anerkennung belastend. Während der Pressekonferenz in Berlin erläuterte Schilling: „Ständiger Zeitdruck, die berufliche Anforderung und mangelnde Anerkennung sind die Top 3 der Belastungsfaktoren, die die Mütter in den Kurmaßnahmen selbst benennen.“ Jedoch beklagten im Vergleich zu 2003 auch mehr Frauen Probleme in der Partnerschaft.

Belastungen sind gesellschaftlich bedingt
„Die Belastungen sind gesellschaftlich bedingt und die Erkrankung kein individuelles Versagen“, so MGW-Kuratoriumsvorsitzende Dagmar Ziegler. Es sei vielmehr der aktuelle Wandel familiärer Strukturen, der zum „Gesundheitsrisiko“ werde. So sei die Arbeit in der Familie ungleich verteilt. Mütter hätten beispielsweise das Gefühl, die Hauptverantwortung für das Abschneiden in der Schule ihrer Kinder zu tragen.Zudem sei heutzutage der Lebenslauf kaum noch planbar. Oft kämen auch noch Gewalterfahrungen und Armut hinzu. Frauen stünden generell in einem täglichen Widerspruch zwischen Erwartungen an Gleichberechtigung und „gelebter traditioneller Rollenerwartung“, so Ziegler.

Alleinerziehende Mütter haben es besonders schwer
Besonders schwer haben es zudem alleinerziehende Mütter. Laut dem aktuellen DAK-Gesundheitsreport leiden sie besonders unter Stress. Offenbar führen die Belastung durch die alleinige Übernahme der Erziehungsarbeit sowie finanzielle Sorgen dazu,dass sich viele Alleinerziehende überfordert und nicht anerkannt fühlen oder von Sorgen geplagt sind. So sind einer Studie der Bertelsmann-Stiftung aus dem März dieses Jahres zufolge 39 Prozent der Alleinerziehenden auf Hartz IV angewiesen. Auch wenn die Gruppe der Alleinerziehenden laut der DAK-Studie das höchste Stresslevel zeigte, ist auch bemerkenswert, dass Arbeitslose gestresster als leitende Angestellte sind.

Mütter wollen hohem Erwartungsdruck gerecht werden
Anne Schilling erklärte, dass Mütter dem hohen Erwartungsdruck gerecht werden wollten und oft erst dann professionelle Hilfe suchten, „wenn sie nicht mehr richtig funktionieren können.“ Im Schnitt waren die Frauen 37 Jahre alt und hatten durchschnittlich fünf Gesundheitsstörungen. Dazu zählten vor allem Rückenbeschwerden, starke Erschöpfung, Gereiztheit, Schlafstörungen sowie Kopfschmerzen. 70 Prozent der Mütter waren erwerbstätig, viele von ihnen in Teilzeit und etwa ein Drittel der Frauen war Hauptverdienerin der Familie. Das MGW teilte jedoch nicht mit, inwieweit eine veränderte Verschreibungspraxis zum Anstieg des Anteils psychischer Störungen als Ursache der Kuren beitrug. Positives hatte das MGW über die Ablehnungsquote der Krankenkassen von Anträgen auf Mutter-Kind-Kuren zu berichten. Wurden 2011 noch 35 Prozent aller Anträge abgelehnt, waren es 2013 nur noch 14 Prozent. (ad)

Bild: Benjamin Thorn / pixelio.de